Mittendrin im Höhepunkt der Session

Von: Elisa Zander
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Diese Momente genießen sie in vollen Zügen: Hier beim Einmarsch in die Aula des Gymnasiums, wenn die Karnevalisten das Dreigestirn umjubeln bei seinem Gang in Richtung Bühne. Foto: Elisa Zander
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Eine stete Begleiterin: Tanzmarie Melanie Kreutzer.
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Los geht‘s: Die Stimmung ist gut, alle freuen sich auf den Tag, den sie gemeinsam verbringen werden. Mit dem Bus geht es zu den einzelnen Auftritten.

Würselen/Aachen. Jetzt wird angestoßen. Auf einen Tag und vor allem einen Höhepunkt am Abend, den sie sich viele Wochen ausmalten, der am Ende aber doch anders war. Ein bisschen müde sehen sie aus, die Männer, die seit Wochen das Würselener Dreigestirn verkörpern: Harald Matthäus als Prinz Harald I., Bauer Achim (Mallmann) und die Lieblichkeit, Jungfrau Gregoria (Gregor Kreutz).

Müde, aber glücklich. „Das war Adrenalin pur“, sagt der Karnevalsprinz über den Einmarsch in der Aula des Gymnasiums, in der noch immer die Frauensitzung der Karnevalsgesellschaft (KG) Au Ülle tobt. „Da werden wir sicher heute Nacht noch von träumen.“

Die Bilder haben sich eingebrannt. Fünf Minuten lang unter den Klängen des Bundestambourkorps Alte Kameraden zog das Dreigestirn durch den Saal, verteilte Rosen, Pralinen und Bützjer. Konfettikanonen wurden gezündet, Seifenblasen gepustet und auf Tischen und Stühlen standen hunderte jecke Frauen und feierten die Narrenspitze.

Mit dem Bus durch die Region

Neun Stunden zuvor. Es ist kurz nach zehn Uhr, langsam treffen erste Vertreter der Prinzengarde des 1. Würselener Karnevalsvereins (WKV) ein. Am Straßenrand der Lehnstraße steht der Bus bereit, mit dem das Gefolge zu den vier Auftritten an diesem Tag gemeinsam mit den düvelstädtischen Narrenherrschern fährt. Herzlich begrüßt man sich untereinander. Noch schnell ein Plausch über den vergangenen Abend – fünf Auftritte waren es an dem Tag, gegen 0 Uhr war man zu Hause – und los geht es in Richtung Aachen. In der Viktor-Frankl-Schule steht der Biwak der Burtscheider Lachtauben auf dem Programm.

„Jede Minute ist aufregend“, sagt Harald Matthäus, „jeder Auftritt ist anders.“ Und er betont: „Für uns ist jeder Auftritt wichtig. Wir werten sie nicht.“ Ja, da war der tolle Abend im Aachener Eurogress mit 1400 Jecken. Aber hier in der Schule, wo „der Saal fast leer ist, treten wir genau so gerne auf“, sagt der Prinz. Und dann ist es so weit. Ein Pfiff ertönt, Garde, Hofstaat und Tanzgruppe machen sich bereit und marschieren ein.

Auf der Bühne das erste Lied, dann läuft erstmals an diesem Tag die Musik für Tanzmarie Melanie Kreutzer, und ein weiteres Lied. „Hey Wöschele“ heißt es, das sie mit Zustimmung der Höhner auf die Melodie von „Hey Kölle“ geschrieben haben. Schließlich tritt die Damengarde auf. Dass Stimmung und Karnevalsfreude nicht zwangsläufig mit einem voll besetzten Saal zusammenhängen, zeigt sich dann beim dritten und letzten Lied, das vom Dreigestirn dargeboten wird: Da springen die Frauen auf, klatschen und wiegen sich im Takt der Musik.

Es werden noch Orden verliehen – Bützjer gibt es von Jungfrau Gregoria – und schon heißt es: „Abmarsch bitte!“ Im hinteren Bereich warten bereits die karnevalistischen „Kollegen“ aus Würselen – die Hölze Päed. Und draußen der Bus. Weiter geht es nach Aachen-Brand: Biwak der Brander Unterbähner im Festzelt am Brander Bahnhof.

Warten auf den Auftritt

Wenig ist los, keine kostümierten Jecken, nur einige Vereinsmitglieder sitzen an den wenigen Tischen vor der Bühne. Die Prinzengarde Brander Stiere wartet auf ihren Auftritt. Noch steht der Brander Prinz dort oben und singt. „Das muss man verstehen, wenn man das macht“, sagt Gregor Kreutz. „Karneval bedeutet nicht immer volle Säle.“ Solche Biwaks veranstalten Vereine, um sich mit dem Geld, das die sie besuchenden Vereine für Getränke und Mahlzeiten ausgeben, zu finanzieren.

Bis das Dreigestirn mit seinem Hofstatt und der Prinzengarde aufmarschiert, bleibt noch eine halbe Stunde. Zeit, um mit den Mitgereisten zu plaudern, die Ansteck-Pins zu begutachten, die seitens der Unterbähner verkauft werden.

Bevor die drei Männer als Dreigestirn in Richtung Bühne marschieren, gibt es noch einen kritischen Blick von Hans-Günter Dahmen. Als Prinzenführer hat er die Drei stets im Blick, richtet Orden und Kopfbedeckungen.

Den mächtigen Hut des Bauern schmücken 190 Pfauenfedern. Den Dreschflegel sowie weitere kleine Accessoires hat Achim Mallmann sich vom ehemaligen Dreigestirns-Bauer aus Erkelenz geliehen. „Wir wollten das Geld lieber für andere Dinge ausgeben.“ Denn Kostüme und Zubehör von der Stange sind nicht nur teuer sondern auch nicht unbedingt nach ihrem Geschmack, abgesehen von der teilweise schlechten Qualität. Darum hat eine talentierte Näherin der Au Ülle bei der Gestaltung der Ornate ausgeholfen. Auch die Kostüme des Hofstaates hat sie allein gestaltet.

Es ist beinahe 13 Uhr. Mittlerweile haben die Brander Stiere nach ihrem Abmarsch das Zelt bereits verlassen, der Besuch aus Würselen zieht auf. Wieder Singen und Tanzen, einige Orden werden verliehen. Rund 20 Minuten dauert das Programm aus Würselen. Und die gehen oft schneller vorbei, als gedacht. Die Auftritte in der Region sind ihnen auch deshalb wichtig, weil, so Mallmann, „wir Botschafter für den Würselener Karneval sind. Und wenn den Leuten gefällt, was wir auf der Bühne zeigen, dann ist das auch gut für Würselen.“

Session genießen

Ist die Session so, wie sie es sich vorgestellt haben? „Besser“, sagt Achim Mallmann und strahlt. „Wir genießen das richtig.“ Was auch damit zusammenhängt, dass sie als Dreigestirn zwar viele Auftritte haben, aber lange nicht so viele, wie beispielsweise der Aachener Karnevalsprinz. Fünf Wochen sind die drei nun miteinander unterwegs „und hatten keine Probleme miteinander, keine Unstimmigkeiten“, betont Mallmann.

Gemeinsam gehen Hofstaat, Prinzengarde und Narrenherrscher in die Pause. Die dampfende Gulaschsuppe in der Hofburg „Zur Teut“ ist eine willkommene Abwechslung zu den sonst häufig in Veranstaltungsstätten gereichten Pommes mit Wurst.

Schließlich fährt der Bus weiter und bringt die Gesellschaft zur Festhalle in der Broicher Siedlung. Dort feiern die Jecken bei der Nostalgiesitzung der Linden-Neusener Klöös. „Tolle Stimmung“, sagt Harald Matthäus im Anschluss. „Eine ganz große Herzlichkeit. Ich nenne so etwas gerne ‚Wohnzimmerauftritte‘, denn da sind wir bei Freunden gewesen.“

Doch keiner der drei kann verbergen, dass sie jetzt aufgeregt sind. Sie freuen sich auf den Abend, auf die Frauensitzung. Auf ihren Gesichtern liegt ein erwartungsfrohes Lächeln. „Das Bundestambourkorps steht schon bereit“, erzählt Hans Dahmen, als er in den Garderobenbereich des Gymnasiums kommt, wo die Narren auf ihren Auftritt warten. „Macht euch auch langsam bereit.“ Wieder werden Orden und Kragen gerichtet, Kopfbedeckungen aufgesetzt, der Lippenstift und Lidschatten bei Jungfrau Gregoria aufgefrischt. Dann ertönt zum letzten Mal an diesem Tag der Pfiff. Aufstellung.

Imposantes Bild

„Das, was ihr hier eben gemacht habt, das habe ich noch nicht erlebt. Wahnsinn!“ Prinz Harald steht auf der Bühne der Aula, umringt von Hofstaat – jetzt in deutlich größerer Form als am Tag, denn die Frauen mussten bei den letzten Vorbereitungen für die Sitzung helfen – Tambourkorps, Damenelferrat und Prinzengarde. Ein tolles Bild! „Gänsehaut pur ist das, wenn man in den Saal guckt und alle stehen auf den Stühlen, singen und tanzen mit“, erzählt der Prinz anschließend.

Doch ein bisschen Melancholie ist dabei – es war die letzte Sitzung in dieser Session. Nun geht es in den Endspurt. Der Straßenkarneval steht bevor, der heute mit der Rathausstürmung beginnt. „Wir hoffen, dass viele Narren dabei sind“, sagt Mallmann. Denn allein Karneval feiern, das macht keinen Spaß. Das jecke Volk gehört für sie definitiv dazu. Es ist eben ein Dreigestirn zum Anfassen.

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