Baesweiler - „Löwenburg”: Inklusion bald zur Normalität machen

„Löwenburg”: Inklusion bald zur Normalität machen

Von: Andrea Thomas
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Nur gucken, geht nicht: Die Ki
Nur gucken, geht nicht: Die Kinder luden Hendrik Schmitz (l.) natürlich auch zum Mitmachen ein. Dem kam er ebenso wie Kita-Leiterin Beate Scheen (r.) gerne nach. Foto: Andrea Thomas

Baesweiler. „Ich kenne eine Maus, die baut ein Haus - ich kenne eine Mücke, die baut eine Brücke - ich kenne einen Floh und der macht so...” Eifrig geht das kleine Mädchen von einem zum anderen und streicht jedem liebevoll und sanft über den Kopf.

Achtsam miteinander umgehen, das gehört in der Baesweiler „Löwenburg” dazu. In der integrativen Kindertagesstätte in Setterich wachsen seit zwei Jahren Kinder unter drei Jahren gemeinsam mit älteren Kindern, Kinder mit Behinderung und Kindern mit Migrationshintergrund auf. Für die Kleinen ist all das allerdings überhaupt kein Thema. Kunterbunte Vielfalt von Anfang an - das geht gut.

„Nicht zu viel versprechen”

Eine Vielfalt, die auch das Team unter Leitung von Beate Scheen und die Eltern mittragen und als Bereicherung empfinden. „Über die zwei Jahre hinweg ist hier eine tolle Dynamik des Miteinanders entstanden”, freut sie sich. Scheen hat die integrative Einrichtung der Städteregion in dem freundlichen Neubau an der Emil-Mayrisch-Straße von Anfang an mitgestaltet, und ein Team geformt, das den Gedanken der Inklusion lebt.

Dazu kommen engagierte Eltern, die sich weit über das zweimal monatlich stattfindende Elterncafé hinaus austauschen und unterstützen. Und - ganz wichtig - die Kinder, die den Großen immer wieder den Weg zeigen, wie die Kita-Leiterin erzählt. Sei es, dass sie ermahnen „Nicht so laut, da schlafen Kinder” oder dem etwas verunsicherten Papa erklären, er dürfe den behinderten Spielgefährten ruhig hochheben und hinstellen, „nur nicht loslassen, er kann nämlich nicht alleine stehen”.

Was wir schaffen, können andere auch, diesen Impuls wollten die Eltern gerne nach außen tragen, besonders dorthin, wo über die Rahmenbedingungen dafür entschieden wird, Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam aufwachsen und lernen zu lassen. So hatte Beate Scheen bei einem Treffen Hendrik Schmitz, den neuen CDU-Landtagsabgeordneten für den Nordkreis, angesprochen und im Namen ihrer Eltern eingeladen. Der ist gerne gekommen, weil ihm das Thema wichtig ist. „Unser Ziel ist, dass wir irgendwann nicht mehr darüber reden müssen”, wünscht er sich, dass Inklusion zur Normalität wird. Doch er ist auch realistisch genug, zu sagen, das gehe nicht von heute auf morgen.

Gerade bei den Schulen, sei noch viel zu tun: „Dazu braucht es entsprechend geschultes Personal, gerade auch, um schwerbehinderten Kindern gerecht zu werden, und Räumlichkeiten. Und das kostet Geld.” Da dürfe Politik auch nichts versprechen, was nicht machbar sei. Ihm sei es wichtig gewesen, die Praxis zu erleben, die sage mehr aus als alle schlauen Papiere.

Deshalb sitzt er an diesem Nachmittag im Elterncafé und lässt sich von den Eltern von ihren Erfahrungen berichten. Die Eltern der behinderten Kinder erzählen von den Fortschritten, davon, dass ihre Kleinen mittendrin sind, und, wie gut ihnen das tut. Die Eltern der gesunden Kinder erzählen stolz vom guten Sozialverhalten ihres Nachwuchses, davon, wie wertschätzend sie mit anderen umgehen. Schmitz besucht auch die Gruppen, hockt sich zu den Kindern auf den Boden, singt mit und lässt sich von ihnen erklären, wie man das Datum des Tages in Gebärdensprache ausdrückt. Die Eltern hoffen, einen Botschafter für ihre Sache gefunden zu haben.

Das Konzept: „Schön, dass es Dich gibt!”

Die „Löwenburg” in Setterich besuchen 60 Kinder von einem halben Jahr bis zum Grundschulalter, zwölf haben einen erhöhten Förderbedarf.

Es gibt vier Gruppen, zwei Familiengruppen mit den Kleinsten unter einem Jahr und zwei integrative Gruppen.

Das Konzept ist geprägt von der Philosophie der Offenen Arbeit: „Schön, dass es dich gibt und dass du so bist, wie du bist!”.

Kontakt: Integrative Kindertagesstätte „Löwenburg” Städteregion Aachen, Emil-Mayrisch-Straße 18, Baesweiler, Telefon 0241/5198-5164.

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