„Kein Vergessen” von beliebten Familien

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Würselen. Die Erinnerung an die NS-Zeit in Würselen wach zu halten, besonders für die Heranwachsenden - das hat sich der Arbeitskreis „Kein Vergessen” zum Ziel gesetzt. Hierzu haben er die Informationsbroschüre „Würselen unterm Hakenkreuz” erarbeitet und den weiterführenden Schulen als Lehrmaterial zur Verfügung gestellt.

Außerdem wurden inzwischen durch den Arbeitskreis 28 Stolpersteine verlegt, gestaltet vom Kölner Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an die ihm bekannten Opfer des NS-Regimes aus Würselen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Für die Opfer des Unrechtsregimes, die vor der Verfolgung noch rechtzeitig ins Ausland fliehen konnten, gibt es bisher keine Erinnerungstafeln. Deshalb hat sich der Arbeitskreis entschlossen, für zwei der bekanntesten jüdischen Familien aus Würselen Bronzegedenkplatten vor ihrer letzten Wohnstätte in den Bürgersteig einzulassen.

Zum einen ist es die Familie Voss, die an der Kaiserstraße/Ecke Klosterstraße ein Süßwaren- und Tabakgeschäft betrieb. Dieses Geschäft hieß im Volksmund nur „d´r söße Eck”, ein Zeugnis für die Beliebtheit der Familie Voss in der Würselener Bevölkerung. Noch heute erinnern sich viele an Frau Voss, die ihnen als Kinder oft ein Bonbon zusätzlich zugesteckt hatte und deshalb natürlich bei ihnen sehr beliebt war.

Briefkontakt

Erich Voss hatte bei der SV Rhenania 05 Würselen jahrelang aktiv Handball gespielt und besaß dadurch einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. 1936 emigrierte er nach Rio de Janeiro und besuchte 1981 noch einmal seine Heimatstadt und seine damaligen Freunde. Die Familie Speckgens, der heute das Gebäude Kaiserstraße/Klosterstraße gehört, hatte bis vor kurzem noch Briefkontakt zu Erich Voss.

Genauso bekannt war in Würselen die Familie Rosenthal, die in der Kaiserstraße 73 eine Metzgerei betrieb und sehr viele Stammkunden hatte. Die Familie emigrierte 1938 nach Chile. Alle Flüchtlinge mussten alles zurücklassen, was ihnen lieb und teuer war: ihr Haus, ihr Hab und Gut, ihre Verwandten und ihre Freunde. Über die Familie Rosenthal gibt es vergleichsweise viele Informationen, weil die Tochter Sophie 1993 noch einmal ihre Heimatstadt Würselen besuchte.

Die 30x42 Zentimeter großen Bronzeplatten, die an die Familien erinnern sollen, werden am Donnerstag, 9. September, 17 Uhr, zunächst Ecke Klosterstraße und dann an der Kaiserstraße 73 verlegt. Sie kosten pro Stück 450 Euro und sollen durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert werden.
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