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Kita: Später fertig und zehn Prozent teurer

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Kita-Baustelle am Wasserturm in Merkstein: Die Werktätigen haben noch viel Arbeit vor sich. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. „Ich habe über 30 Jahre Verwaltungserfahrung, doch das ist das erste Mal, dass ich dachte: ‚Wo sind meine Herztropfen?‘“ So eine Reaktion von Birgit Froese-Kindermann wie bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Donnerstagabend hat Seltenheitswert. Der Grund für die Aufregung sind die Verzögerungen beim Bau der städtischen Kindertageseinrichtung am Wasserturm in Merkstein.

Sie ist ein wesentlicher Baustein in der Ausbauplanung für Kita-Plätze von Kindern unter drei Jahren. Noch im März waren Verwaltung und Politik stolz darauf, dass Roda mit 41,3 Prozent weit über den von Bund und Land geforderten 35 beziehungsweise 32 Prozent der Abdeckung beim U3-Angebot liegt. Auch im Vergleich mit den umliegenden Städten nimmt Roda mit dem Ausbau der Betreuung einen Spitzenplatz ein. Das bleibt auch weiterhin so, versicherte Bernd Krott vom Jugendamt.

Vor allem in personeller Hinsicht war er stolz, dass sich viele Fachkräfte um eine Tätigkeit bewarben. Doch könne die neue Kita, deren Rohbauphase für den Winter und das Frühjahr vorgesehen war, nicht wie geplant zum Beginn des neuen Kindergartenjahres am 1. August an den Start gehen. Neuer voraussichtlicher Fertigstellungstermin ist der 15. Oktober, wie Architekt Jost Gellinek der erstaunten Runde mitteilte.

Erstaunt war die Runde deshalb, weil vorher noch keine Information an die Verwaltungsspitze und die Politik ergangen war. Aber auch das wurde nur auf Nachfrage von Ausschussmitgliedern offenbar. „Wir können doch nicht die Anmeldungen der Eltern entgegennehmen und die dann vertrösten, dass sich der Betriebsbeginn nochmal verzögert“, war Birgit Froese-Kindermann sichtlich verärgert. Zudem stand sie fassungslos vor der weiteren zu schluckenden Kröte: Die im Zeitraum zwischen Baubeginn und voraussichtlicher Fertigstellung um zehn Prozent auf 1,65 Millionen Euro gestiegenen Kosten. „Wir befinden uns in der Haushaltssicherung, jede investive Ausgabe müssen wir auf anderer Seite einsparen“, unterstrich sie kopfschüttelnd.

Bernd Krott konnte zumindest hinsichtlich des Rechtsanspruchs der Eltern auf die bezahlten Betreuungsplätze Entwarnung geben. „Es ist keine dramatische Situation, dass mit dem Provisorium im Streiffelder Hof begonnen wird“, sagte er, „aber jede Woche, die es weniger dauert, wäre schön.“ Die Eltern könnten sich in jedem Fall darauf verlassen, dass sie eine gute Kinderbetreuung erhalten. Zudem könnten die Kinder durch Besichtigungen der Baustelle ja schon einmal Vorfreude auf die neue Kita erleben.

Kalt, nass, überplant

Architekt Gellinek, der sich gemeinsam mit Fachbereichsleiter Rolf-Peter Kalmbach gut eine Stunde lang den Fragen des Ausschusses stellen musste, sah das Ganze eher von der baupragmatischen Warte. „Neubauten von Kitas werden nicht immer punktgerecht fertig“, sagte er.

Das Wetter, zunächst der Winter mit Temperaturen, die beispielsweise das Betonieren der 20 Zentimeter messenden Bodenplatte nicht zuließen, aber auch das nasse Frühjahr mit viel Regen, das die Arbeiter daran hinderte, die fertigen Holzelemente zu montieren, habe einen dicken Strich durch alle Zeitplanungen gemacht. Die Spanne zwischen der Kostenschätzung für das Projekt und den endgültigen Kosten nannte er „absolut normal“, allerdings habe es im laufenden Bauvorhaben immer wieder Probleme gegeben.

So habe zunächst das anscheinend völlig überraschend entdeckte Fundament des alten Wasserturms an dieser Stelle abgetragen werden müssen. Schließlich wurde während der Bauphase der Entwurf nochmals überplant. So wurde zum Beispiel die vorher eingezeichnete Dachkonstruktion zu Gunsten einer günstigeren Lösung anders ausgeführt. Lagergebühren für die Holz-Fertigbauteile kamen dazu, sodass eventuell mit der Verwaltung noch abzustimmende Einsparungen im Außenbereich nötig werden, um die Kosten nicht völlig aus dem Ruder laufen zu lassen, so Gellinek.

„Die Verzögerung ist im Mai über uns hereingebrochen“, unterstrich auch Fachbereichsleiter Rolf-Peter Kalmbach. Er versicherte, in Zusammenarbeit mit den bauausführenden Firmen und der Bauplanung alles daran zu setzen, die terminlichen Rückstände aufzuholen. Einer von verschiedenen Ausschussvertretern angefragten Teilinbetriebnahme erteilte der Architekt eine Abfuhr. „Aus sicherheitstechnischen Gründen und Gründen der Fürsorgepflicht ist das nicht möglich.“ Er ist aber nach wie vor davon überzeugt, eine qualitativ hochwertige Kindertagesstätte abliefern zu können, die nahe am Passivhausstandard sei und sehr nachhaltig gebaut werde. „Das Ganze war super geplant und hätte funktioniert, wenn das Wetter mitgespielt hätte“, schloss Jost Gellinek.

Da blieb auch der Ersten Beigeordneten nur noch der tröstende Blick auf eine baldige Eröffnung: „Wir werden früher oder später eine wirklich schöne, mit gutem Personal ausgestattete Kindertagesstätte haben“.

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