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Lärmsanierung: Bahnbrücke über der Kleikstraße wird „entdröhnt”

Von: Beatrix Oprée
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Deutlich kann man unter der Brücke an der Kleikstraße erkennen, wie korrodiert die alten Stahlplatten und Entwässerungsrinnen (r.) schon waren. Sie werden durch glasfaserverstärkte Kunststoff-Platten (l.) ersetzt. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Tauben haben offenbar keine Probleme mit ohrenbetäubendem Lärm auf einer Stahlbrücke, über die tagtäglich in jede Richtung 220 Züge donnern. Für die Federtiere war das Anfang der 50er Jahre zusammengenietete Behelfskonstrukt über ein halbes Jahrhundert lang ein willkommener Unterschlupf und offenbar lauschige Heimstätte zum Brüten.

Das ist natürlich nicht ohne Spuren geblieben: 21 Kubikmeter Dreck, mühsam abgekratzt und Eimer für Eimer in Container gekippt, sind bereits abgefahren worden. Mindestens noch einmal dieselbe Menge wird wohl folgen ...

Die erste Hälfte der „Entdröhnung” ist fast fertig, Passanten können nun schon eindrucksvoll erkennen, wie die Bahnbrücke über der Kleikstraße schon zu Ende des Jahres komplett aussehen wird.


Das Erfreulichste: Während die Euregiobahn über einen hinwegrollt, ist sogar jetzt schon gepflegte Konversation möglich. Ohne die Stimme zu erheben. Denn die positiven Auswirkungen der Lärmschutzmaßnahmen, um die Anwohner, Politiker und Stadt Jahrzehnte lang gekämpft haben, sind bereits jetzt deutlich spürbar.

In den vergangenen Tagen sind die Baugerüste abgebaut und insgesamt 25 Meter verrückt an neuer Stelle wieder aufgebaut worden. Michael Kern, Bauleiter der Kreuztaler Baufirma Falkenhahn, Generalunternehmerin für die Lärmsanierung im Auftrag der Bahn AG, ist hier dankbar für die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, besonders was die Verkehrslenkung angeht.

So beginnt in der kommenden Woche der mühseligen Reinigungsarbeiten zweiter Teil an der insgesamt 50 Meter langen Stahlkonstruktion. Auf Knien müssen die Männer dann wieder in die Zwischenräume kriechen, um Zentimeter für Zentimeter Taubenkot, Nestreste und weiteren über die Jahrzehnte festgebackenen Dreck von den Eisenteilen zu entfernen. Overalls und Atemschutzmasken schützen sie vor dem ätzenden Staub.

„Das ist sehr schwer verdientes Geld, schlimmer als die Arbeit unter Tage”, führt der Bauleiter vor Augen. Die durch Mittel aus dem Konjukturpaket II finanzierten rund 1,3 Millionen Euro teuren Umbaumaßnahmen sind zugleich Pilotprojekt: Was in Herzogenrath erprobt wird, soll Standard werden für Lärmschutz an stählernen Bahnbrücken in der ganzen Republik. „Da gab es natürlich immer wieder neue Ideen und Umplanungen”, erklärt der Bauleiter die zeitlichen Verzögerungen.

Denn die Dämmungsmaßnahmen beschränken sich bei weitem nicht auf eine neue Verkleidung der Brückenanlage, sondern umfassen alle Teile, die beim Überfahren eines Zuges in Schwingung versetzt werden.

So sind die Schienen selbst mit Gummileisten gesäumt worden, um deren Vibration zu minimieren. Unter jeden der vier Längsträger wurden ergänzend spezielle Brückenabsorber - bestehend aus xylophonartig nebeneinander montierten Vierkant-Aluminiumrohren - installiert, die ebenfalls helfen, das Dröhnen zu mindern.

Zwischen Brückenbleche und Schwellen wurden überdies wabenartig geformte GFK-Platten (glasfaserverstärkter Kunststoff) geschoben. „So kann nicht mehr Stahl auf Stahl reiben”, erläutert Michael Kern. Die nach unten abschließenden Wellbleche, ebenfalls „Schepperfaktoren”, werden schließlich durch großflächige grauweiße GFK-Platten ersetzt.

Und damit es künftig nicht mehr nach jedem Regen heftig auf Fahrbahn und Trottoir tropft, werden die durchgerosteten Entwässerungsrinnen erneuert, durch grauweiße Kunststoffelemente. Und zu guter Letzt erhalten die Geländer der Brücke rund einen Meter hohe grauweiße Verkleidungen.

Der Rest der Fachwerk-Konstruktion wird allerdings seinen rostig patinierten Industrie-Charme behalten.
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