MZ: Nächster Streik bereits in Sicht

Von: Daniel Gerhards
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Solidarität unter Gewerkschaftern: Die streikenden Mitarbeiter der MZ-Servicegesellschaft ziehen durch Würselens Innenstadt zur „Schlecker”-Filiale. Foto: Daniel Gerhards

Würselen. Die Tinte unter dem Tarifvertrag der Gewerkschaft Verdi und der öffentlichen Arbeitgeber ist gerade getrocknet, trotzdem standen rund 60 gewerkschaftlich organisierte Kollegen des Medizinischen Zentrums am Montag mit Trillerpfeifen, Transparenten und Verdi-Fahnen vor dem Würselener Krankenhaus auf Marienhöhe.

Es streikten allerdings nicht Krankenschwestern oder Verwaltungsmitarbeiter, denn für die gilt der jüngst abgeschlossene Tarifvertrag. Noch ohne Tarifvertrag sind die Mitarbeiter der MZ-Service-Gesellschaft.

Mehrere Knackpunkte

Die Mitarbeiter aus den Bereichen Reinigung, Küche sowie Hol- und Bringedienst machten ihrem Unmut über das Verhalten ihres Arbeitgebers Luft. In Sachen Bezahlung liegen Verdi und die Städteregion, der Eigentümer der MZ-Service-Gesellschaft, gar nicht weit auseinander. Die Gewerkschaft fordert für die rund 170 Beschäftigten 8,65 Euro pro Stunde plus einer Zusatzversorgung für den Ruhestand. Die Arbeitgeber bieten 8,43 Euro. „Bei 990 Euro Netto machen 25 Cent die Stunde viel aus”, erklärt Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Jungheim.

Ein weiterer Knackpunkt: Die Städteregion trat dem Tarifvertrag für das Hotel- und Gaststättengewerbe bei. Da liegt der tariflich vereinbarte Lohn bei 7,62 Euro. Der Arbeitgeber legt freiwillig 81 Cent pro Stunde drauf. Damit liegt man etwa bei dem Mindestlohn, der für das Reinigungsgewerbe gilt. Diese „Flucht” der Arbeitgeber stinkt Jungheim gewaltig. „Die Kollegen brauchen einen eigenen Tarifvertrag, mit einem Recht auf Bezahlung, keine freiwillige Gabe.” Die Kollegen müssten von ihrer Arbeit leben können, ohne ihr Einkommen durch Hartz IV aufzustocken. „Und im Alter dürfen sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein.”

Streik im kühlen Nass

Vom Medizinischen Zentrum zogen die die Streikenden durch die Würselener Innenstadt zur „Schlecker XXL”-Filiale in der Bahnhofstraße. Damit wollten die Gewerkschafter ihre Solidarität zu den „Schlecker”-Beschäftigten bekunden. Dort fanden die Demonstranten zwar eine verschlossene Tür vor, das hielt sie aber nicht von ihrer Kundgebung ab. „Das zeigt, dass die Kollegen bedrängt und verängstigt wurden”, sagt Gewerkschaftssekretär Christian Lindner. „Schlecker” habe seine Mitarbeiter nach massiver Einschüchterung zur Kündigung gedrängt und in Leiharbeit wieder eingestellt. „Durch die Betriebsschließung wurden die Löhne von 12,67 Euro auf 7,60 Euro gesenkt.”

Zu der Kundgebung erschienen auch zwei frisch gewählte „Schlecker”-Betriebsräte. Die Firma habe das gesamte Rheinland „über Jahrzehnte betriebsratsfrei gehalten”. Jetzt wählten „mutige Kollegen” erstmals Betriebsräte in Aachen und Düren.

Der Streik der Belegschaft der MZ-Servicegesellschaft geht indes noch die ganze Woche weiter. Neben Aktionen in Aachen und an einer Würselener Schule plant Jungheim, mit seinen Kollegen im Würselener „Aquana” ins Wasser zu gehen. Das Motto: „Das Wasser steht und bis zum Hals.”
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