„Lebendige Panoramen”: Fotos, die über den Rand hinaus gehen sollen

Von: Elena Stiebler
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Konrad Mellies mit seinem Lieb
Konrad Mellies mit seinem Lieblingsbild: Lütticher Fußballfans vor ihrem Stadion im alten Industriegebiet nach einem erfolgreichen Spiel. „In diesem Bild passt einfach alles zu dieser Region.” Foto: Elena Stiebler

Würselen. Bei Fotografie denkt so mancher im Zeitalter der Digitalfotografie: „Kann ich doch auch.” Doch das, was Konrad Mellies hier im Alten Rathaus ausstellt, ist große Kunst. Und die hat die Aufgabe, die Gesellschaft voranzutreiben.

Das kann man derzeit im Kulturzentrum Altes Rathaus immer sehen. Die Bilder von Konrad Mellies beeindrucken durch ihre Größe und die Qualität des Bildes. Seit 30 Jahren bringt sich der Arzt aus Aachen das Fotografieren selber bei. „Mit Dokumentationsfotografie von Industriegebieten hat es angefangen und heute habe ich meinen Stil seit fünf Jahren beibehalten. Ich mache lebendige Panoramen.”

Die Vorstellung seiner Werke erfolgt in einem aufgelockerten Dialog zwischen ihm und seinem Vater. „Dieser fragt ihn: „Panoramafotografie ist ja eher etwas ruhiges, wie bringst Lebendiges und Panoramen zusammen?” Konrad Mellies antwortet: „Mich hat an der klassischen Straßenfotografie immer gestört, dass man, trotz Weitwinkel-Objektiv, nie wusste, was rechts uns links vom Bild passiert ist. Man fühlte sich von der Perspektive der Kamera eingeengt.” Deshalb begann er aus mehren Bildern nebeneinander Panoramen der gesamten Umgebung zusammen zu setzten. Viele dieser Bilder hängen nun an den weißen Wänden im Alten Rathaus und interessiere Beobachter ziehen an den Aufnahmen vorbei.

Dokumentation des Alltags

Welche Absicht steckt hinter den Bildern? „Ich möchte das Normale und Banale in der Dokumentation des Alltages festhalten. Denn genau da gibt es so viel Interessantes und Lebendiges. Ich möchte ein realistisches, plastisches Bild, um so möglichst wenig Distanz zum Betrachter zu haben,” erklärt der 1962 in Düsseldorf geborene Fotograf.

„Häufig fühlen sich die Menschen ertappt, wenn ich mit meiner Kamera durch die Gegend ziehe und ein Foto machen möchte. Doch je länger ich dort bin, desto mehr Vertrauen bekommen sie,” berichtet er. So entstehen Aufnahmen von alltäglichen aber dennoch faszinierenden Moment im Leben der Menschen. Vorwiegend macht er Aufnahmen hier in der Umgebung, so auch vom Salsa-Abend im Elisen-Brunnen oder vom Radrennen und er Karls-Preis-Vergabe in Aachen. Doch sein Lieblingsfoto ist 2012 in Lüttich entstanden. „Die Perspektive mit der Brücke erzeugt eine enorme Spannung.”

Diese war wohl auch unter den Fußballfans von Lüttich Standard zu spüren, die nach einem gewonnenen Spiel über die Brücke zurück zu ihren Autos gingen und dabei über das Erlebte diskutierten. „Das war ein entscheidendes Spiel, es ging um den vierten Platz in der belgischen Liga und damit um den Eintritt in die Europa League. In dieser Industrieregion ist der Strukturwandel hautnah mitzuerleben,” erklärt der Fotograf. Das neue Stadion von Standard Lüttich liegt im alten Industriegebiet. „Die Fans müssen über die gesperrte Brücke, um zu ihren Autos zu kommen. Ich finde in diesem Bild passt einfach alles zu dieser Region.”
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