Miguel Mbengui-Moyekoli: Demokratiemodell für Afrika entworfen

Von: jk
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Engagiert: Miguel Mbengui-Moyekoli lebt in Baesweiler und hat sich über die politischen Systeme in afrikanischen Staaten Gedanken gemacht. Seine Ideen für eine demokratische Zukunft Afrikas hat er in einem Buch niedergeschrieben. Foto: Jule Klieser

Baesweiler. Ein Afrikaner, der in Baesweiler lebt, hat sich Gedanken gemacht über die politische Situation in afrikanischen Staaten und darüber ein Buch geschrieben mit dem Titel „Demokratiemodell für die Länder Afrikas“. Miguel Mbengui-Moyekoli, Jahrgang 1960, stammt aus Angola, und er hat einen Traum: dass die Unruhen und Bürgerkriege in seiner Heimat und anderen afrikanischen Ländern ein Ende nehmen und dass die Menschen in den Genuss wirklicher demokratischer Regierungssysteme kommen.

Er hat das Leid des Bürgerkriegs am eigenen Leib erfahren, beide Elternteile sind im Bürgerkrieg umgekommen. „In letzter Zeit haben afrikanische Länder begonnen, Demokratien nach europäischem Vorbild umzusetzen. Trotzdem gibt es Bürgerkriege“, hat Mbengui festgestellt und sich gefragt „Warum ist das so?“

Die Ursachenforschung stand deshalb am Anfang seiner Arbeit. Er meint, das demokratische System Europas scheitert in Afrika wegen des „Tribalismus“, also dem ausgeprägten Stammesdenken. Interessenkonflikte, die nicht gelöst werden können, seien oft die Folge. In jedem afrikanischen Land lebten viele verschiedene Stämme, die kein gemeinsames Volksbewusstsein für den Staat, dem sie angehören, haben. In Kamerun zum Beispiel leben 350 verschiedene Stämme.

Die heutigen Grenzen wurden seinerzeit von den Kolonialmächten gezogen, so dass manche ursprünglichen Völker in maximal vier Staaten zu Hause sind. Wenn ein Machthaber, der einem Stamm angehört, zum Präsidenten gewählt wurde, mutierte er nach kurzer Zeit zum Diktator und wollte nur die Interessen seines eigenen Stammes durchsetzen. Ähnlich ist es in vielen Ländern Afrikas geschehen.

So könne Demokratie nicht funktionieren, meint Mbengui. Die jetzigen Grenzen müssten akzeptiert werden, findet er, und hat ein System entwickelt, das die einzelnen Stämme besser unter einen Hut bringen könnte. Mit diesem „kann ein friedliches, demokratisches Zusammenleben zwischen verschiedenen Stämmen zustande kommen, bei dem sich keine Stämme benachteiligt oder bevorzugt fühlen würden.“

Nach diesem Modell würde es in jedem Land nur zwei Parteien geben anstatt wie jetzt bis zu 100 Parteien. Beide Parteien würden von einem einzigen Stamm gegründet, und zwar von demjenigen, der in demokratischen Wahlen dazu auserkoren wird.

Jeder Partei könnten dann die Bürger des Landas wahlweise beitreten. Die Regierungschefs der Länder dürften wiederum nicht dem Stamm angehören, der die Parteien gegründet hat. Allerdings dürften beispielsweise Ministerposten von Personen dieses Stammes besetzt werden.

Mbengui meint, dass diese Struktur es den Bewohnern des jeweiligen Landes ermöglichen würde, das Stammesdenken zu überwinden. Voraussetzung sei, dass alle Staatsangehörigen die Regeln der Demokratie respektieren. Auch das demokratischen Regelwerk hat Mbengui in seiner 49 Seiten umfassenden Schrift aufgeführt. Er beleuchtet darin außerdem den Förderalismus kritisch. „Ich bin eigentlich ein Fan des Föderalismus, in Afrika passt er aber nicht, weil er den Tribalismus unterstützt“, findet er.

1983 kam Mbengui nach Deutschland, um in Aachen Informatik zu studieren, seit zehn Jahren lebt er in Baesweiler. Während des Studiums warf ihn eine psychische Erkrankung aus der Bahn. Er litt an einer mit Halluzinationen begleiteten Psychose und brachte längere Zeit in einer Klinik zu. Jetzt geht es ihm wieder gut, er wohnt angenehm im Hause einer Baesweiler Familie.

Doch die Diagnose „Psychose“ begleitet ihn noch. Eigentlich könnte er als Programmierer tätig sein, doch er arbeitet in einer Behindertenwerkstatt in Aachen. Wo es ihm gut gefällt. Das Multitalent spricht sechs Sprachen, und das Schreiben ist sein Steckenpferd.

Ein weiteres Buch ist bereits in Arbeit. Das Buch „Demokratiemodell für die Länder Afrikas“ kann man im Buchhandel oder im Internet bestellen, es kostet 9,80 Euro. Mbenguis großer Wunsch ist, dass es gelesen wird. „Mein Traum: dass viele einflussreiche Leute die Idee aufgreifen könnten.“

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