Kabarettist Johann König setzt Schlusspunkt auf Burg Wilhelmstein

Von: Conny Stenzel-Zenner
Letzte Aktualisierung:
8499510.jpg
Hat auch politisch Korrekte im Visier: Johann König erntete frenetischen Applaus auf der Bardenberger Freilichtbühne. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. Er brannte am Ende ein Feuerwerk ab. Alle die Lunten, die er während zweieinhalb Stunden gelegt hatte, zündete er. Als Meister der Rhetorik hatte er das Publikum von einem Thema zum nächsten geführt, um immer wieder an jedes Thema zu erinnern.

Johann König war mit dem Programm „Feuer im Haus ist teuer, geh‘ raus!“ in die Burg Wilhelmstein gekommen und beendete das diesjährige Außenprogramm in Bardenberg. Das tat er gekonnt, ließ das Publikum bei lauen Temperaturen immer mehr lachen und bewies, dass er ein gekonnter Abendunterhalter ist.

Krasse Reime aus dem Flammenwerfer, coole Comedy aus dem Bunsenbrenner, granatenmäßige Knalle aus der Gag-Kanone: Das alles ist nicht seine Welt. Der extrovertierte Kölner kam als poetischer Pyromane, der Buchstaben und Worte und Gedanken so lange aneinander rieb, bis sie Funken schlugen wie ganz viele Wunderkerzen.

Seine Geschichten sind Themen, die das Publikum kennt: Gemüse aus der Region im Bio-Supermarkt – dass da auch Bananen liegen, verwundert, „weil die doch wirklich nicht in unserer Region wachsen“. Hingefahren war er zum Bio-Supermarkt mit dem Auto, PS-Schleuder, obwohl der Weg nur 100 Meter weit war. Warum? „Ich wollte einfach nicht zu Fuß gehen.“ Also parkte er genau vor dem Geschäft zwischen dem Behinderten- und dem Frauenparkplatz. „Ich habe noch nie verstanden, welcher Unterschied das ist“, weshalb der Familienvater, der später im Programm auch von seinen beiden Kindern erzählt, erst einmal Buhrufe und Pfiffe erntete. Aber sein Augenverdrehen, sein Grinsen, seine Entschuldigungen und seine Erklärungen waren ebenso kurzweilig, wie der Rest des Programms. Da spielte Johann König Stücke aus TKKG-Folgen vor („Die TKKG, das waren in den 80er Jahren vier Jugendliche, die kriminelle Obdachlose verdreschen wollten“) und zog kühn sein persönliches Fazit: „Gewaltbereite, heroinsüchtige und rassistische Jugendliche, das waren die TKKG.“

Schokoschaumwaffelhappen

Nur nebenbei erzählte König, dass es nicht mehr Mohrenkopf oder Negerkuss heiße, sondern Schokoschaumwaffelhappen. Und dass nun auch niemand mehr, der politisch korrekt sein wolle, „Mohrrüben“ sagen dürfe. „Denn die heißen jetzt Gurken.“

Mit totaler Körperbeherrschung tanzte König auf der Bühne, sang, kämpfte mit einem Sitzsack und hatte auch Zeit für einen Notfall-Witz: „Wie heißt der älteste Taxifahrer der Welt? – Schlimmes, denn das steht schon in der Bibel: Schlimmes wird uns widerfahren.“

Wie waren die zweieinhalb Stunden in der Burg? Kurzweilig. Lustig. Witzig. Als würde ein Glühwürmchen eine Sternschnuppe beobachten. Und immer, wenn eine Schnuppe den Boden berührt, will das Glühwürmchen noch eine sehen. Und noch eine. So war dieser Abend. Kein Wunder, dass der Applaus am Ende frenetisch war. Ein würdiger Applaus für den Abschluss eines Sommerprogramms, das von einem Highlight zum nächsten getragen wurde.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert