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Kahlschlag: Städteübergreifendes Gutachten angestrebt

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Baumstümpfe beherrschen das Bild im Further und Pleyer Wald. Foto: imago

Herzogenrath/Würselen. Nach wie vor nicht überzeugt, dass der Kahlschlag im Further-/Pleyer Wald rechtens war, sind die Politiker. Die „halbgare Stellungnahme der Städteregion“ wolle er so nicht akzeptieren, sagte Dr. Manfred Fleckenstein (SPD) im Stadtrat am Dienstag. Schließlich gebe es auch die Maßgabe, dass nach Forstarbeiten ein Wald nicht in einem schlechteren Zustand sein dürfe als vorher ...

Zudem seien die Waldwege mit schwerem Gerät teils zerstört worden, gab der Vize-Bürgermeister zu bedenken, dass eine Wiederherstellung durch den Verursacher, eine Eifeler Holzfirma, aufgrund des besonderen Aufbaus der Wege (Fließunterlage) nicht durch einfaches Abziehen erfolgen könne. Wie berichtet, war nach der Stellungnahme der Städteregion auch ein von der rot-grün-roten Gestaltungsmehrheit vorgelegter Fragenkatalog seitens der Verwaltung beantwortet worden. Der Tenor nach nochmaliger Klärung der Rechtslage: Die radikale Abholzaktion sei eine formal zulässige „Holzernte“.

Alles zu tun, damit sich solch ein Fall nicht wiederholt, ist das allgemeine Anliegen. Einstimmig verabschiedete der Stadtrat einen Beschlussvorschlag, der aus einem rot-grün-roten Antrag auf eine Konzeption zur künftigen Entwicklung der gerodeten Waldflächen resultiert. Eine solche Konzeption könne nur fiktiv erfolgen, hatte die Verwaltung dargelegt, da der betreffende Wald in Privatbesitz sei: „Primär verfolgt der derzeitige Eigentümer eine weitere Verwertungsstrategie, die minimal die weitere Veräußerung zur Folge hat“, wodurch er eine „erneute unmittelbare Wertschöpfung“ erwarte. Nachdem sich CDU-Fraktionschef Reimund Billmann versichert hatte, dass die angesprochenen Wege tatsächlich öffentlich und damit in städtischer Regie sind, erfolgte der einmütige Beschluss, im Zuge eines mit den Umweltschutzverbänden vereinbarten Runden Tisches ein Konzept zur ökologischen Verbesserung der betroffenen Waldstruktur zu erarbeiten und dem Eigentümer vorzuschlagen. Überdies wird die Verwaltung beauftragt, den Eigentümer aufzufordern, die zerstörten Waldwege wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen – und dies zu überprüfen. Zudem stellt der Stadtrat fest, dass die bisherige Prüfung zur Rechtmäßigkeit der radikalen Rodungsmaßnahmen im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Fragen offenlasse. Daher soll nun eine gutachterliche Bewertung erfolgen.

Im offenen SPD-Arbeitskreis Umwelt, an dem auch Bürger und Politiker aus der Stadt Würselen teilnahmen, ist vorbesprochen, dass dieser Beschlussvorschlag auch den politischen Gremien in Würselen unterbreitet wird. Für den zuständigen Beigeordneten Till von Hoegen war dies auf Anfrage noch neu, aber durchaus in seinem Sinne. Eine Resolution hat der Würselener Rat bekanntlich schon abgeschickt, unter anderem mit der Aufforderung ans Land, das Landesforstgesetz in Bezug auf Privatwaldbesitzer zu verschärfen. „Wir müssen andere Ebenen bemühen“, unterstreicht von Hoegen. Der Kahlschlag sei zwar „moralisch unhaltbar, rechtlich aber auf sicherem Boden“. Die Politik solle sich an die Landtagsabgeordneten wenden mit der Bitte, das Landesforstgesetz zu modifizieren. Was die Beteiligung an einem Gutachten angehe, sieht er trotz Stärkungspakt-Auflagen wenig Probleme: „Gutachterliche Kosten müssten noch drin sein.“

Die Merksteiner Naturfreunde haben einen Antrag an Landes-Umweltminister Remmel gestellt: auf Anwendung der Richtlinien für Naturwaldzellen auch im FFH-Gebiet.

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