Nordkreis - Kindertagespflege: Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn

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Kindertagespflege: Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn

Von: Elisa Zander
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Ein Bett zuhause und eines bei der Tagesmutter: Vor allem bei Bedarf in der Randzeitenbetreuung sind Tagespflegepersonen gefragt. Einen Zuschuss dafür gibt es im Nordkreis nicht. Foto: Elisa Zander
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Gemeinsames Essen: Das gehört bei der Betreuung von Tagespflegemüttern und -vätern dazu. Das Geld für die Verpflegung der Kinder ist im Stundensatz der Betreuer schon enthalten. Foto: Stock/epd

Nordkreis. Sie sind für viele Eltern die letzte Hoffnung in Sachen Kinderbetreuung: Tagespflegepersonen. Manche wünschen sich diese Betreuungsform für ihr Kind, andere greifen darauf zurück, weil in einer Kindertagesstätte kein Platz frei ist. Es wird deutlich: Die Tagespflege ist aus der aktuellen Betreuungssituation nicht mehr wegzudenken.

118 Tagespflegepersonen gibt es derzeit im Nordkreis, die sich wie folgt aufteilen: 30 in Alsdorf (zum Ende des Jahres kommen acht weitere hinzu), zehn in Baesweiler, 51 in Herzogenrath, und 27 in Würselen. Sie alle leisten die gleiche Arbeit – was aber nicht bedeutet, dass sie auch mit dem gleichen Stundensatz entlohnt werden.

Die Städteregion Aachen hat zur Inanspruchnahme von Betreuungsangeboten in Kindertageseinrichtungen und im Bereich der Kindertagespflege eine Kinderfördersatzung herausgegeben. Darin sind die Leistungsbeträge, die eine Tagespflegeperson monatlich pro Kind erhalten sollte, nach dem Betreuungsumfang gestaffelt – zwischen 240 und 720 Euro, je nach Aufwand. Doch diese Satzung hat keine Bindungspflicht für die Kommunen.

Das führt dazu, dass die Stundensätze für Tagespflegepersonen variieren. Doch selbst die Kinderfördersatzung ist aus Sicht des Jugendhilfeausschusses der Stadt Herzogenrath überarbeitungswürdig.

Hintergrund ist die monatliche Berechnungsgrundlage, die derzeit auf vier Wochen beruht, aus Sicht der Ausschussmitglieder jedoch – wie in anderen Sozialleistungsbereichen üblich – auf eine Berechnung von 4,3 Wochen/Monat angehoben werden sollte, um den ursprünglich auch von Seiten des städteregionalen Gremiums geforderten Stundenlohn von 4 Euro zu erreichen.

Beispielrechnung

Ein Beispiel: Eine Tagesmutter wird mit der Betreuung von einem Kind für 30 Stunden in der Woche beauftragt. Laut Leistungssatz der Kinderfördersatzung stehen ihr dafür 480 Euro monatlich zu. Das entspräche einem Stundensatz von 4 Euro bei einer Berechnung von vier Wochen/Monat.

Tatsächlich liegt die Betreuungszeit aber bei 4,3 Wochen pro Monat, wodurch der tatsächliche Stundenlohn auf 3,72 Euro sinkt. Eine Vergütung, die aus Sicht des Ausschusses zu gering ist und angehoben werden sollte, um auf den derzeit theoretischen Stundensatz von 4 Euro zu kommen.

Das hätte für Herzogenrath zur Folge, dass die Mittel im städtischen Haushalt für die familiäre Tagespflege, für die im Haushalt 2014 622.224 Euro für im Jahresdurchschnitt 90 belegte Kindertagespflegeplätze kalkuliert wurden, um 44.000 Euro angehoben werden müsste. Eine Summe, die, sollte der Anpassung des Berechnungsmodus‘ zugestimmt werden, den Haushaltsausgleich gefährden könnte, wie Kämmerer Markus Schlösser in der Vorlage anmerkt.

Politik berät sich

Nun muss die Politik darüber beraten, ob sie dem Beschlussvorschlag zustimmt. „Unter dem Gesichtspunkt, dass wir geeignete Menschen finden müssen, die als Tagespflegepersonen tätig sind, wäre die Satzungsänderung und die damit verbundene Erhöhung der Stundensätze ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, sagt Jugendamtsleiter Bernd Krott.

Selbst das Bundesfamilienministerium sei der Auffassung, dass eine höhere Entlohnung angebracht wäre. Der Bundesverband Tagespflege fordert als Existenz sichernde Vergütung 5,50 Euro pro Stunde und Kind. Enthalten sind darin der Aufwand für die Verpflegung der Kinder und der Aufwand für den hälftigen Beitragssatz zur Sozialversicherung. Diese zusätzlichen Zahlungen werden von der Stadt Herzogenrath bereits geleistet und sind nicht in dem tatsächlichen Stundenlohn von 3,72 Euro enthalten.

Andreas Heine, Fachbereichsleiter Jugend und Bildung, schätzt, dass, würde man diese Leistungen auf den Stundensatz hinzurechnen, dieser um zwischen 0,70 und 1 Euro anstiege. Dies zugrunde gelegt, käme man mit einer Umstellung des Berechnungsmodus nahezu an den vom Bundesverband Tagespflege geforderten Stundensatz von 5,50 Euro.

„Wir liegen mit der Bezahlung in einem guten Mittelfeld“, sagt Ruth Katharina Classen von der Fachberatung für städtische Kindertageseinrichtungen, Familienzentren und Kindertagespflege der Stadt Alsdorf, die, wie Herzogenrath und Baesweiler, nach der Kinderfördersatzung der Städteregion zahlen. „Aber es geht auf jeden Fall mehr. Es ist eine gleichwertige Arbeit wie die in den Kindertagesstätten“, die auch entlohnt werden sollte. „Das muss sich aber wohl dahin entwickeln.“

Dazu gehöre es auch, den Beruf von Tagesmüttern und -vätern aufzuwerten. Mit regelmäßigen Fortbildungen, Schulungen, Informationsabenden. „Die Menschen haben eine solche Verantwortung für unsere Kinder, da sollte ihnen auch die entsprechende Wertschätzung entgegengebracht werden.“ Denn die Nachfrage, sagt Classen, ist „sehr hoch“. Monheim sei in Sachen Stundenlohn eine Vorzeigestadt, eine Kommune, die insgesamt mehr finanzielle Mittel zur Verfügung habe.

Von solchen Zahlen ist Würselen weit entfernt. Als Stärkungspaktkommune müssen freiwillige Leistungen, unter die auch die Bezahlung der Tagespflegepersonen fällt, möglichst gering gehalten werden. So hält sich Würselen nicht an die Satzung der Städteregion, sondern hat eine eigene Geldleistungstabelle erstellt.

Demnach liegt der Stundensatz für Tagespflegepersonen in der Düvelstadt zwischen 2,11 und 2,56 Euro pro betreutem Kind – würde man die 4,3-Wochenberechnung anwenden, wie Herzogenrath es für die Roda-Stadt verlangt, fiele der Satz entsprechend geringer aus. Hinzu kommen, wie in den anderen Kommunen auch, die Zahlungen von Versicherungs- und Alterssicherungsbeiträgen.

Zuzahlungen eingefordert

Dennoch: Ein sehr geringer Satz, dessen sei man sich bewusst, sagt Hans Brings vom städtischen Jugendamt. Die Tagespflegemütter und -väter würden darum, weil sie privatrechtlich tätig seien, teilweise von den Eltern eine Zuzahlung einfordern, um einen Stundensatz von circa fünf Euro zu erhalten. „Tagespflege und Kindertagesstätte ist teuer“, sagt Brings.

Die jährlichen Landeszuschüsse seien gering und meist schon nach kurzer Zeit ausgenutzt. Darum versucht die Stadt, den Tagespflegepersonen die Tätigkeit anderweitig zu versüßen: Die Kosten zur Qualifizierung zur Tagespflegemutter und -vater – ein 160-Stunden-Lehrgang – übernimmt die Stadt. „Das ist das einzige Sahnehäubchen, das wir da anbieten können“, sagt Brings.

Die Unterschiede zwischen Würselen und den drei anderen Nordkreiskommunen hängen auch mit der Stundenstaffelung zusammen. In der Städteregionssatzung gibt es sieben Stufen, im fünf-Stunden-Takt gestaffelt, in Würselen lediglich drei, hier jedoch zusätzlich unterschieden nach U3- und Ü3-Kindern.

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