Mangelnde Kulanz der Stadt oder dreiste Verkehrssünderin?

Von: Lars Odenkirchen
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Kein Autofahrer ist darüber erfreut: Ein Knöllchen hinter einem Scheibenwischer. Foto: Schuermann/ddp

Würselen. Ein „Knöllchen” kassiert niemand gerne. Doch als Inge Matuschek Anfang Dezember eine Strafe wegen falschen Parkens kassierte, ärgerte sich die gebürtige Würselenerin maßlos. 10 Euro sollte sie zahlen, weil sie auf dem Bürgersteig parkte. Das Knöllchen hat allerdings eine Geschichte.

Der Bürgersteig, um den es geht, ist der vor dem Altenheim an der Lehnstraße, aus dem Inge Matuscheks Mutter an diesem Tag auszog. „Ich musste auf dem Gehweg parken, weil die Straße eine spiegelglatte Eisfläche war. Es wäre nicht verantwortbar gewesen, meine 84-jährige Mutter, die ein künstliches Hüftgelenk hat, über diese Eisfläche einsteigen zu lassen. Ich habe dabei auch so geparkt, dass der Gehweg noch breit genug war, damit auch eine Mutter mit Kinderwagen dort vorbeikam”, rechtfertigt Inge Matuschek ihr vermeintliches Parkvergehen.

Ein Bediensteter der Stadt Würselen beurteilte die Situation jedoch anders: Er sanktionierte das regelwidrige Parken, nicht zuletzt, weil es sehr wohl Behinderungen gegeben habe. „Der Gehweg war durch das Auto blockiert, eine ältere Dame mit Rollator hatte Probleme, am Fahrzeug vorbeizukommen, und auch einige Kinder mussten auf ihrem Schulweg auf die Straße ausweichen, um am Auto vorbeizukommen”, erläutert Würselens Pressesprecher Bernd Schaffrath nach einem Gespräch mit dem Bediensteten, der das Knöllchen verteilte. Den Einspruch, den Inge Matuschek gegen die Strafe einlegte, lehnte die Stadt daher auch ab: „Verständnis für Frau Matuscheks Verhalten können wir leider nicht aufbringen, weil auch sie keine Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer genommen hat.”

Matuschek beurteilt die Situation indes anders: „Es gab keinerlei Behinderung. Die Dame mit Rollator ist sehr wohl an meinem Auto vorbeigekommen, da sie eine Bekannte meiner Mutter ist, ist sie lediglich einen Moment stehen geblieben und hat sich mit ihr unterhalten.” Und auch im Hinblick auf eine weitere Frage gehen die Meinungen auseinander. Während die Stadt meint, dass Inge Matuschek einen freien Parkplatz an der Straße hätte nutzen können, hält Matuschek dagegen: „Dann hätte die Beifahrerseite des Autos trotzdem an der Straße gestanden und meine Mutter somit über die Eisfläche gehen müssen. Und um mit der Beifahrerseite am Bürgersteig zu parken, hätte ich gegen die Einbahnstraße einparken müssen - das hätte ja auch einen Strafzettel gegeben.”

Zeigt die Stadt also zu wenig Fingerspitzengefühl? Diesen Vorwurf will Bernd Schaffrath so nicht auf den städtischen Bediensteten sitzen lassen: „Wir haben, gerade während der Tage mit extremer Wetterlage, viel Rücksicht auf die äußeren Umstände genommen und nur wichtige Stellen kontrolliert, an denen etwa Rettungswege frei bleiben mussten. Frau Matuschek hat aber leider eindeutig andere Verkehrsteilnehmer gefährdet und behindert. Das hat sich auch bei ihrer Abfahrt fortgesetzt, dort ist sie nämlich noch einige Meter über den Gehweg gefahren.” Das streitet Matuschek auch nicht ab - „nach hinten hätte ich aber ebenfalls ein Stück über den Gehweg fahren müssen, und hatte eine schlechtere Sicht. Ich bin das minimal längere Stück nach vorne gefahren, um niemanden zu gefährden, der möglicherweise hinter meinem Auto steht.”

War es nun mangelnde Kulanz der Stadt oder dreistes Verhalten der vermeintliches Verkehrssünderin? Hier prallen die Meinungen weiterhin aufeinander. Bezahlt hat Inge Matuschek die Strafe mittlerweile ohnehin: „Ich sehe nämlich nicht ein, am Ende auch noch Mahngebühren an die Verwaltung zu zahlen.”
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