Kaum Schulschwänzer in Herzogenrath

Von: Katrin Fuhrmann
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Selten bleiben Stühle leer: Unentschuldigte Fehlstunden und Schulschwänzer sind an Herzogenrather Schulen laut eigenen Angaben kein großes Problem. Foto: dpa

Herzogenrath. Schulschwänzen ist in Herzogenrath offenbar kaum ein Problem. Auf Antrag der Fraktion Bündnis90/Die Grünen, Piratenfratkion und Unabhängige Bürgerliste hat die Verwaltung die Schulen aufgefordert, sich zum Thema Schulschwänzer zu äußern. Am Mittwochabend wird das Thema im Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur diskutiert.

Die Grundschulen Klinkheide, Kohlscheid-Mitte, Alt-Merkstein und Kämpchen haben nach eigenen Angaben kein Problem mit Schulschwänzern. Die Eltern seien verpflichtet, ihr Kind bis acht Uhr morgens bei Krankheit oder anderen Anlässen telefonisch im Sekretariat zu entschuldigen, heißt es von Seiten der Grundschule Kämpchen. Fehle ein Kind unentschuldigt in der Klasse, werden die Eltern sofort angerufen, um sicher zu stellen, dass auf dem Schulweg nichts passiert ist.

Gute Zusammenarbeit

An der Regenbogenschule, Standort Mitte und Bierstraß, sieht die Situation etwas anders aus. Aktuell könnten drei Familien nicht für den geregelten Schulbesuch Sorge tragen. Laut Schulleiter René Heeg klappt die Zusammenarbeit mit allen Mitwirkenden allerdings sehr gut, auch wenn die Formalien, die ein solches Verfahren begleiten, sehr aufwendig, zeitraubend und nicht immer zielführend sind. Denn Ziel sei es schließlich, den Kindern eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen und nicht Eltern zu bestrafen oder Sanktionen zu erheben.

Eine große Schwierigkeit im formalen Ablauf sieht Heeg in der Möglichkeit für Eltern, sich aus der Verantwortung zu winden und vor allem auch in der Dauer der Verfahren, denn bevor Konsequenzen erfolgen könnten, müssten von Seiten der Schulen viele Vorgaben erfüllt werden, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Das sei Zeit, die den Kindern mit jedem Fehltag verloren geht. „Fehlzeiten über mehrere Wochen sind aus unserer Sicht dabei leichter zu verfolgen, als das regelmäßige Fehlen an einzelnen Tagen in der Woche“, sagt Heeg.

Ein Problem, das auch die Käthe-Kollwitz-Schule benennt. Zwar habe sie keine ständigen Schulschwänzer, aber wenn, dann wäre das Gesetz eher eine Hürde, als eine Hilfe. Das Schulamt fordere eine lückenlose Dokumentation von Maßnahmen. Diese Probleme kann die Verwaltung bestätigen. Laut Gesetz kann den Eltern für unentschuldigte Fehlstunden rückwirkend für drei Wochen, ein Bußgeld auferlegt werden bis hin zu einer zwangsweisen Zuführung zum Unterricht durch das Ordnungsamt bei anhaltenden Fehlzeiten von mehr als drei Tagen.

An der Dietrich-Bonhoeffer-Schule kommen Schulschwänzen und unentschuldigte Fehlstunden in Einzelfällen vor. Häufig habe letzteres vor allem mit häuslicher Überlastung oder auch mangelnder Fürsorge zu tun, teilt Rektorin Astrid Lorenz mit. Bei auffallendem Fehlverhalten und Verdacht auf Schwänzen erfolge seitens der Schule eine telefonische Kontaktaufnahme mit den Erziehungsberechtigten.

Generell werde ein ärztliches Attest verlangt. Zudem suchen die Schulsozialarbeiter bei wiederholtem Fehlen die Familie zu Hause auf. Bei Fortführung des Fehlverhaltens bittet die Schule das Ordnungsamt, das Kind zu Hause abzuholen und zur Schule zu bringen. Spätestens das führe zur Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt. Das sei bisher erst einmal vorgekommen.

Strenge Überprüfung

An der Städtischen Gesamtschule Kohlscheid gibt es in den höheren Jahrgängen steigende Absenz-Zeiten von Schülern, teilt Schulleiterin Barbara Onkels gegenüber der Verwaltung mit.

Die Anzahl der Schwänzer steigt gleichermaßen wie die Anzahl der geschwänzten Stunde. Die Ursachen sind laut Schulleitung vielfältig. Vergessene Entschuldigungsschreiben durch unzuverlässige Eltern sind ebenso zu nennen wie tatsächliches Schwänzen ohne Wissen der Eltern. Psychische Probleme und Schulangst führten außerdem zum Fernbleiben.

Von Seiten der Europaschule Herzogenrath heißt es, dass Schulabsentismus im Promillebereich stattfindet. Ein regelmäßiger Schulbesuch werde engmaschig überprüft. Erziehungsberechtigte, deren Kind länger als fünf Tage unentschuldigt vom Unterricht fernbleibt, werde in Folge dreifach schriftlich aufgefordert, der Schulpflicht ihres Kindes nachzukommen.

In diesen Schreiben werde bereits darauf verwiesen, dass im Falle der Nichteinhaltung das Ordnungsamt mit der Zwangsführung und mit entsprechenden Bußgeldbescheiden eingeschaltet wird. Schüler, die immer wieder den Unterricht versäumen, werden per Konferenzbeschluss mit einer Attestpflicht belegt.

Am Städtischen Gymnasium Herzogenrath kommt es nur in seltenen Fällen vor, dass Schüler über einen längeren Zeitraum oder wiederholt unentschuldigt fehlen. Allerdings, so heißt es von Seiten der Schule, habe die Anzahl der psychischen Störungen und auch die Anzahl der Schüler, die wegen unklarer Beschwerden (zum Beispiel Kopfschmerzen) fehlen, zugenommen.

In drei Fällen habe man Schüler zum Gesundheitsamt geschickt, das wiederum feststellte, dass keine besondere gesundheitliche Beeinträchtigung vorliegt, und der Schüler daher am Unterricht teilnehmen kann.

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