Medizinisches Zentrum investiert in Beton und kluge Köpfe

Von: Holger Bubel und Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
6334913.jpg
Der neue Chefarzt der Radiologie und Nuklearmedizin des Medizinischen Zentrums: Professor Dr. Georg Mühlenbruch. Foto: MZ

Würselen. Das Medizinische Zentrum (MZ) wird kräftig umgekrempelt, um im Wettbewerb mit anderen Krankenhäusern bestehen zu können. Das Zauberwort heißt „Masterplan 2018“, der Fahrplan für die Modernisierung und die Neugliederung des Großkrankenhauses an den Standorten Marienhöhe und Bardenberg.

Gerade erst hat die Städteregion, neben der Knappschaft Bahn-See Eigner des MZ, den Plan des Aufsichtsrats mit klarer Mehrheit gut geheißen und sich zu der wichtigen medizinischen Einrichtung bekannt. Am Standort Bardenberg soll ein Zentrum für Urologie, Gynäkologie, Geburtshilfe und Pulmologie (Lungenheilkunde) entwickelt werden.

Die Alten- und Krankenpflege wird dort inklusive Konferenzzentrum konzentriert. Millionen Euro werden auch im Bereich Marienhöhe investiert. Der Erweiterungsbau geht seiner Vollendung entgegen. Insgesamt geht es um eine Investition in Höhe von gut 40 Millionen Euro, davon 18 Millionen Euro für den Masterplan.

Das wirft eine Reihe von Fragen auf, die die rund 1500 Mitarbeiter betreffen, die medizinische Versorgung nicht nur der Menschen im Nordkreis und die Chancen der Stadtentwicklung Würselen. Deshalb hat unsere Zeitung eine Podiumsdiskussion zum Thema „Das MZ im Umbruch“ initiiert, die am 20. November im Alten Rathaus an der Kaiserstraße stattfindet.

Das MZ investiert nicht nur in Geräte und Beton, sondern auch in Köpfe – vorrangig in fähige, die nicht nur die medizinische Versorgung verbessern, sondern zugleich wirtschaftlich denken und handeln. Ob der Vergleich mit der Zauberschülerin Hermine aus der Harry-Potter-Reihe so ganz hinhaut, muss dahingestellt bleiben.

Doch Professor Martin Wiesmann, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie des Uniklinikums Aachen, meinte bei der Vorstellung seines ehemaligen Schützlings und nun neuen Chefarztes für Radiologie und Nuklearmedizin am MZ Städteregion Aachen, Professor Georg Mühlenbruch, dass der Mann „irgendwie in der Lage sein muss, die Uhr bei Bedarf noch eine Stunde zurückstellen zu können“ – eben ganz wie besagte Hermine.

Denn die Vita des gerade einmal 39-jährigen Mediziners liest sich wie die eines sich nun in den Ruhestand begebenden Chefarztes: Der in Viersen Geborene begann sein Medizinstudium 1995 am Aachener Uniklinikum, absolvierte es 2002 mit der Note „Sehr gut“ (Wiesmann: „Wie eigentlich bei allen Prüfungen“), hängte sein praktisches Jahr in den USA an, kam zurück und promovierte mit dem Thema „Vorhofflimmern bei Hausschweinen“, es folgten sieben Jahre Radiologie, 2010 der Wechsel in die Neuroradiologie.

Zuletzt war er dort geschäftsführender Oberarzt, in diesem Jahr wurde ihm die Professoren-Würde von der Uni-Klinik verliehen. Nebenbei bildete er sich in Nuklearmedizin weiter, absolvierte eine Ausbildung zum Moderator, machte ein weiteres Studium mit dem Master-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre, erhielt mehrere Forschungspreise, gewann den Innovationswettbewerb . . .

Ganz „nebenbei“ ist der verheiratete Arzt noch Vater dreier Jungs. „Ich bedauere sehr, dass Georg Mühlenbruch die Uni-Klinik verlassen hat, bedanke mich aber ganz besonders für seine sehr menschliche Art, mit der er die Dinge zu regeln wusste“, sagte Wiesmann.

Nachdem das Füllhorn des Lobes über den Mediziner ausgeschüttet wurde, zeigte sich, dass die Erwartungen am MZ entsprechend hoch sind: „Als drittgrößte neurologische Abteilung in NRW freuen wir uns, mit Professor Mühlenbruch zur Bereicherung einen klar strukturiert denkenden Menschen gewonnen zu haben“, sagte Geschäftsführer René Bostelaar.

Er erwarte von dem Mediziner neben fachlichem Know-how Führungskompetenz, Organisationstalent und vor dem Hintergrund des sich wandelnden Gesundheitssystems, in dem der Anspruch der Patienten, Ärzte und sonstiger Mitarbeiter in Einklang gebracht werden müsse, eine ökonomische Stationsführung.

„Großer Vertrauensvorsprung“

„Ich wünsche uns einen offenen Dialog am MZ und kühle Köpfe“, schloss Bostelaar. Lob hier, Erwartungen dort. Und „der Neue“ selbst? Der musste vom MZ nicht mal umworben werden. Seine Initiativbewerbung um den wichtigen Posten im Krankenhaus lag bereits vor einem Jahr im Briefkasten des MZ: „Doch dann kam für das MZ eine turbulente Zeit. Strategische Entscheidungen hatten da Vorrang“, zeigte sich Mühlenbruch verständnisvoll.

Es ermutige ihn, nun seinen Dienst anzutreten, solle doch in neues nuklearmedizinisches Gerät, in Computertomographie und Magnetresonanztomographie investiert werden: „Da werden erhebliche Investitionsmittel bewegt, das ist ein großer Vertrauensvorsprung, über den ich mich sehr freue.“

Damit seien alle Voraussetzungen erfüllt, „gute Medizin zu machen und das MZ voranzubringen“, betonte Mühlenbruch. Von sich selbst sagt er, dass er für flache Hierarchien und gute Qualität mit wenig Berührungsängsten stehe. Zum Schluss erzählte er noch eine Anekdote von seinem ersten Arbeitstag: „In einem der beiden Betriebsteile fand ich in meinem kleinen Arbeitszimmer einen Arztkittel und ein Lauf-Shirt für den Firmenlauf. In dem anderen nur ein Päckchen Taschentücher. Ich sage nicht, wo ich was vorfand . . .“

Was halten Sie von den Bemühungen, das MZ für die Zukunft aufzustellen? Was finden sie gut, was nicht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter www.leser-meinung.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert