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Mit 88 Jahren ist Edith Gründler immer noch äußerst präsent

Von: Jule Klieser
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Friedensaktivistin Edith Gründler (l.) erzählte aus ihrem Leben. Frauenbeauftragte Silke Tamm-Kanj stellte Fragen. Foto J. Klieser Foto: Klieser

Würselen. Edith Gründler könnte einem Märchen entsprungen sein. Sie verkörpert die weise, freundliche Großmutter mit langen weißen Haaren. Bei der Veranstaltung des Würselener Frauenplenums, das im alten Rathaus turnusmäßig besondere Frauen Würselens vorstellt, begrüßte sie jeden Besucher, der den Raum betrat, mit festem Händedruck und schaute ihm offen und fest in die Augen.

Noch immer ist die lebhafte 88-Jährige in der Friedensbewegung aktiv, und aktiv in jeder Hinsicht war sie ihr ganzes Leben lang.

Als junges Mädchen erlebte sie in Ostpreußen die Kriegs- und Nachkriegszeit. Davon wollte sie nicht gerne sprechen, es sei eine schreckliche Zeit gewesen. Ein wenig sprach sie von ihrer Familie, ihren Eltern, ihren drei Schwestern, deren Vornamen alle mit „E“ anfangen, von der Schule und der Hausarbeitslehre und gab damit einen Abriss über ihr damaliges Umfeld.

Im Gespräch mit der Frauenbeauftragten Silke Tamm-Kanj teilte Edith Gründler Erinnerungen ihres Lebens mit den Zuhörern. Ab und zu hielt sie inne, und man merkte, dass sie ganz bei ihrem jeweiligen Thema war. Etwa als sie vom Tod ihres geliebten Mannes Karl sprach, der 1990 einer Krebserkrankung erlag. Im Raum schwebte kurz die Traurigkeit der alten Dame.

Doch Gründler verharrt nicht bei schmerzlichen Emotionen, ihr Leben geht weiter. Mit ihm, Karl, hatte sie sich unermüdlich in der Friedensbewegung engagiert und tut es bis heute. Ansgar Klein von der Würselener Initiative für den Frieden lobte sie zum Abschluss des Abends als „aktivste Mitstreiterin“.

Mit 17 war die junge Edith von zu Hause weggegangen, um einen Lehrhof im Sudetenland zu besuchen. Das hatte sie so gewollt, denn zu Hause war es ihr „zu eng“ geworden. Außerdem war sie ein „Arbeitstier“ – eine fleißige Frau, die gerne arbeitete. So klingt und schwingt es jedenfalls aus ihren Worten, die fern jeden Eigenlobs sind. Mit der Zwangsaussiedlung der Sudetendeutschen verschlug es sie nach Kaufbeuren im Allgäu. Später arbeitete sie als Köchin in Füssen.

Nach Stolberg kam sie nach dem Krieg, um ihrer Schwester Else zu helfen. Im Hotel-Restaurant Scheufen, wo sie arbeitete, lernte sie ihren späteren Mann kennen. Mit ihm zog sie nach der Heirat in dessen Elternhaus nach Broichweiden, pflegte später lange ihre Schwiegermutter.

Bei der Aktion „Friedensacker“ war Edith Gründler gemeinsam mit Karl ganz vorn dabei. Die Nato wollte in den 1980er Jahren im deutsch-niederländischen Grenzgebiet einen Bunker bauen, der im Kriegsfall als Hauptquartier dienen sollte, Anlass für die Friedensbewegung zu vielerlei Aktionen. Eine größere Gruppe von Aktivisten kaufte für 70.000 Mark ein Nachbargrundstück, um die Ausdehnung der Bunkeranlage zu verhindern. Es wurde mit Hilfe von Anteilsscheinen auf viele kleine Besitzer verteilt, auch Edith Gründler besitzt einen. „400 Leute waren amtlich eingetragen, 870 haben einen Anteilsschein“, erinnerte sich Gründler.

Auf so viele Einzelverfahren habe sich die Nato nicht einlassen wollen. Heute wachsen auf dem „Friedensacker“ Obstbäume. Edith und Karl Gründler brachten damals die Broschüre „Natopark Nordeifel“ heraus, organisierten Ausstellungen in Aachen, Eschweiler und der Eifel.

Einige Bilder untermalten während des Vortrags die Friedensaktionen und Lebensstationen der Edith Gründler auf der Leinwand. Eins zeigte Edith Gründler mit einer roten Textilrolle am Boden kniend. „Da bin ich 80 und habe gerade meinen ersten Schlafsack bekommen“, kommentierte die alte Dame lachend.

Noch im hohen Alter packte sie die Reiselust. Mit 70 flog sie zum ersten Mal nach Australien. Als sie 81 war, reiste sie nochmals hin, unter anderem, um dort lieb gewordene Menschen wieder zu treffen.

Was Heimat für sie bedeute, fragte Tamm-Kanj am Ende ihre Gesprächspartnerin. Eigentlich sei Heimat der Ort, „wo meine Liebe ist“, meinte diese. Doch nach kurzem Besinnen fügte sie hinzu, „doch mir fehlen irgendwie die Wurzeln. Ich habe keine Heimat.“

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