Alsdorf - Leiter der Grundschule Begau geht in den Ruhestand

Leiter der Grundschule Begau geht in den Ruhestand

Von: Karl Stüber
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Bis zuletzt arbeitet er gerne als Lehrer und Pädagoge mit Kindern: der Ende des Monats in Ruhestand gehende Leiter der Katholischen Grundschule Alsdorf-Begau, Heinz Günther Dohm. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Ging Heinz Günther Dohm in den letzten Tagen durch die Räume „seiner“ Katholischen Grundschule in Begau, so verstummten schon mal ins Gespräch vertiefte Kolleginnen abrupt, wurde er freundlich, aber bestimmt aus Räumen hinauskomplimentiert oder gar nicht erst reingelassen, warfen Schulkinder ihm etwas schüchterne Blicke zu und machten sich davon. Aber das lag nicht daran, dass Dohm ein gar schlimmer Chef oder Lehrer ist.

Es steht etwas ganz Besonderes bevor. Und alle Lehrer und Schüler arbeiteten auf diesen einen Tag hin und wollen ihren ganz persönlichen Beitrag leisten. Es geht um den 28. Februar. An diesem Donnerstag ist Dohm Ehrengast in der Turnhalle der Schule und steht im Mittelpunkt. Um 11 Uhr beginnt eine auf ihn zugeschnittene Feier: seine Verabschiedung in den Ruhestand. Dohm weiß auf Grund der „Geheimhaltung“ nicht, was da auf ihn zukommt, außer natürlich den anderen Gästen, vom Schulträger, der Stadt Alsdorf, oder aus Reihen der Politik. Der Schulrat wird für ihn warme Worte finden und eine Urkunde aushändigen, die ihn endgültig aus der Schule „entlässt“ – nachdem er dort praktisch sein ganzes Leben verbracht hat. Ein für Lehrer durchaus typisches Schicksal. Aber gerade von Dohm selbst und gerne gewählt, wie er erzählt.

Neue Turnhalle die Krönung

Er ist waschechter Öcher, Jahrgang 1948, baute sein Abitur am Einhard-Gymnasium, absolvierte sein Studium an der Pädagogischen Hochschule, anschließend sein Referendariat am Bezirksseminar in Geilenkirchen, wurde Lehrer in Gillrath, dann Konrektor einer Grundschule in Übach-Palenberg.

Genau in der Mitte seines Berufslebens, nach 21 Jahren, ereilte ihn kurz vor Beginn des neuen Schuljahres (er hatte gerade die Stundenpläne fertiggestellt) der Ruf der Bezirksregierung, doch mal flott nach Köln zu kommen, um seine Ernennungsurkunde für seine neue Aufgabe abzuholen: Schulleiter in Alsdorf-Begau. Das sollte er bis zum Ende seines Berufslebens, nochmals 21 Jahre, auch bleiben.

(Heutiger) Altbau plus zwei Baracken, daraus bestand die Begauer Schule. Das erwies sich als nicht mehr zeitgemäß. 1993 wird der Förderverein der Schule gegründet, erinnert sich der angehende Ruheständler. Eingaben, Bittbriefe, Gespräche mit der Stadt Alsdorf führten schließlich zum Erfolg, wie Dohm in Erinnerung ruft, der die Kooperation mit dem Schulträger über die Jahre ausdrücklich lobt. 1998 wird der Anbau feierlich eingeweiht. Eine übrig gebliebene Baracke wird in vielen Stunden Eigenleistung von (Handwerker-)Eltern zum Forum umgebaut. Zusammenkünfte, Feiern, gemeinsames Singen und vieles andere mehr wird in dem hergerichteten Raum zu bleibenden Erlebnissen.

Im Jahre 1996/97 startet die Schule von acht bis eins (13 Uhr). „Eine sehr gute Möglichkeit, Eltern, die berufstätig sind, Kinderbetreuung anzubieten“, sagt Dohm. 2006 beginnt die Offene Ganztagsschule (OGS). Das wird für die Schule aber schnell zu einem räumlichen Problem. Die zum Forum umgebaute Baracke reicht dafür hinten und vorne nicht. Das nahe Sportheim wird nicht mehr benötigt und mit dem Schulverantwortlichen bei der Stadt, Klaus Spille, die Idee des Kinderhauses aufgegriffen. Mittlerweile nutzen viele Kinder das OGS-Angebot.

2008 werden endlich Pausenhalle und Toilette saniert, 2011 – die Krönung – die Turnhalle neu gebaut. Stolz führt der Hausherr den Besucher dorthin. Grundschüler üben gerade das Werfen mit dem Ball, ein herrliches Durcheinander in modernem Raum. „Es wurde hier immer für die Kinder gedacht“, sagt Dohm leise und nachdenklich.

Über die Jahre wurden immer um die 200 bis 220 Kinder an der KGS beschult, kurzfristig ist man auf 180 gesunken, wegen des demografischen Wandels, bleibt aber zweizügig. Die Zahlen werden besser werden, ist absehbar. Das geht aus dem Schulentwicklungsplan hervor, womit der Bogen zur Teilhabe an der politischen Mitgestaltung geschlagen ist. 2002 wurde Dohm sachkundiger Bürger im Schulausschuss, vor ein paar Monaten mit großer Anerkennung aus dieser Funktion verabschiedet.

Dohm stand der Schulleiterkonferenz aller Alsdorfer Schulen vor. Er hat auch die Entscheidungsfindung begleitet, mit Blick auf die Schülerzahlen die Grundschule Kellersberg zu schließen und diese Schulgemeinschaft in die Einrichtung in Ost (jetzt Kellersberg-Ost) zu überführen. Für einen passionierten Grundschulleiter keine einfache Sache.

Ein Herzensanliegen wird er noch über sein aktives Berufsleben hinaus so lange weiter verfolgen, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist: Akifa. Hinter dem Kürzel verbirgt sich der Alsdorfer Förderkreis für Kinder und Familien. Der Verein ist Träger der Offenen Ganztagsschulangebote an Alsdorfer Grundschulen. 540 Kinder werden so betreut.

Was hat sich über die Jahrzehnte in der Beschulung von Kindern der Primarstufe geändert? „Die Kinder und Eltern haben sich geändert“, sagt Dohm, ohne einen Augenblick überlegen zu müssen. Wie äußert sich das? Wenn Kinder früher daheim berichteten, Ärger mit dem Lehrer bekommen zu haben, gab es zusätzlich Ärger. Heute gibt es Ärger für die Schule, den Lehrer, die Mitschüler – die verantwortlich gemacht werden für Probleme des eigenen Kindes – nicht aber andere Faktoren, wie etwa das Elternhaus selbst. Aber das gehört halt dazu.

Dohm sagt: „Ich habe den schönsten Beruf der Welt!“ Am liebsten hat er Mathe unterrichtet, dann Religion, dann Deutsch.

Wird Heinz Günther Dohm die Schule fehlen? Angesichts seiner Passion, als Camper auf Reisen zu gehen und seinem bevorzugten Ziel Frankreich, angesichts des Gartens am Haus in Übach-Palenberg und der Möglichkeit, mit seiner Frau all‘ das zu unternehmen, wozu ihm bislang nicht hinreichend Zeit blieb, dürfte keine Langeweile aufkommen. Aber er weiß: „Es wird wohl zumindest anfangs weh tun, wenn ich morgens nicht mehr die Kinder höre . . .“

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