Mit ein wenig Draht beginnt das Abenteuer

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
her_amateurfunkerbu
Das Tor zur Welt besteht heute aus Hightech-Geräten: Jürgen Herbord (links) und Christian Rüland sind begeisterte Amateurfunker. Foto: St. Herrmann

Herzogenrath. Mit muffigen, engen Kellerräumchen, vollgestopft bis unter die Decke mit antiquarisch anmutenden Technikgeräten, hat Jürgen Herbords Hobby-Arbeitsplatz nichts gemein. Hier, in einer hellen Etagenwohnung in Kohlscheid, steht Hightech auf dem Schreibtisch. Im Hintergrund flimmert der PC-Bildschirm.

Die typische alte Sprechanlage ist zwar noch angeschlossen. „Meistens benutze ich aber das Headset”, zeigt der 45-Jährige auf das moderne Kopfhörer-Set samt integriertem Mikro. Jürgen Herbord ist Amateurfunker aus Leidenschaft.

Ist das denn noch modern in Zeiten von iPads und iPhones, von Internet und Chatrooms? „Auf jeden Fall”, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Herzogenrather Ortsverbands des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC).

Früh hat ihn das Interesse an der Funkerei gepackt. „Da war ich gerade mal drei, vier Jahre alt und schaute meinem Onkel, der ebenfalls Amateurfunker ist, über die Schulter.” Zunächst hat er mit der eigenen Anlage Radio und Kurzwelle gehört. „Ich war immer begeistert, Signale aus aller Welt zu empfangen”, erinnert sich der Metzgermeister an die Anfänge.

Zu Beginn der 90er Jahre machte Herbord dann die Lizenz. Denn Senden (und nicht nur Hören) und sich Funkamateur nennen darf nur, wer die Prüfung bei der „Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post” ablegt. So hieß das damals. Heute ist die Bundesnetzagentur zuständig. „Da wechseln die Namen dauernd in den letzten Jahren”, weiß Christian Rüland. Der 30-Jährige gehört zur jüngeren Funker-Generation.

Als angehender Radio- und Fernsehtechniker geriet er 2006 in der Berufsschule ins Funk-Feuer. Einige seiner Lehrer waren Funkamateure. „Das war der erste Kontakt.”

Für ihn sind vor allem die digitalen Betriebsarten ein spannendes Feld. Der PC und spezielle Software gehören da einfach dazu. „Damit schlägt man sich auch gerne mal die eine oder andere Nacht um die Ohren”, schmunzelt Rüland, der im Herzogenrather Club mittlerweile das Amt des Kassierers inne hat.

Unerschöpfliche Möglichkeiten

Amateurfunk ist so was wie die eigene Radiostation. Man wird rund um die Welt gehört. Jürgen Herbord beweist das mit ein paar schnellen Handbewegungen und schon erwacht die aufwendige Apparatur zum Leben. Er dreht am Rädchen seines Funkgeräts. Die schnell aufeinander folgenden Piepstöne erinnern an den kleinen, ulkigen Robotor R2D2 aus den „Krieg der Sterne”-Filmen. Dann hört Herbord aus dem Rauschen die ersten Kennung: RA. „Das ist ein Russe”, sagt er. Wenig später hört man, wie sich der Amateurfunker als „Pavel” vorstellt. Herbords Rufzeichen lautet „DL3JH”

Das ist der Reiz. Das Abenteuer, das jeder von daheim mit einem Stückchen Draht und ein wenig Technik erleben kann. „Das Spektrum unseres Hobbys ist riesig”, zählt Herbord auf: Sprechfunk, digitale Betriebsarten, Fernsehbilder-Übertragung, Erde-Mond-Erde und immer noch das traditionelle Morsen. Geräte selber bauen, prüfen, messen und natürlich der Antennenbau bieten unerschöpfliche Möglichkeiten.

Ein Meilenstein in der Clubgeschichte der Herzogenrather war der Funkkontakt zur Internationalen Raumstation im Februar 2009, den die Amateurfunker gemeinsam mit Schülern des Gymnasiums Herzogenrath realisierten. Ab September bieten die 27 Clubmitglieder einen Einsteigerkurs mit der VHS an, auf dem Stadtfest in Kohlscheid am 4. und 5. September stehen Herbord & Co. mit einem Info-Stand.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert