Würselen - Medizinisches Zentrum: Kampagne gegen Plötzlichen Säuglingstod

Medizinisches Zentrum: Kampagne gegen Plötzlichen Säuglingstod

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
heia_bu
Schlaf gut, Ermin. In seinem Babyschlafsack fühlt sich der zwei Tage alte Junge wohl. Und ein Küsschen von Mama Irma Sadikovic gibt´s auch noch. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Ermin ist satt, trägt eine frische Windel - und ist schon eingeschlafen. Mama Irma Sadikovic schließt den Reißverschluss an seinem Babyschlafsack, drückt die Klettverschlüsse zu und ihrem zwei Tage alten Sohn einen Kuss auf die Stirn.

Dann legt sie den Kleinen in sein Bettchen auf der Säuglingsstation des Medizinischen Zentrums (MZ) auf der Marienhöhe. So schläft er gut. Und vor allem sicher! Solch einen Babyschlafsack wie Ermin ihn trägt, bekommt jedes Neugeborene im Krankenhaus in Würselen kostenlos. Es soll ein wichtiger Beitrag sein, den Plötzlichen Säuglingstod zu verhindern.

Das hat sich eine Kampagne des Landes NRW auf die Fahnen geschrieben, an der das Medizinische Zentrum teilnimmt. „Es ist ein dramatisches Thema”, sagt MZ-Geschäftsführer Falko Rapp. 2006 hat der Plötzliche Kindstod in Nordrhein Westfalen 98 Säuglinge getroffen. Noch immer ist dessen genaue Ursache unbekannt. Doch weiß die Medizin um Risikofaktoren, zu denen auch das Schlafen in Bauchlage oder unter Decken gehört, unter die die Kinder leicht mit dem Kopf rutschen können.

„Seit Mitte der 90er Jahre ist der Säuglingstod besonders im Fokus”, sagt Hildegard Jorch, Präsidentin des Vereins „Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod”. Die Folge: Die Zahl der bekannt gewordenen Fälle ist seitdem um 70 Prozent gesunken.

Viel Informationsmaterial hält das MZ für Eltern von Neugeborenen bereit. „Dabei wollten wir es aber nicht belassen”, sagt Falko Rapp, der sich gemeinsam mit Kinderkrankenschwestern, Hebammen und Kinderärzten in den vergangenen Monaten viele Baybschlafsack-Modelle angeschaut hat. Eines davon, das der Hersteller auf Wunsch noch einmal ein wenig modifiziert hat, ist nun das, in dem jedes Neugeborene im Krankenhaus schläft und das es später mit nach Hause nimmt.

„Wir zeigen den Eltern, wie sie damit umgehen und können auch so manches Vorurteil entkräften”, sagt Kindekrankenschwester Gertrud Allenkamp. Die Befürchtung etwa, dass Kinder im Schlafsack nicht warm genug lägen. Allenkamp: „Wenn der Schlafsack passt und nicht zu groß ist, wird das Baby weder frieren noch schwitzen!”

Noch gehört das Würselener Krankenhaus zu einer Minderheit. „Nur etwa 20 Prozent aller Krankenhäuser deutschlandweit benutzen Babyschlafsäcke”, weiß Hildegard Jorch. Und nicht selten lagern dort viel zu große Modelle. „Ein Babyschlafsack ist etwas zum Rauswachsen, nicht zum Reinwachsen.”

Länger als zwei, drei Monate könne der erste Schlafsack eines Kindes nicht benutzt werden. Die Aktion lässt das MZ sich etwas kosten. Rund 40 Euro pro Schlafsack, etwa 700 Babys werden jährlich im Krankenhaus geboren. „Wir sehen das eigentlich nicht als Geschenk”, sagt Falko Rapp, „wir sehen es als wesentlichen Beitrag zur Sicherheit des Kindes.”

Rückenlage und rauchfreie Umgebung sind wichtige Sicherheitstipps

Zum sicheren Babyschlaf sollte das Liegen in Rückenlage und in einer rauchfreien Umgebung gehören, am besten im eigenen Babybett im Elternschlafzimmer. Auf „Zubehör” wie Nestchen, Kissen oder eine Decke im Bett sollte verzichtet werden.

Der Plötzliche Säuglingstod ereilt vor allem Kinder im ersten Lebensjahr, doch erst mit Ende des zweiten Lebensjahres ist die kritische Phase vorüber.

Beim Kauf eines Babyschlafsacks sollten Eltern darauf achten, dass er in etwa der Größe des Kindes entspricht und nicht zu groß ist. Der Halsausschnitt sollte so klein sein, dass der Kopf des Kindes nicht in den Schlafsack rutschen kann; das gilt auch für die Armausschnitte. Klettverschlüsse oder Druckknöpfe müssen so fest schließen, dass sie beim Strampeln des Kindes nicht aufspringen können.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert