„Kult.Tour”: Aufenthalt reicht für ein Porträt

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Pictures To Go: Besucherin Ilona Sleboda freut sich über ihr künstlerisch bearbeitetes Porträt.

Alsdorf/Herzogenrath. Als die Zugtüren sich öffnen, springen zwei Knirpse auf den Bahnsteig. Ein paar Mal klicken ihre Fotohandys, dann hopsen sie lachend zurück in die Bahn.

Eine ältere Dame im Abteil schüttelt derweil den Kopf. Alltäglich ist der Anblick ja auch nicht. Und die damit verbundene Lautstärke schon gar nicht. Ziemlich brachial geht die Aachener Heavy-Metal-Band „Fuel To Fire” mitten auf dem Bahnsteig des Eurode-Bahnhofs zu Werke. Ihr musikalisches Donnerwetter ist Teil der „Kult.Tour”-Aktion, die erstmals Bahnhöfe in der Region zu Kulturstätten macht.

Neben Aachen, Heerlen und Eschweiler liegen im Nordkreis der Herzogenrather Bahnhof und das Energeticon in Alsdorf, unweit des Euregiobahn-Haltepunktes Wilhelmschacht, auf der Route. Vier Stunden lang sind am Samstag in den fünf Kommunen Bahnreisende aufgefordert, Kunst zu entdecken.

In Roda müssen sie nicht lange suchen. Schon von weitem ist die Band hörbar, an der nicht bloß jene vorbei müssen, die ein- oder aussteigen. Auch wer den zweiten künstlerischen Beitrag erleben will, muss dem Sound folgen.

Im Inneren des Gebäudes bitten die Fotografen Uli Muntenbeck und Karl-Heinz Otten jeden Besucher vor ihre Digitalkameras. Die Bilder kommen sofort in den Computer, der sie in Schwarzweiß ausdruckt. Mit Pinsel und Farbe machen sich dann die Künstler Helga Palmisano, Barbara Geier, Christine Stamer und Viorel Chirea über die Aufnahmen her.

Das geht fix. „Es bleibt ja nicht viel Zeit, bei dem Andrang”, sagt Viorel Chirea, „da muss man schnell kreativ sein.” Bloß ein paar Minuten müssen die Fotografierten auf das Kunstwerk warten, das sie kostenlos mitnehmen dürfen. Daher der Name der Aktion: „Pictures To Go”.

Ilona Sleboda ist angetan. „Das Bild ist doch super, oder?”, sagt sie und zeigt eine Aufnahme von sich und ihrer Tochter, auf der dicke gelbe und orange Pinselstriche für Wärme sorgen. Auch die Kombination mit der Musik gefällt der Besucherin. „Wobei Zugreisende vielleicht ein Problem haben - da draußen versteht man ja keine Durchsage mehr.”

Deutlich leiser geht es im Alsdorfer Energeticon zu. Dort agieren zum einen vier Künstler des Aachener „Theater K” auf der Bühne. In weitgehend improvisierten Szenen machen sie unter dem Titel „Unerwarteter Aufenthalt” die Zugfahrt zum Thema.

Das Loslassen, das Ankommen stehen im Mittelpunkt der Theatercollage. Einen roten Faden hat das Ganze nicht. Bewusst, denn auch Zuschauer, die bloß ein paar Minuten vor der Bühne Platz nehmen, sollen möglichst rasch eintauchen können in die Präsentation.

Deren Ton dringt per Lautsprecher auch in die übrigen Räume des Fördermaschinenhauses. Dorthin, wo die Bilder des Alsdorfer Malers Martin Otten hängen. 40 seiner Werke sind vor der Kulisse der alten Bergmannsarchitektur und -maschinerie zu sehen. Abstrakte, comicartige Bilder sind darunter und manche, dicht am Fotorealismus. Das passt zum Titel: „Wechselwirkungen”.

Einen Tag hat es gedauert, die Ausstellung aufzubauen, die nach nur vier Stunden wieder abgebaut wird. Gelohnt habe sie die Mühe dennoch. „Es waren schon Besucher hier, die spontan vorbeigekommen sind und sonst keine Ausstellungen besuchen.

Diese Aktion fanden sie prima.” Und das war schließlich Ziel des Ganzen: Mit der Bahn auch solche zur Kunst zu bringen, die den Weg dorthin allein vielleicht nicht finden.
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