Mit dem Wohnmobil in Richtung Aufbauhilfe

Von: Stefan Schaum
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Kennenlernen vor bald 20 Jahren: Heutzutage verbindet Alsdorfs Kämmerer Günter Jansen viel mit dem Hennigsdorfer Stadtwappen. Foto: S. Schaum

Alsdorf/Hennigsdorf. Im Fernsehen hat Günter Jansen den Zusammenbruch der DDR miterlebt. Hat die Bilder der Menschen gesehen, die am 9. November 1989 in Scharen durch die Grenzposten in Richtung Westen strömten.

Menschen, die einander vor Freude weinend in den Armen lagen, weil ihnen plötzlich die Welt offenstand, und die auf einer entwürdigenden Mauer tanzten, die schon bald verschwunden sein sollte.

Bewegt war Günter Jansen damals. „Ich hatte zwar keine persönlichen Beziehungen zu Menschen in der DDR, aber ich war schon sehr ergriffen.” Seinerzeit hat der heutige Kämmerer der Stadt Alsdorf freilich nicht geahnt, dass ihn sein Weg schon bald in den Osten führen sollte.

Dass er dort Menschen treffen würde, mit denen ihn heute besondere Freundschaften verbinden. Und dass die ganze Sache mit einem Wohnmobil zu tun haben würde, das geradezu legendär werden sollte.

Erst mal abgewartet

In den Monaten nach dem Mauerfall waren Länder und Kommunen im Westen gefordert, Entwicklungshilfe zu leisten, im Osten neue Strukturen zu schaffen und die alten abzuwälzen.

Jansen: „Wir haben in Alsdorf zunächst einmal abgewartet, was alles passiert.” Bis Stadtdirektor Hans Puchert im Frühjahr 1990 zu seiner Verwaltung gesagt habe: „Leute, ihr müsst euch da auch engagieren!”

Da - das war per Zufall Hennigsdorf am Rande von Berlin. Eine Stadt im brandenburgischen Landkreis Oberhavel mit etwa halb so vielen Einwohnern wie Alsdorf und damals so abhängig von der Stahlindustrie wie es Alsdorf einmal von der Kohle war.

„Es hätte jede andere Stadt sein können”, sagt Jansen, der Kontakt sei über viele Ämter und Zwischenstationen zustande gekommen. Der damals 40-jährige Mitarbeiter der Kämmereiamtsleitung sollte derjenige sein, der in Hennigsdorf gewissermaßen den Boden bereiten sollte für seine Kollegen.

„Ich habe wochenlang versucht, da ein Hotel zu finden.” Vergeblich. Denn in Hennigsdorf selbst gab es zu der Zeit gar keins und die im nahen Berlin waren komplett ausgebucht.

„Ich bin dann in einen Autoverleih und hab´ mir ein Wohnmobil geliehen”, erinnert er sich. Bestückt hat er das Gefährt mit Stühlen, Schreibtischen und Schreibmaschinen aus dem Rathaus. Mit Dingen, an denen es in der neuen Hennigsdorfer Verwaltung mangelte.

In der Nacht ist er in Hennigsdorf angekommen, hat das Mobil am Straßenrand abgestellt und sich schlafen gelegt. „Am frühen Morgen bin ich dann wachgehupt worden - ich stand nämlich auf der Hauptzufahrt zum Stahlwerk.”

Nicht die einzige Erinnerung, die ihn Schmunzeln lässt. Wie er der Verwaltung, die damals aus einer Gruppe unerfahrener Mitarbeiter bestand, die kaum geeignetes Mobiliar und Arbeitsgerät hatte, eine Haushaltsrechnung erstellt hat, war nämlich auch kurios.

„Auf einem alten Commodore C64-Computer, den ich mitgenommen hatte.” Zum Telefonieren musste er - lange vor den Handys - jedesmal nach Westberlin fahren. „Von Hennigsdorf aus kam keine Verbindung nach Alsdorf zustande, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.”

Enorme Erlebnisse

Eine gute Woche hat er dort gearbeitet. „Von morgens früh bis spät in die Nacht. Es gab ja so viel zu tun.” Anschließend habe man nicht selten noch im Wohnmobil zusammengesessen und gefeiert.

„Das waren enorme Erlebnisse”, sagt Jansen heute. „Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt und im Lauf vieler späteren Fahrten nach Hennigsdorf eine Stadt und ihre Verwaltung ganz neu erblühen sehen.”

Auch Andreas Schulz, 1990 im Alter von 29 Jahren zum Bürgermeister in Hennigsdorf gewählt und heute noch in diesem Amt, spricht gern über die Zeit mit Günter Jansen. Nicht bloß, weil beide Sozialdemokraten sind.

„Ohne die Hilfe von Günter und der vielen Alsdorfer, die nach ihm kamen, wären wir nicht so schnell auf die Beine gekommen. Das war eine spannende Zeit für uns alle, die von sehr großer Herzlichkeit und Kooperationsbereitschaft geprägt war.”

Mit viel Leben gefüllt

Seit 1991 verbindet die beiden Kommunen eine Städtepartnerschaft, die mit viel Leben gefüllt ist. Auch Günter Jansen war im Lauf der Jahre immer gern zu Gast bei Freunden.

Das Wohnmobil hat ihn allerdings nur auf der ersten Reise begleitet. Doch hat es nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Jansen: „Ein paar Wochen nach meinem Besuch ist noch mal ein Wohnmobil mit Aachener Kennzeichen in Hennigsdorf gesehen worden. Da gab es prompt eine Anfrage in der Ratssitzung - ob denn der Günter wieder da sei...”
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