Kästners literarisches Kleinod wird musikalisch vergoldet

Von: ehg
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Bescherten dem Publikum in Würselen ein ungewöhnliches Kulturerlebnis: Bariton Ulrich Schütte und Pianist Ulrich Raue (vorn) präsentierten den Zyklus „Die 13 Monate” von Erich Kästner in der von Edmund Nick vertonten Fassung. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Zu einem außergewöhnlichen Chanson-Abend lud die Deutsch-Französische Gesellschaft (DFG) anlässlich des Jahrestages der Elysée-Verträge am 22. Januar 1963 durch Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle ins Alte Rathaus ein.

„Sie schufen durch die Verträge die Basis für die künftige deutsch-französische Kooperation, aber auch für die Entstehung vieler Partnerschaften zwischen deutschen und französischen Städten”, schrieb die DFG-Vorsitzende Ellen Thielen-Vafaie in ihrem Vorwort zu dieser Veranstaltung.

So besteht die Partnerschaft mit der bretonischen Partnerstadt Morlaix schon seit 33 Jahren. Um ihr einen neuen Schub zu geben, wurde auf Beschluss des Rates der Stadt im November 1989 die Deutsch-Französische Gesellschaft ins Leben gerufen. Thielen resümierte: „Schulen und Vereine tauschen sich aus, Chöre treffen sich, Künstler stellen aus, Menschen begegnen sich, lernen sich kennen und verstehen.”

Wie die beiden Erzfeinde Deutschland und Frankreich nach zwei verheerenden Weltkriegen vor nunmehr 46 Jahren den Grundstein für die Europäische Gemeinschaft von heute legten, das skizzierte die 17-jährige Julia Plum vom Städtischen Gymnasium in einer kurzen, aber inhaltsreichen Power-Point-Präsentation.

Ellen Thielen-Vafaie freute sich, zu diesem Abend der Partnerschaft, der sich einer ansprechenden Resonanz erfreute, zwei renommierte Künstler, den Bass-Bariton Ulrich Schütte und den Pianisten Ulrich Raue, begrüßen zu können. Sie betrachtete es als eine Auszeichnung, dass Ulrich Schütte den Erich-Kästner-Zyklus „Die 13 Monate” in Würselen aufführte.

Auf der Suche nach Neuem hatte Schütte, der seit 1995 Gesang an der Musikhochschule Köln lehrt, 2007 das von dem Komponisten Edmund Nick vertonte literarische Kleinod wieder entdeckt. Wie er in diesen Kompositionen zu einer ganz eigenen Tonsprache fand, das veranschaulichte Schütte vorab an Beispielen, dafür legte er aber auch durch seine gesamte Wiedergabe ein eindrucksvolles Zeugnis ab.

Schütte darf für sich in Anspruch nehmen, gemeinsam mit dem als Arrangeur und Komponist tätigen, in Bergisch-Gladbach lebenden Pianisten Ulrich Raue den von Nick vertonten Gedichtzyklus zu neuem Leben erweckt zu haben.

Mal heiter-besinnlich, mal dynamisch-dramatisch zeichnet er die Stimmungen und tiefgründigen Gedanken über Werden und Vergehen in der Natur nach. Durch seine subtile gesangliche Interpretation verleiht er den Naturgedichten über das gesprochene Wort hinaus musikalisch Farbe und Tiefgang.

An der einen oder anderen Stelle durfte auch geschmunzelt werden, wenn Erich Kästner in seinen Reimen verschiedenster Formen seiner satirischen Ader freien Lauf lässt.

Im Verlaufe eines Jahres hatte Kästner die gesammelten Gedichte für Großstädter geschrieben. Da eine Zeitschrift die Gedichte bestellt hatte, musste er dem Kalender vorgreifen. Den Januar musste er schon im November besingen, und den Mai im März, wie Kästner in seinem Vorwort erläutert. In seinen Gedichten gibt er dem Zuhörer mit auf den Weg: „Die Zeit vergeht, und sie dauert, und beides geschieht im gleichen Atemzug. Der Flieder verwelkt, um zu blühen. Und er blüht, weil er welken wird. Der Sinn der Jahreszeiten übertrifft den Sinn der Jahrhunderte.”

Schütte und Raue umrahmten Kästners Zyklus mit französischen und deutschen Chansons. Unter anderem mit dem Ohrwurm „La mer” und dem Charles-Aznavour-Hit „Du lässt Dich geh´n”.

Der 13. Monat, der Wunschmonat

Der Satiriker Kästner wäre er nicht er selbst, wenn er nicht dem zwölften einen 13. Monat angehängt hätte. Als Utopie erfand er zum normalen Jahreszyklus noch einen Wunschmonat. Wie er bei ihm aussieht, das vermittelte Ulrich Schütte gesanglich in schillernden Farben dem Würselener Publikum.

Kästners Fazit: „Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise. Und werden kann nur, was schon immer war. Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise. Und dem Dezember folgt der Januar.”
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