Klaus Jung hat etliche tausend Vinyl-Platten gesammelt

Von: Stefan Schaum
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Ein Album, viele verschiedene Cover: Seine Lords-Platten hat Klaus Jung nicht selten in etlichen Ausführungen zur Hand. Derzeit lagern die guten Stücke in seiner Werkstatt. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Mit dem Zählen hat Klaus Jung schon vor langer, langer Zeit aufgehört. War einfach zu müßig, kam ja doch laufend was hinzu.

Schon damals lag die Zahl seiner Schallplatten irgendwo um die 2000. Heute dürfte es locker die drei-, vierfache Menge sein.

Dass der 59-jährige Alsdorfer als Teenager ein sehr gefragter Discjockey war, hat ihn ganz schön geprägt. Geht es um Beatmusik oder um Rock, sprudelt es sofort aus ihm raus: „Kenn´ ich...”, „Hab´ ich fast alle Platten von...”, „Da hab´ ich doch mal ein Konzert gesehen...”. Vor allem von den Lords, der ziemlich erfolgreichen deutschen Antwort auf die Beatles, hat er etliche Scheiben. Sonderpressungen, Fehldrucke - beinahe das komplette Programm. Und schuld daran, so sagt Klaus Jung, ist bloß seine Frau.

Die Ursula habe ihn nämlich erst so richtig auf die Band gebracht, deren Markenzeichen weiße Rüschenhemden, Gamaschen, Prinz-Eisenherz-Frisuren und keineswegs akzentfreie englische Songs waren.

Bevor er seine spätere Gattin kennenlernte, stand Klaus mehr auf Cream oder die Rufus Zuphall-Band. Die lieferten einen härteren Sound ab, machten richtige Jungsmusik. Doch auch den etwas softeren Lords konnte er einiges abgewinnen. Deren Stücke hat er schließlich auch aufgelegt, wenn er als Discjockey - der damals noch wenig klangvoll „Plattenaufleger” hieß - im ehemaligen Haus Mertens an der Alsdorfer Bahnhofstraße stand.

Im Keller seines Hauses hat er später diese langen Musiknächte fortgesetzt. „Bei mir war sozusagen die Ofdener Disco, da war immer richtig Remmidemmi. Da standen schon mal 20, 30 Mopeds vor der Tür.” Heute ist dieser legendäre Keller vor allem eine große Werkstatt, in der der Werkzeugmacher gut zu tun hat.

Seit etwa zwei Jahren steht auch seine komplette Plattensammlung dort unten, nachdem der Platz in der Wohnung dafür zu knapp geworden war. So drängen sich nun Werkzeuge und teils richtig kostbare Vinyl-Schätze dicht an dicht.

Kein Zustand für die Ewigkeit, das weiß auch Klaus Jung. „Irgendwann will ich das alles mal so richtig sortieren”, sagt er und blickt dabei etwas ratlos auf die vielen Regale und noch mehr Kartons, in denen die LPs und Singles lagern. Wo soll man da bloß mit dem Ordnen anfangen?

Leidenschaftlich

Der Leidenschaft für die Musik tut es jedenfalls keinen Abbruch. Selbst wenn das Gespräch auf aktuelle Musik kommt, verstummt Klaus Jung keineswegs. Neulich hat er wieder ein paar Songs von der kanadischen Band Billy Talent gehört und von den deutschen Rammstein. Seine Tochter hatte ihm die CDs gegeben. So richtig schlecht findet er die moderne Rockmusik gar nicht mal. Bloß: „Die Songs waren früher einfach noch besser, die hatten insgesamt mehr Herz.”

Richtig ins Herz geschlossen hat er die Lords, die schon 1965 im Aachener „Scotch Club” auftraten und denen er in späteren Jahren als Fanclub-Mitglied häufig begegnet ist.

Am 13. Oktober wird Klaus Jung das Herz bestimmt schwer. Denn an diesem Tag starb vor zehn Jahren der Lord-Chef Ulli Günther. „Das war ein Schock für mich, für alle Fans.” Am zehnten Todestag wird Klaus Jung in den Keller steigen und ein paar alte Lords-Platten aus dem Regal ziehen. Er wird sie dann auflegen und diese Musik genießen. Denn zum Hören sind ihm selbst die besten Stücke nicht zu schade. „Gute Musik”, sagt Klaus Jung, „nur darum geht es.”
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