Baesweiler - Lehrer-Seminar soll die Schüler stärken

Lehrer-Seminar soll die Schüler stärken

Von: Katrin Maiwald
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Gefühle pantomimisch darstell
Gefühle pantomimisch darstellen: Lehrer lernen gemeinsam, wie soziale Kompetenzen von Schülern gefördert werden können. Foto: Katrin Maiwald

Baesweiler. Man stelle sich vor, man muss für zwei Jahre alleine auf eine Insel. Eine Sache darf man mitnehmen, was wäre das? Ein guter Freund oder eher ein Werkzeug, um Kokosnüsse zu ernten? „Ein Deutscher würde sich einen Freund mitnehmen. Jemand aus Indien, der in armen Verhältnissen lebt, das Gerät für die Kokosnuss”, sagt Fré Steen.

Denn der Pädagoge und Trainer weiß aus Erfahrung: die Menschen denken zuerst an das, was sie am wenigsten haben. „Wir Deutschen können nie genug kriegen, wollen viel Geld und schätzen weniger Familie und Freundschaft.”

Solche Themen behandelten jetzt die Teilnehmer des Seminars „Lions-Quest - Erwachsen werden”. Lehrer aus verschiedenen Schulen lernten, wie sie soziale Kompetenzen von Schülern fördern können. Dabei gab es praktische Spiele, um individuelle Kompetenzen zu stärken. Ziel: mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen haben sowie Pflichten übernehmen.

Beim Insel-Spiel etwa sollen junge Menschen realisieren, dass man auch mit wenig glücklich und zufrieden sein kann und nicht nur Geld das Leben dominiert.

Ziele formulieren

Bevor jedoch Lehrer die Spiele mit den Schülern machen, sollen sie sie selber ausprobieren. Die Intention: Der Pädagoge erfährt so, wie sich ein Schüler fühlt und was die Übungen bei einem bewirken. Beim Seminar machen die 29 Teilnehmer ein Spiel, bei dem sie sich intensiv mit ihren Wünschen und Gefühlen auseinandersetzen. Sätze wie „Ich möchte gerne einmal”, „Ich traue mir zu”, „Eine Aufgabe, die mich reizt” werden reflektiert. Das Ergebnis: Einmal am Great Barrier Reef tauchen, Italienisch lernen oder die Alpen mit einer Schulklasse überqueren. Hierbei soll der Schüler lernen, Verantwortung für eigene Pläne zu entwickeln und Ziele zu formulieren.

Doch nicht nur Schüler stärken durch die Übung ihr „Ich”. Auch der Lehrer kann und soll sich durch die Spiele weiterentwickeln: „Die Aufgaben bringen mir selber was. Ich fühle mich richtig gut danach”, sagt Marietta Drah, Teilnehmerin. Für sie ist der Perspektivwechsel sehr wichtig, weil es „unser tägliches Brot als Lehrer ist, sich in Schüler hineinzuversetzen und sie zu verstehen”. Deswegen legt Steen auch Wert auf Feedback und Analyse nach jedem Spiel. War es gut zu verstehen? Was hat es mit mir gemacht?

Ob Indien, Bulgarien oder Deutschland. Weltweit vermittelt der Holländer Fré Steen Lehrern die Spiele im Rahmen des Lions-Quest-Programms. Die dahinter stehenden Lions Clubs - in diesem Fall die Baesweiler Vereinigung - wollen damit für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen eintreten und etwas für die positive Entwicklung der Gesellschaft bewirken.

Doch bei der Anwendung der Übungen im Schulalltag ist vor allem eins wichtig: Dass es ein kontinuierlicher Prozess ist. Lehrer und Schüler sollten gemeinsam eine gute Beziehung aufbauen. „Die Schüler schätzen es sehr, wenn der Lehrer Interesse zeigt und sich kümmert”, sagt Steen.

Und dann wird sich bei der Insel-Übung vielleicht ein Schüler für das Kokosnusswerkzeug entscheiden, weil ihm eines nicht fehlt: Freunde.
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