Baesweiler - „Kultur nach Acht“: Kabarettist Christoph Brüske begeistert sein Publikum

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„Kultur nach Acht“: Kabarettist Christoph Brüske begeistert sein Publikum

Von: nina
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Pink gekleidet und mit bitterbösen Pointen: Christoph Brüske begeisterte in Baesweiler. Foto: Nina Krüsmann

Baesweiler. Kabarettist Christoph Brüske hat es gut: „Es gibt so viele Krisen – da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll.“ Entsprechend kräftig teilte er beim Auftritt im Kulturzentrum Burg Baesweiler aus. In der Reihe „Kultur nach 8“ ließ er unter dem Titel „So schön kann Krise sein!“ kaum etwas aus, das derzeit diskutiert wird.

Der Papstrücktritt, die gefälschten Doktorarbeiten der Politprominenz, die Pferde in der Tiefkühllasagne. Auch die Euro-Krise war für einige Pointen gut: „Was da in Europa ein Geld verbrannt wird – wenigstens ist Island so fair, uns von Zeit zu Zeit mal etwas Asche rüberzuschicken.“ Egal ob in Euroland, bei der FDP oder im Vorabendprogramm der ARD: „Krisen bleiben unser treuer Wegbegleiter. Ein Thema, das wir nicht mehr hören können, ist Athen. Ich hab‘ ja immer schon gesagt: Den spendierten Ouzo beim Griechen werden wir noch teuer bezahlen müssen“. Brüske feiert die Krisen, wie sie fallen. „Begreifen wir sie doch einfach als Chance. Genießen wir doch ganz bewusst unsere Midlife-Krise, stellen uns den diversen Chancensituationen und sagen täglich selbstbewusst: ‚Ich glaub‘, ich krieg‘ die Chance!‘“

Erfrischend und tiefsinnig

In Baesweiler war es keine Frage, dass die Zuhörer im Lauf des Abends mit Brüske zunehmend krisenfest wurden. Temperamentvoll, erfrischend, tiefsinnig und lebensbejahend war dieser „Krisenbeauftragte des deutschen Kabaretts“ unterwegs. Ein Paradebeispiel gescheiterter Politik sei Ex-Bundespräsident Christian Wulff. „Seitdem ich das tolle Buch seiner Gattin gelesen habe, wackelt endlich mein Wohnzimmertisch nicht mehr“, freute sich Brüske.

Die allererste Krise im Leben war ebenfalls Teil des Programms: die Pubertät. „Wenn der Körper expandiert wie eine Spekulationsblase, dann ist es soweit.“ Immer wieder lockerte der Mittvierziger seine Ausführungen mit flott unterlegten Gesangseinlagen auf. Das Lied über die Costa-Katastrophe warf einen kritischen Blick auf italienische Kreuzfahrtkapitäne. Mit seiner eigens getexteten Zugabe – einer Hymne auf Baesweiler – eroberte Brüske die Herzen der Zuschauer im Sturm: Im pinkfarbenen Glitzersakko besang er den Alltag der Menschen vor Ort. So viel Lokalkolorit begeisterte einfach.

Apps zum Veräppeln

Auch Brüskes Anekdoten über die Facebook-Generation trafen den Nerv des Publikums: Wie man sich heutzutage mit Apps veräppelt, wusste der Kabarettist treffend zu beschreiben. „Einen Nacktscanner hatten wir früher auch, das war der Bademeister. Und es gab auch ‚Coffee To Go‘ – nämlich eine Thermoskanne.“ Die schöne neue Welt verschaffe sich ihre Krisen eben oftmals selbst, „zum Beispiel, wenn einem Facebook-Nutzer nach dem Löschen eines Freundes klar wird, was ‚entfernte Bekannte‘ eigentlich sind“. Nicht zuletzt das Fernsehen stecke in einer großen Krise. „Das wird jedem Zuschauer klar, wenn er das Dschungelcamp sieht.“

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