Herzogenrath - Montagsgespräch: „Pius XII. wollte die Nazis stoppen“

Montagsgespräch: „Pius XII. wollte die Nazis stoppen“

Von: mabie
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Die wahre Rolle: Schriftsteller und Journalist Michael Hesemann sprach bei den Montagsgesprächen über Papst Pius XII. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Die Fragestellung ist nicht neu: Hätte Papst Pius XII. in seiner Rolle als kirchliches Oberhaupt den Wahnsinn des nationalsozialistischen Regimes stoppen können, indem er Krieg und Judenverfolgung öffentlich verurteilte? Oder war er gar ein Geistlicher, der durch Untätigkeit glänzte? Eindeutige Antworten auf Fragen der Zeitgeschichte gab Journalist, Schriftsteller und Vatikankenner Michael Hesemann im Rahmen der Herzogenrather Montagsgespräche in der Pfarrgemeinde St. Gertrud.

Dazu tauchte er tief in Quellen und Darstellungen ein, ließ nur wenige Facetten aus, um dennoch ein komplettes Bild des Papstes, der eigentlich Eugenio Pacelli hieß, zu zeichnen. So enthüllte Hesemann durch intensive Quellenarbeit, dass Pius XII. fälschlicherweise als jemand dargestellt wurde, der sich dem Judentum gegenüber abfällig verhielt und äußerte.

Vielmehr war dies Schuld des Übersetzers, der mit einer laut Hesemann „verzerrenden Übersetzung“ Stimmung machte. „Jeder Student, der eine derartige Übertragung in seinem ersten Semester abliefert, würde von seinem Professor sofort aus dem Seminar geworfen“, betonte der Referent.

Im Gegensatz zu diesen diffamierenden Darstellungen zeigte Hesemann auf, dass Pacelli nicht nur einen jüdischen Schulfreund hatte, sondern auch einer Familie zur Flucht nach Palästina verholfen habe. „Auch als in Deutschland Adolf Hitler an die Macht kam, hat Pacelli sofort an seinen Nuntius in Berlin und München Briefe geschrieben, ob erfolgreiche Interventionen gegen den Antisemitismus möglich seien.“

Deutliche Worte

Persönlich fand der spätere Papst schon 1924 deutliche Worte gegenüber dem fanatischen Machthaber. „Er hielt den Nationalsozialismus für die gefährlichste Irrlehre unserer Zeit“, belegte der Vortragende. Hitler selbst hielt er für völlig von sich besessen, als jemanden, der über Leichen gehe und alles niedertrete, was ihm im Weg stehe.

Ein ums andere Mal habe der Papst alles, was in seiner Macht stand, versucht, um die Nazis zu stoppen und etwas gegen ihre Ideologien und ihr Handeln zu tun. Den manchmal vorgetragenen Vorwurf, Pius XII. habe nicht auf den Holocaust reagiert, konnte Hesemann, der regelmäßig in den Archiven des Vatikans arbeiten darf, ebenfalls entkräften.

„Ich sah ihn weinen wie ein Kind und beten wie einen Heiligen“, wird Pius in einem Brief beschrieben, als er von den Gräueltaten des Naziregimes erfuhr. „Dennoch hat er nicht offen protestiert, denn er hatte Angst, dass den Juden noch mehr Leid widerfährt“, schloss er. „Wie man ihn heute Hitlers Papst nennen kann, ist mir ein Rätsel.“

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