Baesweiler - „Kultur nach 8”: Zwei Rheinländer in absoluter Top-Form

„Kultur nach 8”: Zwei Rheinländer in absoluter Top-Form

Von: mas
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Von Spaß bis Schwermut: Marie
Von Spaß bis Schwermut: Marie-Luise Nikuta und Jürgen Beckers zeigten auf der Bühne im Kulturzentrum Burg Baesweiler ihre ganze Klasse. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Er kommt „jerad aus der Urlaub”. „Und isch hab Farbe”, sagt Jürgen Beckers und klettert auf die Baesweiler Bühne. Den natürlich angestrichenen Teint hat er sich (angeblich) in seinem Heimatort Alsdorf geholt.

Patsch! Noch keine 30 Sekunden ist er in seiner künstlerischen Geburtsstätte Baesweiler am Mikro, da hat es schon den ersten Seitenhieb gegeben. Aber diesmal anders herum. Denn sonst kriegt Beckers angestammte Heimat Alsdorf regelmäßig ihr Fett vom prominenten Sohn weg.

Diesmal ist auch Chefmusiker Harry Claßen seinem Drang gefolgt, trotz Urlaubs die Bühne zu bereichern. „Obwohl er Knie hat”, stellt Jürgen Beckers den ungebrochenen und vorbildlichen Arbeitsdrang seines Musicus heraus. Und nicht nur das: Harald Claßen ist mit der „Höchststufe an Ping” ins Kulturzentrum gekommen. Die da lautet: „För ze frecke”.

Der (gefühlte) Landesmeister des rheinischen Kabaretts wirkt frisch und entschlossen bei der aktuellen Vorstellung in der Reihe „Kultur nach 8”. Urlaub und das Wetter, ja, das Thema, natürlich. Noch bevor sein Ehrengast Marie-Luise Nikuta gefeiert wird, „stöbert” Beckers ein bisschen in seiner Mariadorfer Hausarztpraxis herum, erzählt (wahre) Geschichten, die ihm dort untergekommen sind. „Trautse Theo” oder Splittorfs „Mien” spielen Hauptrollen. Das Publikum geht heftig mit.

Völlig andere Seite

Ein nächster Punkt sind die schönsten Ausreden von Schülern („Ich habe eine Stunde an der Bushaltestelle gestanden, bis ich merkte, dass sie dort gar nicht mehr war”) oder Kommilitonen aus Beckers Studienzeit.

Dies schraubt das Wohlbefinden des Publikums in der Alten Scheune in Höhen, in denen nur noch gekreischt wird. Der Themenblock „Rheinische Verwandtschaftgrade” begeistert ebenfalls: „Hörens, dat Meiers ihre Cousin, von deren Schwester mütterlicherseits, wie hieß dat früher?” Die Antwort des Rheinländers: „Äh, Dingens!”

Marie-Luise Nikuta tritt auch im ehrenwerten Alter von 74 Jahren noch regelmäßig vor 10 000 Zuschauern (Lanxess-Arena) auf. Diesmal sind es „nur” 200, aber auch in der Clubatmosphäre hat die als Spitzenkarnevalistin („Manchmal ist mir der heutige Karneval zu laut”) populär gewordene Sängerin Spaß. Im ersten Teil ihres Auftritts zeigt sie eine völlig andere Seite, als man von ihr gewohnt ist.

Es wird besinnlich. Zwischen Schwermut und leiser Heiterkeit bewegt sich ihr Stück „Manchmal bovve, manchmal ongge”. Man mag in manchen Momenten glauben, gleich stellt sich Willi Millowitsch dazu und singt die Zweitstimme. Auch das balladenhafte Lied vom Fräulein, das im Altersheim landet und von längst verflossenen Tagen und Ruhm träumt, nimmt das Publikum melancholisch mit.

Bis wieder „in Kölle jebüzzt wird”. Schunkeln, Klatschen, die Lebensfreude herauslassen. Zwei Rheinländer in Top-Form haben der Juli-Veranstaltung der „Kultur nach Acht” einen besonderen Anstrich gegeben.
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