Nordkreis - Komplettes Gartenhaus im Feld entsorgt

Komplettes Gartenhaus im Feld entsorgt

Von: Beatrix Oprée
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Kampf gegen die Hinterlassenschaften anderer: Markus Prodromidis (r.) und Kollege Helmut Wirtz haben alle Hände voll zu tun. Foto: Beatrix Oprée
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Entdeckt beim Spaziergang täglich neue Verschandelungen: Wilhelm Müller aus Busch. Foto: Oprée

Nordkreis. Wilhelm Müller ist sauer. Gerade kehrt er von einer seiner täglichen Ausfahrten mit Rad und Hund zurück und muss erst einmal seinem Ärger Luft machen: „Ein komplettes Gartenhaus hat hier einer in die Büsche geworfen, mit Türen, Fenstern, allem, was dazu gehört. Sogar eine Halterung für Werkzeuge war noch dran. Pflastersteine liegen dabei, daneben eine Wäschespinne!“

Müller hat alles dokumentiert und dann die Stadt informiert. Dort ist man an solche Anrufe gewöhnt. Leider. Die Mitarbeiter rücken ständig aus, um das einzusammeln, was Unverfrorene in der Botanik entsorgen. Bei Bedarf sogar mit einem Containerwagen samt Greifer. Eine Sisyphos-Aufgabe, wie Stephan Maaßen, kaufmännischer Betriebsleiter des Eigenbetriebs Technische Dienste, darlegt. Kaum ist ein Grünstreifen aufgeräumt, kann der Trupp am nächsten Feldrand wieder von vorne beginnen.

Das weiß auch Wilhelm Müller. Und entdeckt da, wo die städtischen Arbeiter tags zuvor auf seinen Anruf hin für Ordnung sorgten, prompt schon wieder einen alten Computerbildschirm. Mit allen Wert- und Schadstoffen, die in ihm verbaut sind, einfach in die Büsche geworfen. „Dabei hat man doch alle Gelegenheiten, Müll legal loszuwerden“, schimpft er.

„Ich bin Ur-Buscher und fühle mich dem Stadtteil und der Natur verbunden“, sagt der 55-Jährige, der sich mit seiner Frau und dem agilen Mischlingsrüden Fox in seinem Siedlungshäuschen ein kleines Paradies geschaffen hat. Auf der Terrasse stehen Gartenmöbel und Grill bereit. Im Teich schnabulieren Kois und Goldfische, „jede Menge Vögel haben wir hier“, schwärmt er.

Um der Natur weiter auf die Beine zu helfen, baut er Wildbienen-Hotels. Eine Wand seines Gartenhäuschens ist zugehängt mit den Holzkonstruktionen voller Bohrlöcher, hohlen Halmen und Stängeln als Nisthilfen für Hautflügler, wie sie Naturschützer am liebsten in jedem Garten sähen. Den städtischen Rasen rings um sein Grundstück hält er peinlich kurz, „damit immer alles ordentlich ist“. Durchweg werden die Häuser in der Buscher Siedlung von ihren Besitzern liebevoll gepflegt.

Man kennt sich und schätzt es, zwecks Spaziergang im Grünen nur ein paar Schritte gehen zu müssen. Wenn sich nicht immer wieder bei Nacht und Nebel Unbekannte eben jenen Grüngürtel mit der ehemaligen Bahntrasse und einem Geflecht an Feldwegen als Mülldeponie aussuchen würden. „Echt schlimm“, ruft eine Hundebesitzerin, als Wilhelm Müller kopfschüttelnd einen Haufen alter Kleidersäcke begutachtet. „Hier liegen ja auch Sachen rum, die im gelben Sack entsorgt werden könnten, jede Menge Verpackungsmüll“, stellt sie im Vorbeigehen noch fest.

Bis zu 20 Euro Flaschenpfand

„Gefährlich ist der Kram auch noch – für Mensch und Tier“, will sich Wilhelm Müller gar nicht ausdenken, wie jemand in Glasscherben oder rostige Nägel tritt. „Flaschen sammele ich natürlich ein“, sagt er. „Warum denn auch nicht? Wenn der ursprüngliche Besitzer zu faul war, sie zurückzubringen?“ 10 bis 20 Euro Pfandgeld kommen da monatlich zusammen. „Hier finde ich am meisten“, zeigt Müller auf eine Bank nahe dem Nordfriedhof.

In der Siedlung ist unterdessen ein städtischer Reinigungstrupp unterwegs. Auf dem Pritschenwagen stapeln sich blaue Müllsäcke. Inhalt: das, was Markus Prodromidis und Helmut Wirtz mit ihren Zangen mühsam aufgeklaubt haben. „Kommen Sie mit zur Eisenbahnstraße. Da liegt immer Müll!“ Gesagt, getan. Während Helmut Wirtz mit der Kehrmaschine Bahnen zieht, klettern Prodromidis und Kollege Helmut Birke über die Leitplanke, um weitere Plastiksäcke zu füllen. Sie haben gut zu tun mit dem, was andere aus dem Wagen werfen. Und was gab es sonst noch alles an diesem Morgen? „Zwei Kühlschränke, einen Fernseher, einen Monitor – war wieder alles dabei!“

Ärgern Sie sich auch über die kostenträchtigen wilden Müllablagerungen mitten in der Landschaft? Über hässlichen Abfall neben dem Glascontainer? Oder Hausmülltüten in öffentlichen Papierkörben? Nutzen Sie unser Leser-Portal im Internet für Ihre Meinung.

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