Karnevalisten blicken seit 85 Jahren nach vorn

Von: ehg
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Stolze Jubilare beim 1. Würselener Karnevalsverein: Ehrenkommandant Hans Bücken, Präsident Gerhard Römer, Vorsitzender Rudi Mainz und Ehrenmitglied Franz Amberg (v.l.). Foto: Roß

Würselen. Der 1928 im Restaurant „Zur Krone“ gegründete 1. Würselener Karnevalsverein feiert am Samstag, 13. April, sein 85-jähriges Bestehen. Nicht nur deshalb wird ab 20 Uhr in der Aula an der Klosterstraße angestoßen. Schließlich vollendet Präsident Gerhard Römer obendrein sein fünftes Lebensjahrzehnt.

Grün und Gelb wählten die Gründer als Vereinsfarben. Die 1. Würselener Karnevalszeitung brachte der Verein nur ein Jahr nach seiner Gründung heraus. Unter großer Anteilnahme der Würselener Bevölkerung konnte 1939 das 11-jährige Bestehen gefeiert werden – doch nur kurze Zeit später wurde der Verein aufgrund angeblicher regimekritischer Witze von der NSDAP mit einem Veranstaltungsverbot belegt. Gleichzeitig erhielt Präsident Pitt Kogel Redeverbot. Erst 1948 gelang es dem WKV, erneut eine Karnevalsveranstaltung zu organisieren. Trotz einfacher Dekoration und viel Improvisation war sie ein voller Erfolg. Seinerzeit musste bei der Stadt noch ein so genannter „Lustbarkeitsschein“ beantragt werden.

Bgeleiter der Herrscher

Im Verein wurde schon damals zukunftsorientiert gedacht. Vor allem die Jugend sollte für das düvelstädtische Brauchtum begeistert werden. „Geboren“ wurde 1951 die Prinzengarde, die fortan alljährlich den Karnevalsprinzen – ob solo oder mit Prinzessin beziehungsweise im Dreigestirn – begleitete. In der Session 1952/53 gratulierten zahlreiche Vereine dem WKV zu seinem silbernen Jubiläum. Eingeweiht wurde damals die neue Vereinsfahne, deren Patenschaft die „Brander Stiere“ übernommen hatten, auch die erste Herrensitzung ging zu dieser Zeit über die Bühne.

Närrische Ausflüge ins benachbarte Limburg und nach Belgien waren damals Genehmigungen und strengen Kontrollen unterworfen. Weil er seinen Ausweis vergessen hatte, wurde ein Prinzengardist sogar vorübergehend festgenommen!

Mit Riesenerfolg mischte der WKV 1954 und 1955 in der Stadthalle Recklinghausen im jecken Treiben mit und startete für damalige Verhältnisse weite Ausfahrten zu den „Wenkbülle“ in Mönchengladbach und zur KG „Große Kurfürsten“ in Bonn. Im neuen Ornat trat die Prinzengarde 1956/57 an die Öffentlichkeit. Zum Ehrenkommandanten wurde der Vorkriegsprinz und gewichtige Vereinswirt Friedrich Cornely alias „Der Kanke Fritz“ ernannt. Es stieg die ersten Garde-Sitzung und der Elferrat bestand ausschließlich aus Prinzen der Düvelstadt. Beim Rosenmontagsball wurden im „Kank“ bis zu 1500 Besucher gezählt.

Ein Karneval für Kinder und mit Kindern wurde 1960 mit einem Kostümfest im „Kank“ wieder aktiviert. 1961/62 wurde die Kindergarde aus der Taufe gehoben und der erste Kinderprinz proklamiert. Ein Jugendfanfarenkorps wurde 1964 auf die Beine gestellt. Ein Freundeskreis mit eigener Vereinsstruktur wurde anlässlich des „40-Jährigen“ aus der Taufe gehoben.

Schickes Chassis

Im April 1983 wurde das Chassis des künftigen Gesellschaftswagens bei der Aseag abholt. Nach umfangreichen Um- und Aufbauarbeiten war dieser Wagen ab seiner Jungfernfahrt 1984 alljährlich ein Glanzpunkt im Tulpensonntagszug. Auch das erlebte der 1. Würselener Karnevalsverein in jener Zeit: Weil die Kindergarde wegen einer Programmverschiebung erst nach 20 Uhr auftrat, verdonnerte das Gewerbeaufsichtsamt den Verein wegen „Missachtung der bestehenden Gesetze im Jugendschutz“ zu einem Bußgeld von 100 DM!

Die erste Auflage erlebte damals das Ordensfest beim WKV. Auch wurde der erste historische Orden aufgelegt, dem noch eine stattliche Anzahl folgte. Für die Fortsetzung der Ordensreihe konnte der Heimathistoriker Josef Amberg gewonnen werden. Ein neues Vereinslied wurde vorgestellt, dessen Text und Musik aus der Feder von Theo Kogel stammen.

1987 fand der erste gemeinsame Karnevalszug mit den Karnevalisten aus dem Bardenberg statt. Auf 50 Jahre im Dienste des Stadtprinzen durfte die Prinzengarde 2001 zurückblicken. Gegen Ende der Session 2002/2003 gab es einen Wermutstropfen: Der in die Jahre gekommene Gesellschaftswagen fuhr zum letzten Male im Karnevalszug mit. Im August 2005 wurden auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Hans Bücken die ersten Schritte zur Gründung eines Senats unternommen. Die ersten Senatsorden wurden daraufhin beim Ordensfest am 4. November 2006 verliehen.

Die Prinzengarde konnte sich durch etliche Zugänge verstärken und präsentierte jüngst bei einem karnevalistischen Frühschoppen ihren neuen Gardetanz zum ersten Male. Beim 85-jährigen Geburtstagskind hat die Zukunft also schon begonnen.

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