Katholische Pfarrgemeinden: Fusion soll den Abwärtstrend stoppen

Von: Robert Flader
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Baesweiler. Nein, die Visitation sei kein Kontrollrundgang durch die Gemeinden, versichert Weihbischof Karl Borsch. Mit der lediglich als Scherz gemeinten Aussage sorgte der 50-Jährige bei Baesweiler Politikern und Verwaltung noch für einiges Gelächter. Das wars dann aber auch schon mit der guten Laune im Rathaus.

Denn Borsch hatte bei seiner Reise durch die Baesweiler Gemeinden noch eine ganz andere Botschaft im Gepäck: Die sechs katholischen Pfarreien St. Andreas (Setterich), St. Laurentius (Puffendorf), St. Martinus (Oidtweiler), St. Pankratius (Beggendorf), St. Petrus (Baesweiler) und St. Willibrord (Loverich) werden in absehbarer Zeit zu einer Großpfarrei zusammengelegt.

„Seien wir ganz ehrlich”, sagte der Weihbischof am Mittwoch im Baesweiler Rathaus mit betretener Miene. „Auch wenn es schmerzt, aber wir müssen einfach der aktuellen Entwicklung Rechnung tragen.”

Immer mehr Kirchenaustritte

Eine Entwicklung, die wie folgt aussieht: Immer mehr Kirchenaustritte, „auch leider in Baesweiler”, wie Borsch, der vor rund 20 Jahren selbst in Baesweiler lebte und das Gemeindeleben kennenlernte, anmerkt.

„Vor 30 Jahren sind noch regelmäßig über 35 Prozent aller Katholiken in die Kirche gegangen. Heute sind es weniger als zehn Prozent. Fehlendes Personal und horrende Kosten sind weitere Gründe, in Zukunft aus sechs eine zu machen.

Die Zusammenlegung soll den Abwärstrend der ohnehin in Negativschlagzeilen geratenen Katholischen Kirche auch auf lokaler Ebene stoppen. „Wir müssen uns dem strukturellen Gerüst anpassen und darauf reagieren, dass sich immer weniger Menschen aktiv am Gemeindeleben teilnehmen.”

Die Blicke von Baesweilers Bürgermeister Willi Linkens sprachen jedoch Bände, hatte er noch darauf gehofft, dass die sechs Gemeinden ihre Eigenständigkeit würden bewahren können. „Das wäre wirklich wünschenswert. Vor allem im Hinblick auf das dörfliche Leben.”

Doch diesem Wunsch erteilte der Weihbischof nun eine klare Absage. Nachdem auch in den umliegenden Gemeinden und in der Stadt Aachen bereits Anfang des Jahres zahlreiche Gemeinden zu Großpfarreien zusammengelegt wurden, wird als nächstes auch Baesweiler am Zug sein. Wann? „Die Fusion wird aktuell bereits vorbereitet”, erklärt der Weihbischof, dass mit einem konkreten Zeitrahmen noch in diesem Jahr zu rechnen sei.

Doch soll durch die kommende Zusammenlegung „nicht alles negativ geredet werden”, hofft Borsch darauf, dass die Gemeindemitglieder die interpastorale Zusammenarbeit genauso unterstützen werden wie in der Vergangenheit ihre eigenen Pfarreien. „Früher war die Gemeinde nur der Pfarrer”, blickt Borsch ein paar Jahrzehnte zurück. „Heute müssen wir unzähligen Ehrenämtlern dafür danken, dass die Gemeinden überhaupt so lange selbstständig bleiben konnten.”

Doch durch schwindende Mitgliederzahlen und rückläufige Kirchenbesuche sei es an der Zeit, auch infrastrukturell neue Wege zu gehen. „Ansonsten geht die Identität mit der Kirche auf Dauer vollständig verloren”, sagt der Weihbischof.

Der Zusammenschluss, nach dem ersten Schreck als dauerhafte Chance zur Konsolidierung? „Es ist mehr als das”, sagt Karl Borsch. „Wir Deutschen sind in der Außendarstellung manchmal richtige Jammerlappen”, ergänzt er. „Doch beim Blick aufs Ganze ist diese Entscheidung absolut richtig und für die momentane Situation der Kirche absolut alternativlos.”

Das, was die neue Gemeinde definitiv nicht werden soll, „ist eine anonyme Großgemeinde”, fordert der Weihbischof. „Einen anderen Weg, um aus der aktuellen Situation rauszukommen, gibt es einfach nicht.”
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