Minutenlanger Beifall für ein furioses Konzert

Von: ehg
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Glänzend bei Stimme: Auch optisch ist der große „Liederkranz“-Klangkörper bei seinen Auftritten imposant. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Es war ein Adventskonzert der Superlative: 1300 Besucher und einen hochkarätigen Gastchor konnte der Männergesangverein „Liederkranz“ erstmalig im „Royal Event Center“ begrüßen.

Es war, wie Vorsitzender Jürgen Stockem feststellte, ein gewagtes Unterfangen. Doch darf dem „Kranz“ testiert werden: Das Wagnis ist mit dem Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff unter dem feinfühligen Dirigat von Wanja Hlibka mehr als nur gelungen. Es war ein musikalischer Hochgenuss der Extraklasse, der von den 19 Sängern in ihrer schwarzen Kosaken-Uniform zelebriert wurde. Beifallsstürme brandeten auf, am Ende gab es minutenlange stehende Ovationen.

Lieder der Romantik

Mit „Schäfers Sonntagslied“ stieß der rund 70-köpfige Würselener Meisterchor die Tür zum außergewöhnlichen Musikerlebnis auf. Weitere Lieder der Romantik von Franz Schubert schlossen sich an. Dabei präsentierte sich ein harmonischer Klangkörper, sicher geleitet von seinem langjährigen Chordirektor Ando Gouders.

Ausgefallen war „Der Gondelfahrer“, bei dem der Chor seinem Temperament freien Lauf lassen konnte. „Nachtgesang im Walde“ wurde von einem virtuosen Waldhornquartett klangschön umrahmt. Zu den religiösen Gesängen der „Kosaken“ leitete der „Kranz“ mit „Lobt den Herrn der Welt“, komponiert von dem zeitgenössischen Kirchenmusiker Willy Trapp, über.

Was die Konzertbesucher von den Gästen, allesamt studierte Sänger mit Hochschulabschluss, aus dem fernen Russland erwarten durften, das klang bei ihnen bei der ersten Darbietung „Große Bittlitanei mit Vater unser“ an. Stimmgewaltig demonstrierten sie die Bandbreite ihrer Sangeskunst. Mit anscheinender Leichtigkeit intonierte der Gastchor facettenreich – mal getragen, mal traurig, mal fröhlich, mal leise, mal stimmgewaltig – Liedgut der orthodoxen Kirche, aber auch der russischen Folklore.

Beim Crescendo erbebten die Grundfesten der Halle, beim Decrescendo konnten die Besucher eine Stecknadel auch noch in der hintersten Ecke fallen hören. Mit seinen stimmlichen Lautmalereien setzte sich der von Serge Jaroff in türkischer Emigration 1924 gegründete Chor wunderbar in Szene. Inbrünstig zu Gehör gebracht wurde in Originalsprache mit engelreiner Tenorstimme das „Ave Maria“ von Bach/Gounod. Der Applaus wollte nicht enden.

Als Kontrast „Gott rette dein Volk“, ein stimmgewaltiger Hilfeschrei. Bei „O bete Freund“ stellte sich die Frage, ob die Sänger singend beteten oder betend sangen. Die tiefe Volksfrömmigkeit der russischen Bevölkerung spiegelte sich in allen geistlichen Liedern wider.

In vielfältigen Schattierungen sorgte der „Kranz“ nach der Pause für adventliche Stimmung. Beim „Transeamus“, beim „Jerusalem“ und beim „Cantique de Noel“ entfaltete Bassist Karl-Heinz Kuck, zusätzlich motiviert durch die Kosaken, einfühlsam seine volle Stimme. „Singt Gloria“ hielt der Chor zum Lobgesang Gottes an. Nuanciert ließ er „Weihnachtsglocken“ erklingen.

Eine Pflichtübung waren „Die Heilige Nacht“ von Franz Gruber und „Frieden“ von Gotthilf Fischer. Der „Kranz“ verabschiedete sich von seinen treuen Freunden, indem er mit ihnen gemeinsam „O Du fröhliche“ sang. Eine ganz andere Seite ihres Repertoires schlugen die „Kosaken“ beim zweiten Auftritt im Dreivierteltakt an. Auch bei der Folklore formte Wanja Hlibka jeden einzelnen Akkord, jede noch so kleine Phrase durch facettenreiches Farbspiel einzelner Stimmen zu einem lyrischen oder dramatischen musikalischen Kunstwerk.

Bei „Schneegestöber“ ging temperamentvoll die Post ab. Als Kontrapunkt dazu „Die 12 Räuber“ und „Abendglocken“, zwei weltbekannte „Ohrwürmer“. Wie Jaroffs Nachfolgechor die russischen Volksweisen interpretierte, war schon außergewöhnlich. Das russische Temperament brach bei „Kalinka“ durch, beim Publikum brachen alle Dämme, als zwei junge Tänzer sich in ihrer Kunst auslebten.

Als Gegenpol dazu „Eintönig klingt hell das Glöckchen“. Bei den bereitwillig gewährten Zugaben ließen es die Gäste mit „Adeste Fideles“ und „Leise rieselt der Schnee“ – in deutscher Sprache – auf ihre ureigene Weise Weihnachten werden. Es fehlte nur noch „Ich bete an die Macht der Liebe“. Damit verabschiedeten sich die russischen Ausnahmesänger.

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