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Montagsgespräch: Ex-NPD-Funktionär macht Mut zur Umkehr

Von: Nina Krüsmann
Letzte Aktualisierung:
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Der Glaube und Christus kamen plötzlich in sein Leben zurück: Ex-NPD-Funktionär Stefan Rochow. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. „Persönlich gefärbt“ war das Montagsgespräch mit Stefan Rochow: Der ehemalige NPD-Funktionär hat sich vor allem durch seinen neu gewonnen Glauben aus den Verwirrungen neonazistischer Wege befreit und den Ausstieg aus der Partei geschafft.

 Mit dieser brisanten Biografie passt er in die Vortragsreihe in der Pfarre St. Gertrud, die jetzt in ihr zehntes Jahr startete. 

Voll besetzt war der Saal im Gemeindezentrum an diesem Abend, der sich kritisch mit dem Neo-Nationalsozialismus auseinandersetzte. Rochow schilderte, wie er zunächst zur NPD, dann zum katholischen Glauben gefunden hat und dadurch aus der rechten Szene ausgestiegen ist. Er machte „Mut zur Umkehr“: Das Ergebnis sei anfangs schmerzhaft, am Ende aber mache es zufrieden.

Pfarrer Dr. Guido Rodheudt führte zunächst in die Biografie des Gastes ein: Rochow, geboren 1976 in Greifswald, blickte seit seinem Eintritt 1998 auf eine eindrucksvolle Ämter-Laufbahn in der Neonazi-Partei zurück: Lange galt er als der wohl „wichtigste Nachwuchsfunktionär“ (Die Welt) in der NPD. Er war Mitglied des NPD-Parteivorstandes, Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD, stellvertretender Leiter des Parlamentarischen Beratungsstabes der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag und zuletzt Pressesprecher der NPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

„Ich bin zwar in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, danach spielte Christus aber zunächst keine Rolle in meinem Leben. Mit Papst Benedikt XVI. kamen der Glaube und Christus plötzlich wieder in mein Leben zurück“, erklärte der Referent. Sein Leben sei plötzlich wie umgekrempelt gewesen, er stellte sein bisheriges Tun in Frage, vor allem seine politische Verirrung.

2008 trat Rochow aus der NPD aus, konvertierte 2009 zum katholischen Glauben. Seine Erfahrungen erzählt er bei Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen. Seit 2011 absolviert er ein Fernstudium der Theologie an der Katholischen Akademie in Würzburg.

Die vorgelesenen Passagen aus seinem 2013 veröffentlichten „Aussteiger“-Buch mit dem Titel „Gesucht. Geirrt. Gefunden. Ein NPD-Funktionär findet zu Christus“ machten deutlich, wie schwer Rochow es nach seinem Austritt aus dem rechten Lager hatte: „Ich habe Hunderte Bewerbungen geschrieben, bekam auf dem Arbeitsamt zu hören, ich sei ein schwerer Fall. Ich war zwar ideologisch verrannt, bin aber nicht vorbestraft. Mit meinem sauberen Führungszeugnis hat man mich mit einem Mörder verglichen.“ Heute lebt Rochow mit seiner Familie in Schwerin und ist als beratender Betriebswirt und freier Journalist tätig.

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