Würselen - Krimi wird zur Reflexion über das Erzählen

Krimi wird zur Reflexion über das Erzählen

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
Jetzt steht auch seines im Reg
Jetzt steht auch seines im Regal: Christoph Leuchter stellt sein Buch „Letzter Akt” vor. Foto: Elisa Zander

Würselen. Die Scheune, an der der deutsche Professor Martin Vonderheid, genannt Di Landa, jeden Tag vorbei geht, übt eine gewisse Anziehungskraft auf den 76-Jährigen aus.

Seit zehn Jahren lebt er mit seiner 30 Jahre jüngeren Frau Maria in dem abgelegenen toskanischen Dorf und immer wieder denkt er sich, dass diese Scheune eines Tages zum Handlungsort eines Verbrechens wird.

Und tatsächlich: Bei einem Nachmittagsspaziergang überwindet er seine Hemmung und wirft einen Blick in den verlassenen Schuppen. Ein Toter hängt unter der Decke.

„Letzter Akt” heißt das erste Buch von Christoph Leuchter, aus dem diese Szene stammt. Zehn Jahre hat er daran gearbeitet, unterstützt durch drei Stipendien, unter anderem des Literarische n Colloquiums Berlin.

Nun ist es seit einigen Wochen auf den Markt und es liest sich, insbesondere zu Beginn, wie ein Kriminalroman. „Das ist auch nicht ganz falsch”, erläutert der Autor. „ Es beginnt mit den Figuren und der Psyche eines Kriminalromans. Wenn man aber weiter liest, merkt man, dass es nicht so sehr darum geht, etwas aufzudecken.”

Leuchter selbst kannte einen solchen Ort wie den im Roman beschriebenen Schuppen, weiß um die Anziehung solcher leerstehenden Gebäude. Doch es sei kein biographischer Roman, unterstreicht der Würselener. Vielmehr sei es ein Buch über das Erzählen selbst.

„Wo du bist”

Vor seinem Studium der Germanistik in Bonn und Aachen, studierte Christoph Leuchter Klavier und Musikwissenschaft. 2010 erschien sein Album „Wo du bist”. Ob sich die Arbeit, das Schreiben eines Buches, oder das Komponieren von Musik vergleichen lässt? „Am Ende hat alles mit Kreativität zu tun”, sagt er. „Beim Schreiben eines Buches ist man etwas strenger mit sich selbst. Bei der Musik geht es schneller, da gibt es nicht so lange Prozesse, wobei das bei den Texten für die Lieder ähnlich ist.”

Derzeit tritt die Musik etwas in den Hintergrund; Leuchter arbeitet bereits an seinem zweiten Roman, der im kommenden Jahr veröffentlicht wird. Eine Fortsetzung des Erstlingswerks ist es nicht, viel verraten will der Autor aber auch nicht, nur so viel: Es wird ein Familienroman, in dem der Ich-Erzähler nach dem Tod des Vaters die Familiengeschichte neu aufdeckt.

Bis dahin liegt der Fokus auf dem Roman „Letzter Akt”. Am Freitag, 20. April, präsentiert der Autor sein Buch um 20 Uhr im Alten Rathaus an der Würselener Kaiserstraße. Karten zu je fünf Euro sind an der Abendkasse erhältlich.

Begleitet wird die Lesung von Harald Claßen, der in Leuchters Band Saxophon, Klarinette und Akkordeon spielt. Ob Christoph Leuchter auch singen wird? „ Man hat mich gewarnt, das nicht auch noch zu tun - aber in Würselen bin ich ganz zuhause, vielleicht mache ich es ja doch?”

Präsentiert wird der Abend von der Buchhandlung Schillings und dem Förderverein der Stadtbücherei Würselen. Christoph Leuchters Buch „Letzter Akt” ist im Steidl-Verlag erschienen und kostet 18 Euro.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert