Nordkreis - Kein Bekenntnis zu Konfessionsschulen

Kein Bekenntnis zu Konfessionsschulen

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
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Bekenntnis zum Christentum auch in der Schule: Die rot-grüne NRW-Regierung hält das für einen Anachronismus. Foto: imago/epd

Nordkreis. Die Zeiten, zu denen morgens vor der ersten Unterrichtsstunde in den Grundschulen ein christliches Gebet gesprochen wurde, sind – jedenfalls in den meisten Einrichtungen – vorüber. Dennoch: Zumindest auf dem Papier gibt es sie noch, die Unterschiede zwischen sogenannten Bekenntnis- oder Konfessionsschulen und Gemeinschaftsgrundschulen.

Im Nordkreis sind es immerhin noch 9,5 Grundschulen (siehe Infobox), die ein „Katholisch“ vor dem Namen stehen haben, protestantische Bekenntnisschulen gibt es nicht.

Kirchliche Feste, verbindlicher katholischer Religionsunterricht für alle Schüler, egal welcher Konfession, und Schulmessen in den Gemeinde- oder Pfarrkirchen sind immerhin noch bezeichnend für christliche Grundschulen. Schöne christliche Bräuche werden gepflegt.

„Das ist nicht mehr zeitgemäß“, befinden nun die Grünen und die SPD im Düsseldorfer Landtag, die in der Existenz von Konfessionsschulen einen Anachronismus sehen und in „Zeiten der Toleranz und Integration Unterscheidung und Diskriminierung“ erkennen. Die rot-grüne Landesregierung hegt daher Gedankenspiele, die noch bestehenden Bekenntnisschulen zu Gemeinschaftsgrundschulen umzuwandeln.

„Das grundlegende Problem ist der demografische Wandel. Die Zahl der Grundschüler sinkt zwischen 2014 und 2015 um 2,1 Prozent. Dass in manchen Kommunen nur noch Bekenntnisschulen existieren, kann problematisch sein für Kinder, die nicht dem notwendigen Bekenntnis angehören. Sie sind dann häufig gezwungen, auf Schulen im Nachbarort auszuweichen“, sagt Eva-Maria Voigt-Küppers, SPD-Landtagsabgeordnete für den Nordkreis und Mitglied des NRW-Ausschusses für Schule und Weiterbildung (s. auch Nachgefragt). Dies sei besonders in ländlichen Gegenden problematisch.

Zumindest in den Nordkreiskommunen ist das wohl kaum der Fall, wie das Beispiel der Katholischen Grundschule Schulstraße in Würselen-Broichweiden zeigt, eine Schule in einem Stadtteil mit durchaus dörflichem Charakter, wie auch Leiterin Astrid Pagnia einräumt.

Die zweizügige Grundschule hat insgesamt etwa 210 Schüler, davon sind nur rund die Hälfte katholischen Glaubens. Zehn Prozent sind muslimischen, 15 Prozent protestantischen Bekenntnisses, 20 Prozent sind konfessionslos.

Dass in einer Bekenntnisschule lediglich die Hälfte aus Kindern der entsprechenden Konfession beschult werden, ist aber nicht ungewöhnlich: „Viele Grundschulen sind doch glücklich, wenn sie überhaupt die Klassenrichtzahl von 23 Schülern erreichen“, heißt es intern in den kommunalen Schulämtern. Und spätestens seit dem Jahr 2013, als Kirchen und Land sich auf eine Erleichterung des Zugangs zu Konfessionsschulen auch anders gläubiger Kinder geeinigt hätten, spiele das Bekenntnis eine untergeordnete Rolle.

Dass auch muslimische, evangelische oder gar konfessionslose Kinder am katholischen Unterricht teilnehmen müssen, sieht Astrid Pagnia als nicht problematisch an: „Wir wollen nicht missionieren. Aber die Vermittlung sozialer und christlicher Werte ist uns wichtig.“ Und: „Durch einen gemeinsamen Religionsunterricht bleiben die Kinder im Klassenverband zusammen.“ Ein katholisches Gebet vor dem Unterricht ist an der KGS Schulstraße auch nicht verpflichtend, hingegen werde „kindgerecht um Schutz gebeten“.

Die Teilnahme an den fünf großen Gottesdiensten – etwa zu den christlichen Hochfesten – im Jahr sind für die andersgläubigen Schüler nicht zwingend: „Aber alle Kinder nehmen freiwillig daran teil“, erklärt Astrid Pagnia. Die Ablehnung von Bekenntnisschulen von der Landesregierung wird vom Bistum Aachen natürlich kritisch zur Kenntnis genommen: „In einer differenzierten Bildungslandschaft sind Bekenntnisschulen ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil. Durch eine bewusst christliche Ausrichtung tragen sie in einer pluralen Gesellschaft dazu bei, das Christentum und die in diesem begründeten Werte als gestaltende Kraft lebendig zu halten und zu vermitteln“, heißt es auf Nachfrage in einer Stellungnahme des Bistums.

Das sieht auch Hendrik Schmitz so, CDU-Landtagsabgeordneter für den Nordkreis: „Ich kann in Bekenntnisschulen keine Diskriminierung erkennen. Vielmehr sind solche Grundschulen Aushängeschilder für eine wertegebundene Erziehung.“

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