Künstler Gunter Demnig verlegt erste Stolpersteine in Baesweiler

Von: Stefan Schaum
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Baesweiler. Der Name von David Randerath steht auf dem ersten Stein. Viehhändler war er und Metzger, gelebt hat er in Oidtweiler. Ein kleines Geschäft hatte er dort, an der Bahnhofstraße 13. Bis der 1877 Geborene von den Nazis deportiert und ermordet wurde. Vermutlich starb er im besetzen Polen. „Ermordet“ – so steht es auch auf dem Stolperstein, den Künstler Gunter Demnig am Montag vor dem ehemaligen Haus der Familie Randerath verlegt hat.

Es ist der erste Stolperstein in Baesweiler. „Ihre Stadt ist damit die 916. in Deutschland, die ich mit dem Projekt besucht habe“, sagte Demnig vor vielen Gästen, die dem Einlassen des Steines in den Gehsteig beiwohnten. Im Juli vergangenen Jahres hatte der Rat auf Antrag der SPD-Fraktion einstimmig beschlossen, sich an der Aktion zu beteiligen.

Einzelschicksale

An Einzelschicksale sollen die Stolpersteine erinnern. An die Menschen unter den Millionen Ermordeten. Einiges ist bekannt über die Familie Randerath, auch dank der Nachforschungen der Geschichtsvereine in Baesweiler und Setterich. Mit seiner dritten Ehefrau Josefine hatte David Randerath seine Metzgerei bis 1932 an der Bahnhofstraße geführt, dann verpachtete er sie an seinen Schwiegersohn Arnold Bock. Der floh 1938 mit seiner Frau Elke vor den Nationalsozialisten, beide überlebten den Krieg.

Der Weg für David und Josefine Randerath führte 1941 zunächst in das so genannte Judenhaus in Setterich, an der Hauptstraße 9. Als Haus Elkan war es auch bekannt, denn dort lebten Josef Elkan und seine Frau Henriette mit den beiden Söhnen Ernst und Walter. Auch in diesem Haus gab es eine Metzgerei, bis im Frühjahr 1941 viele Juden aus Setterich von den Nazis dorthin gebracht wurden. 35 Menschen waren es zwischenzeitlich. Familie Elkan wurde 1942 deportiert, offiziell gilt sie als verschollen.

Den Holocaust überlebt

Auch Sally Kahn hat im Haus Elkan gelebt. Er war landwirtschaftlicher Gehilfe, bis er 1938 ins Konzentrationslager Sachsenhausen überführt wurde. Doch ihm gelang die Flucht. Über die Schweiz gelangte er in die Freiheit und überlebte den Holocaust. Einen Stein gab es am Montag auch für ihn, wie für die vier Mitglieder der Familie Elkan. Fünf Steine mahnen nun im Gehweg an der Hauptstraße, „dass wir niemals zulassen dürfen, dass erneut irrationaler und blinder Hass entsteht und solche Ausmaße annimmt“, wie Bürgermeister Dr. Willi Linkens betonte.

Zahlreiche Sponsoren hatten das erste Verlegen von Stolpersteinen ermöglicht. Und obwohl Künstler Gunter Demnig „bis Juni komplett ausgebucht“ ist, wie er sagte, wird er bereits am 13. März erneut nach Baesweiler kommen.

Eigentlich hätten am Montag drei weitere Stolpersteine verlegt werden sollen. An der Breite Straße 17: für Herschel, Rosa und Simon Falke. Doch wurde der Termin verlegt, damit eine Nichte von Rosa Falke ihm beiwohnen kann. Linkens: „Sie lebt in Israel und hat von unseren Stolpersteinen erfahren. Sie hatte für das Frühjahr einen Deutschlandbesuch geplant, deshalb wollten wir ihr ermöglichen, diese Form der Erinnerung mitzuerleben.“

Die Erinnerung soll in Baesweiler fortgeführt werden, „denn auch hier geschahen die gleichen entsetzlichen Dinge wie in ganz Deutschland“, sagte Linkens. Die Schicksale von 44 Juden in Baesweiler, Setterich und Oidtweiler haben Mitglieder der Geschichtsvereine rekonstruiert.

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