Würselen - Lesung: Die „Die Blumen des Bösen“ sind eine düstere Sache

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Lesung: Die „Die Blumen des Bösen“ sind eine düstere Sache

Von: jk
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Lesung mit improvisierter Musik: Christian Redl, Vlatko Kucan, Sven Kerschek und Dirk Achim Dhonau (v.l.) setzten sich künstlerisch mit Charles Baudelaires „Blumen des Bösen“ auseinander. Foto: J. Klieser

Würselen. Kulturfestival kann auch schwere Kost bedeuten. Die wurde am Samstag im Alten Rathaus geboten mit Christian Redl und Vlatko Kucan. Christian Redl, der Tatortkommissar, gab den Lektor. Der Jazzmusiker, Komponist und Regisseur Vlatko Kucan mit Sven Kerschek (Gitarre) und Dirk Achim Dhonau (Percussion) war die Band.

Die Lektüre, Passagen aus „Die Blumen des Bösen“ von Charles Baudelaire leuchtete, wenn auch sehr poetisch, eher die dunklen Seiten der Seele aus. Dazu improvisierten die drei Musiker eine Geräusch- und Klangkulisse, mit der die Zuhörer in eine düstere, manchmal unheimliche Welt abtauchen konnten.

Dort leuchtete immerhin ab und zu ein schöner, nackter Frauenleib auf, in dem sich die Sehnsucht des Lyrikers nach der Frau, nach Liebe, Erotik und Geborgenheit manifestiert. Die Stimmung des melancholischen, von Ekel, Weltschmerz und Entfremdungsgefühlen gespickte Werk Baudelaires haben die vier Künstler perfekt eingefangen, das muss man ihnen lassen. Einzelne Personen aus dem Publikum im fast voll besetzten Saal konnten das offenbar nicht so gut ertragen und verließen vorzeitig den Raum. Kunst muss eben nicht schön sein.

Dabei wirkte die Bühne, bevor das Ensemble sie betrat, recht harmlos, ja heiter. Vor allem das am Boden verteilte Schlagzeug mit diversen kleinen und großen Becken und Rhythmusinstrumenten ließ Spielerisches ahnen. Spielerisch sah es auch aus, wie Schlagzeuger Dhonau, am Boden hockend, hingebungsvoll seine Schlegel und Besen einsetzte.

Jazzig verzerrte Töne, oft auch kurze Melodiebögen entlockte Kucan seinen Blasinstrumenten, begleitet manchmal von Gitarrenakkorden. Sven Kerschek machte vor, dass man auf der Gitarre auch mit einem Bogen spielen kann, was etwas kratzig klingt. Textlich breitete die sonore Stimme von Redl genüsslich das sonst als unaussprechlich Geltende oder trübsinnige Realitäten vor dem Publikum aus. Von den Details einer verwesenden Leiche über Wollust, Tod, Krankheit und Verbrechen war von jedem etwas dabei.

Das Projekt hat Christian Redl ins Leben gerufen, und er tourt mit seinem Ensemble damit durchs Land. Eines Tages begann er sich für Baudelaire zu interessieren und fand lange keine brauchbare Übersetzung ins Deutsche, erzählte der Schauspieler im Gespräch nach der Veranstaltung. Zuerst gab es seine Lesung des Textes auf CD, dann kam er auf die Idee, Lesen mit Musik zu verbinden. Was fasziniert ihn an den „Blumen des Bösen“? „Das Verbotene, was aus dem Abgrund lauert, dunkle Triebe, die sich austoben, das Morbide“. Das Abgründige sei etwas, das die Gesellschaft nicht sehen wolle. „Doch das gibt es ja. Ich mag das Düstere.“

Die Baudelaire-Lesung war nunmehr die 10. Und vorletzte Veranstaltung aus der Reihe „Kulturfestival X“ der Städteregion. „Wir suchen immer etwas Außergewöhnliches, etwas nicht Alltägliches, also anspruchsvolle Kunst für ein breites Publikum“, charakterisierte Nina Mika-Helfmeier, Kulturmanagerin der Städteregion, die Reihe, die zum 11. Mal stattfindet. Das letzte Event in diesem Jahr ist am Freitag, 19. September, 20.15 Uhr, in Baesweiler, Gymnasium, Pädagogisches Zentrum, Otto-Hahn-Straße 16-18. Dort gastiert die Band „Prag“.

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