„Knöllchen” werden vorerst auf Eis gelegt

Von: Christoph Classen
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Blockadehaltung: Andreas Cremer vom Alsdorfer Ordnungsamt sperrt Straßen. Foto: Classen

Nordkreis. Die Straße ist für Andreas Cremer alles andere als ein ungewohntes Pflaster, als Mitarbeiter des Alsdorfer Ordnungsamtes ist er dort nahezu täglich unterwegs. Und doch ist die Aufgabe, der er nachgeht, keine alltägliche: Er regelt den Verkehr.

Einige Landwirte hatten sich dazu bereiterklärt, mit ihren Traktoren die Alsdorfer Straßen vom Schnee zu befreien. Und damit das Ganze möglichst reibungslos abläuft, werden dort, wo sie gerade arbeiten, die Verkehrswege gesperrt. Das ist Cremers Aufgabe.

Ob die Bürger Verständnis dafür haben, dass sie, nachdem die Straßen wieder einigermaßen befahrbar sind, erneut ausgebremst werden? „50:50”, sagt Cremer diplomatisch bevor er dem Fahrer einer Großraumlimousine etwas weniger diplomatisch klarmacht, dass an dieser Stelle derzeit kein Durchkommen ist.

Klar: Die personellen Kapazitäten der Ordnungsämter im Nordkreis wachsen nicht parallel zur Schneedecke. Was zur Folge hat, dass derzeit manches auf der Strecke bleibt. „Wir haben einfach keine Zeit, Knöllchen zu schreiben”, sagt Ralf Kahlen, Erster Beigeordneter in Alsdorf. „Das ist aber kein Freifahrtschein, sich an gar nichts mehr aufzuhalten”, mahnt Herbert Schaefer, Leiter des Fachbereichs 1 in Würselen, in dessen Zuständigkeit das Recht- und Ordnungsamt fällt. Autos, die Feuerwehr- oder Notarztzufahrten blockieren, werden gewohnt rigoros an den Haken genommen. Wer sein Gefährt „nur” im Halteverbot abstellt, hat aber gute Chancen ungeahndet davonzukommen.

„Im Augenblick haben wir die Parkraumüberwachung nahezu vollständig eingestellt”, sagt Schaefer. Andere Aufgaben seien wichtiger. Am Dienstag bat das Ordnungsamt die Feuerwehr, ein Flachdach in Broichweiden zu räumen. „Es gab einen Riesenschlag als der Schnee zu Boden donnerte. Er hätte jemanden erschlagen können”, sagt Schaefer.

Angesichts derlei Gefahren sind auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Baesweiler dazu angehalten, besonders die Dächer im Auge zu behalten. „Und wenn uns gefährliche Stellen gemeldet werden, gehen wird dem natürlich nach”, sagt Frank Brunner, als Beigeordneter in Baesweiler zuständig für Ordnungs- und Sozialamt.

Was das Verteilen von „Knöllchen” angeht, übt man sich auch in Herzogenrath in Zurückhaltung. „Teilweise kann man ja auf den Straßen die Markierungen nicht erkennen”, begründet Jürgen Venohr, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste. Zudem hätten die Mitarbeiter derzeit genug damit zu tun, „ die Bürger bei ihrer Räumpflicht zu Unterstützen”.

Wo Wege, die in die Zuständigkeit der Anwohner fallen, noch von Schnee und Eis bedeckt sind, wird geklingelt und gebeten, sich darum zu kümmern. „Wir sind lieb und nett und arbeiten nicht mit Bußgeld”, sagt Venohr.

Günstiger könnte für Alsdorfer, Würselener und Baesweiler die Müllentsorgung werden. Dort wird die Höhe der Rechnung über das sogenannte Identsystem festgestellt, bei der für jede Leerung ein Betrag fällig wird. Nach wie vor dringen die Müllfahrzeuge noch lange nicht zu jedem Haus vor. „Die Nebenstraßen sind nicht geräumt, inwieweit wir sie befahren, entscheidet der jeweilige Fahrer”, sagt Ulrich Reuter, Vorstand der Regio Entsorgung.

In Herzogenrath, wo der Preis für die Entsorgung pauschal berechnet wird, haben die Bürger die Möglichkeit, ihren überschüssigen Unrat in blauen Säcken an die Straße zu stellen. In den Kommunen, die nach dem Identsystem verfahren, müssen es dagegen spezielle Gebührensäcke sein. Weitere Infos erteilt die Regio Entsorgung - zumindest an die, die zu ihr durchdringen. Reuter: „Unser Kundenzentrum bricht unter der Last der Anrufe zusammen.”
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