Kräftemangel: Feuerwehr schlägt Alarm

Von: Georg Pinzek
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Damit nichts anbrennt: Die Feuerwehren machen immer wieder Werbung in eigener Sache. Foto: W. Sevenich

Nordkreis. Wenn es brennt, muss sofort die Feuerwehr unter Telefon 112 alarmiert werden. Das weiß jedes Kind, das telefonieren kann. Sollte es zumindest. Denn selbst die Kleinen in der Kita werden mit der Notrufnummer vertraut gemacht. Mit der Bekanntgabe der Zahl 112 hat nun aber die Alsdorfer Feuerwehr quasi selbst einen Alarm ausgelöst.

„Nur“ noch 112 ehrenamtliche Feuerwehrleute kann die Bilanz 2012 aufweisen. Dabei ist es Feuerwehrsprecher Christoph Simon durchaus bewusst, dass so etwas nur ungern an die Glocke gehängt wird, muss es aber, damit beizeiten Abhilfe geschaffen werden kann. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Der Brandschutz in Alsdorf ist gewährleistet. Das soll auch so bleiben, wird aber immer schwieriger. Bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Alsdorf wurde die Mannschaftsstärke mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Dabei hatten Ehren- und Hauptamtler auch 2012 alle Hände voll zu tun: Innerhalb des über 31 Quadratkilometer großen Stadtgebietes hatte die Alsdorfer Wehr insgesamt 569 Einsätze zu bewältigen.

Werbung ist wichtig

„Wir benötigen mehr ehrenamtliche Kräfte!“ Mit diesem Appell wandte sich Wehrleiter Peter Adenau an Kameraden und Öffentlichkeit. Denn auch die Alsdorfer Feuerwehr muss ihre Einsatzkraft laufend und nicht nur auf dem Papier unter Beweis stellen. Im Rahmen der stetig zu aktualisierenden Brandschutzbedarfsplanung wird beispielsweise besonderes Gefahrenpotenzial im Stadtgebiet (zum Beispiel Industrieanlagen, Autobahn etc.) sowie die Einwohnerzahl von 45.300 in Relation zu den 112 ehrenamtlichen Wehrleuten gesetzt. Bereits in den Jahren zuvor lag die Zahl der freiwilligen Kräfte beim Mindestniveau. Adenau sieht das Problem: „Im Feuerwehrwesen ist die Stadt Alsdorf auf eine funktionierende den örtlichen Verhältnissen angepasste Feuerwehr mit ehrenamtlichen Kräften angewiesen. Mit hauptamtlichen Kräften alleine wären viele Einsätze nicht zu bewältigen.“ Aktuell verfügt die Alsdorfer Wehr neben 112 aktiven ehrenamtlichen Wehrleuten über 45 hauptamtliche Kräfte, 30 Jugendliche, hinzu kommen 21 Mitglieder im Spielmannszug und 51 Kameraden in der Ehrenabteilung, insgesamt 259 Mitglieder.

Noch nicht ganz so dramatisch ist die Situation bei der Freiwilligen Feuerwehr in Herzogenrath. Das bestätigt Sprecher Thomas Hendriks. 159 Ehrenamtler, darunter zehn Frauen, stehen im aktiven Dienst, 28 gehören der hauptamtlichen Wache an – einige sind auch Mitglieder in den drei Löschzügen. 57 Mitglieder zählt die Jugendfeuerwehr sowie jeweils zwölf der Spielmannszug und die Ehrenabteilung. Zum Vergleich: 2009 zählte Rodas Wehr 189 aktive Ehrenamtler. Um die Talfahrt der Mitgliederzahlen zu stoppen, macht die Feuerwehr nicht nur bei Tagen der offenen Tür in der Wache und den Standorten der Löschzüge immer wieder Werbung in eigener Sache, auch bei Projekttagen in Schulen und bei Stadtfesten wird gerne Präsenz gezeigt. Auf Dauer wird das aber sicher nicht ausreichen. „Um den Wagen weiter flott zu halten, muss unser Ehrenamt attraktiver werden“, fordert Hendriks. So sollte nicht nur das Ehrenamt in Sportvereinen, sondern auch in Feuerwehren gewürdigt werden: „Wenn Bedingungen nicht stimmen, beispielsweise Unterkünfte nicht entsprechend sind, können wir Ehrenamtler nicht bei der Stange halten. Wenn aber hauptamtliche Feuerwehrleute die Arbeit machen müssen, kommt das eine Kommune unter dem Strich viel teurer zu stehen.“

Baesweiler mit rund 27.700 Einwohner hat gar keine hauptamtlichen Feuerwehrleute, die braucht die Kommune auch nicht einzustellen, obwohl eine Stadt mit über 25.000 Einwohnern dazu verpflichtet werden kann. Der Grund: Die Aufgaben werden von einer schlagkräftigen ehrenamtlichen Truppe erledigt. Bei Alarmübungen wurde das immer wieder den Aufsichtbehörden unter Beweis gestellt. 172 aktive freiwillige Feuerwehrleute verrichten ihren Dienst in Baesweiler. Mit dieser stolzen Zahl kann Stadtbrandmeister Hans-Josef Hermanns aufwarten. Hinzu kommen 35 in der Jugendfeuerwehr und 52 in der Ehrenabteilung. „Im Schnitt ist unsere Mannschaftsstärke mit um die 170 Leuten konstant. Wir können aber immer Verstärkung gebrauchen. Manchmal zieht der ein oder andere des Jobs oder der Liebe wegen weg. Bislang haben wir das aber immer mit Neuzugängen auffangen können“, sagt Hermanns.

In Würselen ist die Zahl der ehrenamtlichen aktiven Feuerwehrleute mit 121 recht stabil, weiß Ralf Jüsgens. Der stellvertretende Leiter der Feuerwehr ist auch ihr Sprecher. Beachtlich ist die Stärke der Nachwuchsfeuerwehr: 61 junge Leute sind mit von der Partie. Ein guter Beleg dafür, dass die Würselener Wehr die Herausforderungen des demografischen Wandels im Blick hat. 52 Mitglieder zählt die Ehrenabteilung. Auf der Wache sind 32 hauptamtliche Feuerwehrleute, hinzu kommen vier Auszubildende. Jüsgens: „Natürlich werden wir nicht nachlassen, mit Veranstaltungen auf uns aufmerksam zu machen, damit wir die Mitgliederzahl halten können. Geplant ist auch eine Werbekampagne mit Flyern.“ Damit hatte zuletzt auch die Freiwillige Feuerwehr Roetgen immerhin eine Handvoll neue Aktive gewinnen können.

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