Künstler für Malabon: Hilfe, die auf den Philippinen ankommt

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Der Mensch im Mittelpunkt: In die Bilderwelt des Künstlers Andrzej Kasprzak (Mitte) führte bei der Vernissage der Vorsitzende der Projektgruppe Malabon, Herbert Schmerz (2.v.l.), ein. Auch Kuratoriumsmitglied Reinhard Granz, Vize-Bürgermeisterin Marie-Theres Sobczyk und Marianne Schmerz (v.l.) waren unter den Gästen.

Herzogenrath. Es hätte eine Vernissage wie in den 25 Jahren zuvor sein sollen. Wenn nicht die schrecklichen Nachrichten und Bilder über die Taifun-Katastrophe die Malabon-Ausstellung auf Burg Rode überschattet hätten. So stellten nicht nur Reinhard Granz in seiner Begrüßung als Kuratoriums-Mitglied, sondern auch die Besucher immer wieder die gleichen Fragen: Was ist mit euren Projekten in Malabon? Sind eure Mitstreiter, Eltern und Schüler betroffen?

Herbert Schmerz, Vorsitzender der Projektgruppe Malabon und Dritte Welt e.V., ging in seiner Einführung zu den Arbeiten des Künstlers Adrzey Kasprzak auf die aktuellen Schreckensmeldungen ein. Er konnte berichten, dass nach Informationen seines philippinischen Partners Father Boy in Malabon selbst keine wesentlichen Schäden durch den Taifun „Haiyan“ zu beklagen seien.

Was die Insel Bohol anbelange, konnte er mittlerweile einige Angaben machen. Hier wurde bereits Mitte Oktober fast die gesamte Infrastruktur von einem vernichtenden Erdbeben der Stärke 7.3 zerstört. Bis heute verloren 230 Menschen ihr Leben, einige werden noch vermisst, viele sind verletzt. „110.000 von 1,3 Millionen Menschen leben heute noch in Notunterkünften“, sagte Schmerz.

Der Verein unterhält auf der Insel Projekte. „Wir ermöglichen 20 Schülern eine Ausbildung am Mater Dei College in Tubigon. Seit diesem Jahr kommen noch 250 junge Menschen hinzu, die durch uns eine Handwerksausbildung erhalten.“

Die College-Gebäude wiesen nur geringe Schäden auf. „Das Ausbildungszentrum ist jedoch komplett zerstört. Man hat zunächst behelfsmäßig in Zelten weiter ausgebildet. Bis zu dem Tag als Haiyan kam. Wie immer sind die Ärmsten die ersten Opfer der Naturkräfte.“

Dann ging Schmerz auf den eigentlichen Anlass ein. Er betitelte das Hauptthema der Arbeiten von Andrzej Kasprzak mit dem polnischen Wort „chody“, das für zwischenmenschliche Beziehungen steht. „Denn im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht der Mensch - figurativ, lyrisch, symbolisch, expressiv.

Der Künstler möchte, dass wir uns selbst in seinen Arbeiten entdecken, Situationen wieder erkennen.“ Das sei nicht immer einfach, denn oftmals wende er bewusst Deformation des menschlichen Körpers oder eines Gesichtes an. Der Künstler selbst sagt dazu: „Der Mensch hat in meinen sehr oft metaphorischen Erzählungen so viele Hände, Augen, Gesichtskonturen, wie er für seine Existenz hier und irgendwann dort braucht.“ Er werde angetrieben von einem Bedürfnis, einer Sehnsucht nach einer besseren, wenn auch nicht vollkommenen Welt.

Auch die Malabon-Radierung zeige die typischen Elemente seiner Arbeiten, sagte Schmerz. Der Künstler nennt sie „Paar“, obwohl zumindest zwei Paare sich auf Augenhöhe gegenüber stehen. Deren Köpfe sind nicht ganz dargestellt, förmlich abgeschnitten durch die Enge der Radierplatte. Schmerz: „Ist das negativ zu deuten? Ich meine nicht, denn die Zusammenarbeit mit unseren philippinischen Partnern ist auch nach 26 Jahren noch lange nicht beendet. Sie entwickelt sich weiter, neue Ideen werden geboren, die sprichwörtlich über den Tellerrand hinausgehen.“

Zum Schluss lud Herbert Schmerz die Besucher dazu ein, Kasprzaks Suche nach immer neuen Bildformen und dem menschheitlichen Gleichnis zu begleiten. „Wandern Sie durch die Gefühlswelten des Künstlers, vielleicht entdecken Sie sich selber dabei.“

Die Vernissage wurde musikalisch am Klavier von Sebastian und Alexander Nell begleitet. Die Brüder haben in diesem Jahr den Nachwuchspreis der Johann Lütter Stiftung erhalten. Die Ausstellung ist noch bis zum kommenden Sonntag auf der Burg Rode zu sehen.

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