Mit elegantem Schwung in den Mülleimer

Von: Patrick Nowicki
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Eschweiler. Etwas erstaunt schauen die Fußgänger schon. Mitten auf dem Gehweg im Weisweiler Park nimmt ein Mann mit einem Golfschläger Maß. Der nächste Golfplatz befindet sich jedoch in Kinzweiler, also einige Kilometer entfernt. Auch ein Loch mit einer Fahne ist nirgendwo zu sehen.

Das ist auch nicht erforderlich, denn der Mann visiert einen Mülleimer an. Dorthin fliegt der Ball auch in hohem Bogen. Crossgolfen nennt sich die Sportart, die immer mehr Freunde findet und nun auch Eschweiler erreicht hat. „Dass viele Passanten stehen bleiben und uns zuschauen, ist nichts Ungewöhnliches für uns”, sagt Sascha Bien. Er ist einer der Initiatoren des Zusammenschlusses. „Man nennt mich intern auch manchmal liebevoll Präsident”, ergänzt er lachend.

Offiziell kann er sich so nicht nennen, denn eine Vereinsgründung steht noch aus. Wenn sie denn jemals vollzogen wird. Derzeit erkunden an den Wochenenden immer wieder mal Gruppen mit bis zu 30 Crossgolfern die Städteregion. „Es ist ein lockerer Zusammenschluss von Menschen, die zwar Spaß am Golfsport haben, jedoch sich die manchmal hohen Nebenkosten sparen wollen”, erläutert Bien. Bis zur Platzreife in einem der offiziellen Clubs in Deutschland liegt nämlich ein teurer und langer Weg.

Das ist bei den Crossgolfern anders: „Bei uns kann jeder mitmachen”, betont Bien. Selbst Schläger habe man meistens im Gepäck, sollte jemand spontan zu der Gruppe stoßen. „Man benötigt fünf Minuten, um den Ball zu treffen, und ein ganzes Leben, um ihm zu zeigen, wohin er fliegen soll”, weiß er, dass man schnell dem Reiz des Golfens erliegen kann. Gespielt wird überall. Die Crossgolfer in der Städteregion schlugen schon in der Aachener Innenstadt und im Stadtgarten ab, schwangen ihre Schläger auf der Stolberger Burg und im Alsdorfer Anna-Park.

Natürlich werden die Behörden vorher informiert. Nur zur Sicherheit, denn passieren kann eigentlich nichts. Selbst die herumfliegenden Bälle sind völlig ungefährlich: Crossgolfer nutzen einen Ball aus PU-Schaum, der ähnliche Flugeigenschaften besitzt wie ein handelsübliche Golfbälle, allerdings früher landet. So gehen keine Scheiben zu Bruch, bleiben Passanten von schmerzhaften Begegnungen verschont. „Das Gefährlichste sind unsere Schläger”, sagt Sascha Bien. Geschlagen wird mit 6er und 8er Eisen sowie mit dem Pitching Wedges.

In anderen Ländern wie Frankreich gibt es sogar schon Meisterschaften im Crossgolfen. Dorthin zieht es die Aachener Crossgolfer immer wieder. Erst am Montag kehrte eine Gruppe aus Lille zurück, wo ein Turnier stattfand. Das ist auch ein großer Traum von Sascha Bien - ein Turnier in der Städteregion. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren, nur der genaue Ort wird noch nicht verraten. Allerdings ein Zeitpunkt: „Im Juni werden wir vielleicht sogar Meisterschaften austragen.”

Ähnlich wie beim Mini-Golf bleiben einem Spieler eine bestimmte Anzahl Schläge, um das Ziel zu treffen. Nicht immer muss der Ball in einem Loch oder einem Behälter landen, auch ein Schild oder ein Baum können Ziel sein. Werden bestimmte Gebiete häufiger bespielt, dann werden mögliche „Bahnen” in einem Buch zusammengefasst. Es gibt lediglich eine Regel, die bei allen Crossgolfern gilt: „Sicherheit geht vor”, betont auch Sascha Bien.

Im Weisweiler Park wird man den Crossgolfern sicher nochmal zusehen können. Dort bekamen zwei Golfer sogar nasse Füße, weil ein Ball in der Inde gelandet war.
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