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Keilsteine, Kalenderblätter, Kunststücke

Von: ehg
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Vielfalt: Dr. Frank Pohle (l.)
Vielfalt: Dr. Frank Pohle (l.), RWTH Aachen, sprach über Laurenz Mefferdatis „Leben und Werk”. Fotograf Vladimir Shvemmer (r.) hat Zeugnisse seines architektonischen Wirkens mit der Kamera in Szene gesetzt.

Würselen. Leben und Werk des 1677 geborenen und 1748 verstorbenen Barock-Baumeisters Laurenz Mefferdatis, der vor allem in Aachen und Umgebung Spuren hinterlassen hat, sind anlässlich des bundesweit begangenen Tages des offenen Denkmals in der Kirche St. Sebastian ins rechte Licht gerückt worden.

Das geschah nicht zuletzt durch eine von Bergrath & Siebert installierte Illumination des Kirchenraums, wobei der Fokus vor allem auf die von Mefferdatis stammenden Gewölbe gelenkt wurde. „Eine neue Sichtweise der Kirche”, wie der Initiator des Denkmaltag-Programms, Hubert Wickerath, bemerkte. Er freute sich nicht zuletzt über eine Reihe von auswärtigen Besuchern, die die vom Fotografen Vladimir Shvemmer gestaltete Mefferdatis-Ausstellung ebenfalls in Augenschein nahmen.

Vor einem Jahr hatte sich Shvemmer, der schon zweimal in Würselen ausstellte, auf Spurensuche gemacht. Dabei bannte er zum ersten Mal architektonische Kunstwerke auf die Platte. In Aachen waren es nicht zuletzt die Fassade der Theresienkirche an der Pontstraße sowie das Haus Eich und das Roskapellchen. Erst recht war die Spurensuche im nahen Eupen von Erfolg gekrönt, wo heute neben der Nikolaus-Kirche noch viele ansehnliche Bürgerhäuser Rechenschaft über das Wirken Mefferdatis ablegen. Zur Einstimmung auf die Denkmaltage hatten sie mehr als 40 interessierte Gemeindemitglieder mit Hubert Wickerath vor Ort in Augenschein genommen. Vor allem waren sie fasziniert von seiner Architektur, als sie einen Blick in das dortige Haus Rehrmann, heute Pater-Damian-Sekundarschule und Staatsarchiv, werfen durften.

Nur noch wenige Zeugnisse

In Wort und Bild ließ Dr. Frank Pohle, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen und Vorstandsmitglied des Geschichtsvereins für das Bistum Aachen, zur Eröffnung der Ausstellung „Leben und Werk des Aachener Barock-Baumeisters” - mit wissenschaftlichen Fußnoten - Revue passieren. Laurenz Mefferdatis wurde in eine Periode des Wiederaufbaus der 1656 durch einen Großbrand völlig zerstörten Stadt Aachen hinein geboren.

Er führte sowohl Arbeiten für den Rat der Stadt als auch für private Auftraggeber durch. Von 1710 bis 1744 war er als erster namentlich bekannter Stadtbaumeister in Aachen tätig. Schon in jungen Jahren wurde er mit komplexen Arbeiten, wie der Erneuerung des Gewölbes der Nikolauskirche und dem Aufmaß der Badehäuser am Büchel sowie dem Umbau der Badegewölbe des Krebsbades in Burtscheid betraut.

Charakteristisch für Mefferdatis Architektur ist der Keilstein im Sturz der Fenstergewände. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein Großteil der Bauwerke in Aachen, die Mefferdatis zugeschrieben werden, zerstört. Zu den größten Verlusten zählt das Kornelius- und Karlsbad, genannt Herrenbad an der Komphausbadstraße 64. Zu den Bauwerken, die den Krieg überlebten, zählte der im Stil der Barockgotik 1925 bis 1928 erbaute Teil der Würselen Pfarrkirche St. Sebastian.

Neuer Kalender für die Orgel

Vorgestellt wurde auch der von Hans Wittl zugunsten der neuen Orgel gestaltete Kalender „Rund um den Würselener Dom”. Zu Papier gebracht hat er die Würselener Pfarrkirchen. In Szene gesetzt hat er auch die Einweihung der neuen Orgel in St. Sebastian. Käuflich zu erwerben ist der Kalender in allen Pfarrämtern, in den an der Kaiserstraße ansässigen Buchhandlungen und bei den Mitgliedern des Förderkreises Orgelbau.

Mit ihrer Ausstellung „Umwidmung” gewährte die heimische Künstlerin Monika Bergrath, gelernte Goldschmiedin, nicht nur Einblicke in ihr neueres künstlerisches Schaffen, sondern lenkte auch den Blick auf das 100 Jahre alte heutige Haus der Pfarre. Monika Bergrath ist schon zum zweiten Mal für den Staatspreis NRW nominiert. Sie verleiht Alltagsmaterialien, nicht zuletzt Verpackungen, eine neue Wertigkeit.

Stola aus CD-Hüllen

Ein Beispiel ist eine Stola, gefertigt aus CD-Hüllen mit von Kindern gemalten Bildern, die einst Pfarrer Hans Rolf Krewinkel zu einem Festgottesdienst umlegte. Sie war schon in erzbischöflichen Museen in München und Limburg und im Textilmuseum in Krefeld ausgestellt. Ein Kragen aus stahlblauen Kugelschreibern versetzt den Betrachter genauso in Verzückung wie ein Blütenzauber aus ausgebrannten Teelichtern. Ein künstlerisches Meisterwerk ist zudem eine Stola aus Trinkhalmen. Ein besondere Faszination geht von Installationen aus Bonbon-Papier aus. Die Präzision der Goldschmiedin und mittlerweile weit über die Grenzen der Stadt etablierten Künstlerin spiegelt sich wider.

„Toys for Boys”

Ein farbiger Tupfer und besonderer Gag sind die „Toys for Boys”. An der Ravelsberger Straße 8 öffnete der Metallbildhauer und Goldschmied Albert Sous für ein paar Stunden seine private Schatzkammer. Die Besucher genossen die Faszination, die im Inneren der Weinflaschenkuppel, dem mittlerweile 35 Jahre alten „Tresor”, ausgeht. Von der „Antike bis zum Picasso” ließ Sous sie teilhaben an seinen Sammlerstücken, wozu auch ein Gemälde des heimischen Malers Marx zählte, auf dem der Ravelsberg vergangener Tage verewigt ist. Zu einem Rundgang zu den Ortskreuzen - von der Kaiserstraße/Bissener Straße über die Klosterstraße bis zum Ravelsberg - nahm Kurt Schneiders interessierte Bürger an die Hand.

Nicht nur bei der Ausstellungseröffnung brachte Kantorin Ulrike Botzet die Klangfülle der neuen Eule-Orgel, begleitet von Dirk Bayer auf der Querflöte, facettenreich zur Entfaltung. Erst recht beim Orgelkonzert zur erstmalig veranstalteten Nacht des offenen Denkmals, die ihren Ausklang mit Liedern und Texten aus Taizé fand. Zwischendurch setzte sich das Gospel- und A-cappella-Ensemble „einKlang” chorisch prächtig in Szene, wobei auch sein Auftritt größere Resonanz verdient gehabt hätte. Dagegen hatte Rolf Rüland bei seinen Kirchenführungen nicht zu klagen. Rundum war das Programm eine großartige Gemeinschaftsproduktion von Förderkreis Orgelbau, Geschichtskreis und Lust auf Kunst mit Hubert Wickerath an der Spitze.

Mehr zufällig - sie hatten den Termin vorab „gebucht” - brachten sich das Bundestambourkorps „Alte Kameraden” und die Exprinzen mit ihrem musikalischen Frühschoppen ein. Der Erlös war ebenfalls für die neue Orgel bestimmt. Bürgermeister Arno Nelles lobte das große Engagement aller. Erfreulich, dass es ordentlich in der Spendenkasse klingelte. Zahlreiche Besucher trotzten unter Zeltdächern den Unbilden der Witterung.
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