Minister Laumann will für Jobperspektive kämpfen

Von: Vopn Beatrix Oprée
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Hatte beim sozialpolitischen Mittagessen der CDU in Herzogenrath keinen leichten Stand: Arbeit- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (r.) im Gespräch mit Vertretern der Jobinitiativen, unter anderem auch dem Geschäftsführer der Arge der Städteregion, Stefan Graaf (Mitte). Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. „Ich hab was gegen Ein-Euro-Jobs, aber ich habe nichts gegen die Arbeit!” Doch genau um die muss sie wieder fürchten: Nach einer Kette an zermürbenden Erfahrungen - kurzzeitigen Qualifizierungen, die immer wieder zu nichts führten - fühlt sich die Enddreißigerin nun angekommen.

Als Mitarbeiterin im Gebrauchtwarenkaufhaus mit der Perspektive, endlich einmal über einen in Jahren zu zählenden Zeitraum geregelte Arbeitszeiten und Kollegen zu zu haben: „Sie wissen nicht, wie das ist, isoliert zu sein. Die Arbeitsgelegenheit ist unsere Tür zur Welt!” Und diese droht wieder zuzuschlagen.

Viel Gegenwind

Ein scharfer Wind wehte Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, beim sozialpolitischen Mittagessen im Nell-Breuning-Haus (NBH) entgegen, das sich nebenher als hohen Ansprüchen genügende Tagungs- und Feierstätte auszeichnete: CDU-Landtagsabgeordneter und -kandidat Reimund Billmann hatte geladen, neben den eigenen Gefolgsleuten waren auch reichlich Vertreter von Initiativen und Einrichtungen der Region gekommen, um dem Mitglied der Landesregierung auf den Zahn zu fühlen, was denn nun werden soll, mit dem Projekt „Jobperspektive”, mit den ganzen Stellen, die eigens geschaffen worden sind, und allem, was daran hängt, etwa langfristig zu schließenden Mietverträgen.

„Wohl wahr”, kommentierte der Minister den Verweis von NBH-Geschäftsführer Leo Jansen auf immer neue Varianten der Arbeitsmarkt-Politik. Seit fünf Jahren arbeitet das NBH mit der Arge im Zuge des Sozialgesetzbuchs II (Hartz IV) zwecks Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen zusammen. Seit zwei Jahren muss das Bildungshaus nun ohne institutionelle Förderung überleben: „Wir wissen, was eine Krise ist!” Rodas Bürgermeister Christoph von den Driesch stieß ins gleiche Horn, betonte die Bedeutsamkeit des NBH für Stadt und Region, lobte die Aktivitäten der Arge und wünschte sich, dass „die vielen sinnvollen Maßnahmen für Arbeitslose auch weiter vorgehalten werden können”.

Die Vertreter der Initiativen wurden deutlicher: „Mir laufen die Leute davon”, beklagte Dr. Christina Herrmann, die als Leiterin der Produktwerkstatt Nord seit Jahresbeginn Arbeitsverträge für Arbeitsanleiter und Betreuer nur noch monatlich verlängern kann. „Wo sind die Arbeitsplätze für Menschen die fast nicht vermittelbar sind? Der öffentliche Dienst schafft sie nicht!”, postulierte Leo Jansen. „Wird man mich irgendwann der Insolvenzverschleppung bezichtigen?”, prangerte Wilfried Hammers vom Förderverein Arbeit, Umwelt und Kultur die unsichere Planungssituation an.

500.000 arbeitsfähige Menschen in Hartz IV rechnete der Minister vor: „Aber ich habe die Stellen nicht!” Stellen, die der Staat auch nicht „kaufen” soll: Die von ihm selbst mit kreierte „Jobperspektive” sei schließlich nur als „Kombilohn NRW” gedacht gewesen, wie sich Lohnkostenzuschüsse überhaupt nur auf Ausnahmefälle beschränken sollten, „sonst stellen sich die Betriebe darauf ein”. Und dennoch will er dem Bundesrechnungshof eine Gegenrechnung aufmachen: Denn wer eine „Jobperspektive” hat, braucht kein Hartz IV mehr. In einem zweiten Schritt die Fördermodalitäten nach unten anzupassen, denkt er weiter an.

Die Zusage, nun schon mal einen Monat weiter als bisher gedacht, sprich bis Ende Juni, finanziell getragen zu sein, sorgt bei Dr. Herrmann für gewisse Zuversicht: „Dann ist für die Argen klar, aus wieviel Mitteln die Produktionswerkstatt finanziert weren kann”, resümiert sie. Wilfried Hammers will diesen Optimismus nicht teilen: „Ich habe es satt, dass wir für unsere gute Arbeit immer um Geld buhlen müssen. So kann man mit erwerbsmäßig Arbeitenden und Ehrenamtlern nicht umgehen. Mittlerweile machen die Menschen in Arbeitsinitiatven genauso schlechte Erfahrungen wie im ersten Arbeitsmarkt!” Wie sehr sich die Lage auf die Mitarbeiter schon psychisch auswirkt, legt Recyclingbörsen-Geschäftsführerin Andrea Kever dar: „Wir hatten noch nie einen so hohen Krankenstand.”


20 Jahre Recyclingbörse: Jeder kann mitfeiern

Gefeiert wird in Herzogenrath trotzdem - der aktuellen Krise trotzend: „20 Jahre Recyclingbörse...immer noch gebraucht!” ist das eindeutige Motto vom 7. bis 9. Mai. Angesagt sind das Theater „Berliner Compagnie” (Freitag, 20 Uhr,7.50 Euro) sowie die Misereor Modenschau samt einer gesellschaftspolitischen Revue und mediterranem Buffet (Samstag, 19.30 Uhr, 20 Euro) im Schulzentrum, Bardenberger Straße. Am Sonntag steigt das große Familienfest in und ums „Patchwork”, Kirchrather Straße. 141-143.

Alle Bürger und jeder, der sich solidarisch erklären will, sind eingeladen. Infos und Tickets: 02406/9792050 oder im Internet.

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