Mini-Shettys sind vor allem eine Herzensangelegenheit

Von: Hanna Sturm
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Der jüngste Nachwuchs: Züchter Oliver Bassauer mit dem vier Tage alten „Last Minute” und Mutter „Flecky”. Foto: Hanna Sturm

Alsdorf. „Och, wie süß!” Dieser spontane Gedanke kommt wohl den meisten Spaziergängern in den Sinn, die an den Wiesen von Oliver und Iris Bassauer entlangschlendern. Dort tummeln sich nämlich Mini-Shettys, maximal 87 Zentimeter klein, mit wuscheliger Mähne, winzigen Ohren und vorwitzigem Gesichtsausdruck.

Seit 15 Jahren züchtet das Ehepaar Bassauer die Kleinen - und auf ihrem Shetty-Gestüt „Many Minis” ist der Name tatsächlich Programm. Inzwischen leben rund 50 Ponys in einzelnen Herden auf einer insgesamt rund sechs Hektar großen Weidefläche, die im ganzen Nordkreis verstreut liegt.

Jeweils ein Hengst steht mit mehreren Stuten und den im Laufe des Frühjahrs geborenen Fohlen zusammen. Außerdem haben die Jungstuten, die noch nicht gedeckt werden sollen, ihre eigenen Wiesen. Den Winter verbringen die Ponys im Stall in großen Freilaufboxen.

„Angefangen hat alles mit unserer Krümel, einer jungen Stute, die ein Freund abgeben musste, weil er nicht mit ihr züchten konnte”, erinnert sich Oliver Bassauer.

Und weil ein Pony nicht gerne alleine lebt, bevölkerten bald vier Mini-Shettys die hintere Hälfte des Gartens, der bald zu klein wurde für die wachsende Schar. „Eigentlich wollen wir in jedem Jahr nur noch ein Stutfohlen behalten, aber das schaffen wir meistens doch nicht”, lacht Iris Bassauer über die eigene Vernarrtheit in die Ponys. Mal ist es eine besonders außergewöhnlich schöne Färbung, die es ihr schwer macht, sich von dem Tier zu trennen, mal aber auch eine ganz persönliche Beziehung.

Alle anderthalb Stunden

So wie zu der kleinen Tigerscheckenstute Shania, die von den Bassauers mit der Flasche aufgezogen wurde. Unbekannte hatten im Jahr 2001 mehrere Ponys auf der Wiese vergiftet, darunter auch die trächtige Mutterstute, die kurz nach Shanias Geburt starb. Zum Glück gelang es noch, dem kleinen Fohlen die für die Abwehrkräfte so wichtige erste Muttermilch zu verabreichen, dann war Shania auf die Flasche angewiesen.

Über zwei Monate hinweg fütterten Iris und Oliver Bassauer die Kleine alle anderthalb Stunden, auch in der Nacht. „Shania ist quasi bei uns im Haus aufgewachsen, sie ist uns bis in die Küche hinterhergelaufen. Und sie ist mit Sicherheit das Pony, das niemals unseren Hof verlassen wird”, betont Iris Bassauer.

Das Gestüt „Many Minis” bedeutet für das Ehepaar viel Arbeit zusätzlich zum normalen Berufsalltag: Auch wenn die Ponys im Sommer Tag und Nacht auf der Wiese stehen, muss jede Herde täglich kontrolliert werden. Auch gilt es, Wassertonnen aufzufüllen oder Zäune zu reparieren.

Rückt die Geburtszeit für die trächtigen Stuten näher, kommen diese in eine große Box am Haus, wo sie per Videokamera überwacht werden. „Ich habe direkt neben meinem Bett einen Bildschirm, richtig schlafen kann ich dann vor Aufregung nicht”, sagt Iris Bassauer, die allerdings nur selten Geburtshilfe leisten muss.

40 Zentimeter groß

„Meistens kommen die Fohlen so schnell, dass ich noch nicht einmal mehr Zeit habe, einen Fotoapparat zu holen.” Kurze Zeit später tollen die - mit nur vierzig Zentimetern wirklich winzigen - Fohlen schon wieder auf der Wiese mit ihren Artgenossen.

An den Mini-Shettys aus Alsdorf zeigen Pferdefreunde und Züchter aus ganz Europa Interesse. Für die Bassauers ist das arbeitsintensive Hobby indes in erster Linie eine Herzensangelegenheit. „Es ist die größte Belohnung, wenn unsere Ponys auf der Wiese sofort ganz vertrauensvoll auf uns zugelaufen kommen, schmusen wollen und uns auf der Wiese auf Schritt und Tritt verfolgen.”
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