Künstlerinnen machen den Umgang mit dem Tod zum Thema

Von: Nina Krüsmann
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Fernrohr und Fahne: Hildegard Zieger (l.)und Claudia Merx vor ihrer Kunstinstallation am Soziokulturellen Zentrum. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. „Das Projekt betrifft eigentlich ein Tabuthema. Wir aber haben bei den Besuchern große Resonanz und viel Gesprächsbedarf gefunden“, sagen Claudia Merx und Hildegard Zieger. In den vergangenen Monaten haben die beiden Aachener Künstlerinnen das Projekt „Es sterben immer nur die anderen“ an verschiedenen Orten in Aachen und darüber hinaus auf unterschiedliche Weise gezeigt.

Der feierliche Abschluss der Projektreihe mit Übergabe der Dokumentation an alle Partner und Förderer fand jetzt im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen Herzogenrath statt. Es ging nicht nur um das ernste Thema der Endlichkeit, auch „Lebensfragen“ wollten Glas-Künstlerin Zieger und Textil-Künstlerin Merx aufwerfen.

Das Fazit der beiden Frauen ist absolut positiv: „Wir haben eine breite Öffentlichkeit erreicht und festgestellt, dass sich die Beschäftigung mit diesem nicht einfachen Thema unbedingt lohnt“, sagt Zieger. Merx betont, dass die Menschen das Thema entgegen der Erwartungen weniger belastend empfunden hätten.

„Positiv war, dass wir Menschen berührt haben. Viele fühlten sich erleichtert, über vergangene Erlebnisse zu reden oder sehen nun der Zukunft gelassen entgegen“, sagt Merx. Kunst als Mittler sei geeignet, um ein sensibles Thema wie den Tod aufzuarbeiten. „Wir haben alle Altersstufen und Bildungsschichten erreicht, an jedem Ort eine neue Facette des Themas gezeigt“, erzählt Zieger.

Eine Dia-Show präsentierte den Projektpartnern und geladenen Gästen Eindrücke der künstlerischen Reihe. „Ein Ziel war auch, Leute miteinander ins Gespräch zu bringen, neue Netzwerke zu schaffen“, sagt Merx. Projektpartner waren die Grabeskirche St. Elisabeth in Mönchengladbach, die Katholische Pfarrgemeinde Monschau, die Bischöfliche Akademie Aachen sowie der Förderverein Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen. „Mit der Übergabe unserer 32-seitigen Broschüre zur Dokumentation des Kunstprojektes bedanken wir uns bei allen Beteiligten“, betont Zieger. Nach der Präsentation gab es einen regen Austausch bei Umtrunk und Imbiss.

Viele einzelne Bausteine prägen das Gesamtprojekt: In der Grabeskirche St. Elisabeth war im Frühjahr 2012 eine Installation zu sehen. Schlauchförmig und von einem Reifen aus hing leichter, weißer Stoff von der Decke herab. Ein Scherbenhaufen und die Aufschrift „Es sterben immer nur die anderen“ auf dem Boden gehörten auch dazu.

In Monschau begaben sich die Künstlerinnen im Sommer 2012 auf einen Kunst-Wander-Weg durch den Eifelort, dabei ging es um eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema „Sterben“, mitorganisiert von Dr. Karl Allgaier, Leiter der Bischöflichen Akademie.

Zur Nacht der offenen Kirchen in Aachen gab es eine Installation in der Kapelle der Bischöflichen Akademie: „Muss das Sterben als etwas uns Fremdes angesehen werden?“ fragten Merx und Zieger hier. Das Ensemble aus Mullbinden und Glaslinsen ist das Ergebnis der Monschauer Kunstwanderung. „Die Mullbinden stehen für mögliche Lebenswege in unterschiedlichen Längen und Ausrichtungen“, erklärt Merx. Die Glaslinsen ermöglichen dem Betrachter laut Zieger tiefe Einblicke.

Im Garten des Klösterchens steht dauerhaft als Teil der Reihe „Kunst in Aktion – Vom Paradoxum des Lebens“ eine Kunstinstallation: Merx hisste ein weißes Fahnenobjekt als eine Andeutung an das „Letzte Hemd“. Zieger schuf eigens Fernrohrobjekt. Damit hat der Betrachter eine ungewöhnliche Sicht auf die Fahneninstallation in der Ferne. Beide Teile der Installation spannen eine visuelle Brücke über den Skulpturengarten – oder inhaltlich gesehen von der Gegenwart auf die Endlichkeit des Lebens. „Es geht darum, dass wir das Hinschauen im Leben mehr schätzen sollten, auch wenn wir das Thema des eigenen Todes gern in den Hintergrund stellen“, sagt Zieger. Diese Installation wird im Garten verbleiben und im Wechsel der Jahreszeiten vor unterschiedlicher Kulisse den Gedanken an die Endlichkeit wachhalten.

Großes Interesse geweckt

„Gerade in Zeiten des demografischen Wandels ist das Thema der eigenen Endlichkeit auf besonderes Interesse bei unseren Kooperationspartnern gestoßen“, betont Zieger. Auf eine „Optimierung des Sterbens“, Beschäftigung mit wichtigen Themen wie Patientenverfügung, Pflege, Demenz und alternative Bestattungsformen wird in der Dokumentationsbroschüre hingewiesen – für Jung und Alt, in jeder Lebenslage.

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