Muslime besuchen katholische Kirche

Von: Markus Bienwald
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Gegenbesuch: Gaby Beyer-Ortmanns (l.) führte die Gäste am Tag der Offenen Moschee auch in die katholische Kirche St. Johannes in Merkstein. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Ein paar Stunden, bevor Gaby Beyer-Ortmanns selbst mit dem großen Schlüsselbund die katholische Kirche St. Johannes am Römerplatz aufschloss, stellte sie ihre Schuhe vor der Emir-Sultan-Moschee in Merkstein ab.

Denn am Tag der Deutschen Einheit, der auch der Tag der Offenen Moschee ist, hatte der islamische Gemeindeverein alle Interessierten eingeladen, einmal die Moschee zu besuchen.

„Da gerade Freitagsgebet war, konnten wir als Gäste natürlich ein paar schöne Eindrücke mitnehmen“, so Beyer-Ortmanns nach dem Besuch. Natürlich wurden die zahlreichen Gäste an diesem Tag auch bestens verköstigt, denn wer bei den Muslimen zu Gast ist, darf sich auf Anhieb wirklich heimisch fühlen. Auch darum, aber auch, um zu zeigen, dass die Christen Menschen allen Glaubens gerne in ihrem Gotteshaus empfangen, hatte die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Kirche am Römerplatz natürlich auch leckeren Kuchen und Kaffee dabei. Doch den gab es erst am Ende des Rundganges durch den beeindruckenden Bau aus den 1960er-Jahren.

In einer anderen Welt

Schon das Entree lud die 15 Besucher, unter ihnen viele Vertreter der islamischen Glaubensgemeinschaft, in eine für sie andere Welt ein. Denn die Kirche, so erklärte Gaby Beyer-Ortmanns, hat gleich zwei Zugänge. Und auch zwei unterschiedlich genutzte Kirchen unter einem Dach. Denn das an ein Scheunentor erinnernde Portal mit dem kurzen Säulengang wird nur sonntags und an Festtagen geöffnet, damit die Menschen in die große Hauptkirche gehen können.

Die Schuhe durften dabei angezogen bleiben, wie die Gäste aus feststellten, was gleich war, ist allerdings die räumliche Ausrichtung des Baues nach Osten. „Hinter dem Altarraum gibt es ein Fenster, das genau nach Osten ausgerichtet ist, und am Johannestag von Licht erfüllt ist“, wies die Gästeführerin auf eine bauliche Besonderheit hin. Auch sei es dank der hervorragenden Akustik möglich, hier Messen ohne elektronisch verstärkte Stimmen abzuhalten, was am Beispiel der dem Platz des Vorbeters in der Moschee nicht unähnlichen Kanzel für Predigten deutlich wurde. Eine weitere Besonderheit ist, neben den Glasfenstern des Alsdorfer Künstlers Ludwig Schaffrath, auch die Lage der Monstranz. Die ist nämlich in der im Gebäude integrierten Alltags- und Taufkirche untergebracht. „Das bedeutet lange Wege zum Leib Christi, was für den Besucher erstmal für Erstaunen sorgt“, erläuterte Beyer-Ortmanns.

Wie der Hahn aufs Dach kommt

Schlicht, aber ergreifend ist auch der kleine Innenhof, der einem kleinen Klostergarten gleicht und auch einen Brunnen integriert hat. Hier konnten die Gäste auch erfahren, warum auf den meisten katholischen Gotteshäusern ein Hahn auf dem Dach ist. „Das bezieht sich auf die Stelle, wo Jesus Petrus vorhersagt, dass er noch, ehe der Hahn krähe, ihn drei Mal verleugnet habe“, erläuterte Gaby Beyer-Ortmanns.

„Eine sehr interessante Führung“, bestätigte auch Salim Basgul am Ende des gut halbstündigen Besuchs bei den katholischen Nachbarn. Und er freute sich, dass sich die Menschen ohne Blick auf Glauben und Herkunft, in der Gemeinschaft Merksteins gut aufgehoben fühlen. „Das gilt natürlich auch für uns und alle Mitglieder der islamischen Glaubensgemeinschaft“, bestätigte er. Zwar war der Besuch bei den Christen von nicht so vielen Gästen geprägt, dennoch gestattete dieser exklusive Blick am Tag der Offenen Moschee auch einmal die Katholische Glaubensgemeinschaft zu besuchen, schöne und interessante Einblicke.

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