Jungenspiele: Plätze in der ersten Reihe sind Mangelware

Von: ehg
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Tradition in der Stadt der Jug
Tradition in der Stadt der Jugendspiele: Auch die Spielspitze Scherberg genießt den Beifall der Schaulustigen. Rund 2000 Teilnehmer zählte der große Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Naja, wer sagts denn! Rechtzeitig zum großen Festzug aller elf in der Stadt beheimateten Jungenspiele riss der Himmel auf. Strahlender Sonnenschein verlieh dem fast einstündigem Defilee zusätzlichen Glanz und eine außergewöhnliche Pracht.

Tausende Schaulustige - Plätze in der ersten Reihe waren Mangelware - säumten am Sonntagnachmittag die Kaiserstraße und ließen sich mitreißen von einem farbenprächtigen Schauspiel. Es zeigte sich wieder einmal mehr: Würselen trägt zu Recht den Beinamen Stadt der Jungenspiele. Und „wuer nett mie so schönn, wenn et Spell ens net mie jöng”, wie es Heimatsänger Friedel Schwartz vor Jahren schon empfand.

Schon früh am Nachmittag hallten in den Quartieren Flöten, Tambouren, Trompeten, Saxophonen und Posaunen wider, als sich die Spiele auf den Weg in die City machten. Ein erstes Defilee machte Appetit auf mehr. Doch noch mussten sich die Schaulustigen in Geduld üben, bis sich der große Festzug recht pünktlich in Bewegung setzte. Ein Kompliment den Organisatoren: Als er einmal lief, lief der ohne Unterbrechungen durch, eine logistische Meisterleistung!

Mit dem „Tiroler Jägermarsch” kündigte sich das Morsbacher-Siedler-Königsspiel an. Das Trommler- und Pfeiferkorps Waldenrath und die Blaskapelle Rich-terich, die mittlerweile in Morsbach zum Inventar gehören, sangen und spielten, eine gelungen musikalische Einheit. Eine junge Garde an Fahnenschwenkern wurde aufgeboten und dazu noch über 20 Pärchen. Bei allen Spielen grüßten die Maijungen mit ihren Strohhüten, während die Bräute in ihren schicken langen Kleidern - mit und ohne Reifrock - mit ihren Blumensträußchen winkten.

Der Funke sprang schnell von ihnen zu den Schaulustigen über, die mit Szenenapplaus nicht geizten. Traditionell im Schlepptau befand sich das Bardenberger Jungenspiel, verstärkt durch die St.-Sebastianus-Schützen aus dem „Dörflein”. An die 30 Pritschenmädchen und nur zwei -jungen! Das hatte es so noch nicht in einem Spiel gegeben. Die bunten Tücher der Fahnenschwenker wanderten synchron vor- und rückwärts. Mit von der Partie war ein Altspiel mit 13 Pärchen, fünf in die Jahre gekommene Maijungen mit zwei Maibräuten im Arm. Auch bei ihm war das weibliche Geschlecht deutlich in der Überzahl.

Das Königsspiel Schweilbach-Teut machte nicht nur durch seine Maipaare Staat, auch durch seine Bogenschützen. Lebensfreude pur war Trumpf. Dazu trugen auch - wie seit Jahren schon - die Trommelaere va Heerle unverwechselbar ihren Teil bei. Überaus stattlich fiel die Zahl der Pärchen beim Jungenspiel Bissen aus. Ein Hingucker bei ihm waren die Maibräute in spe in ihren reizenden Kleidchen.

Das Markenzeichen des Euchener Spiels waren wieder einmal dessen Fahnenschwenker, die ihre rot-weißen Tücher über die Straßenbeleuchtung hinweg in den blau-weißen Himmel katapultierten. Keine Sorge: Sie richteten keine Schäden an. Vielmehr heimsten sie Sonderapplaus ein. Alle Achtung, dass die Euchener noch 18 Pärchen aufzubieten hatten, wo ihre Kirmes doch schon zwei Wochen her ist.

Der stadtbekannte Ordnungshüter Willi Nobis machte dieses Mal alleine den Weg frei für das Scherberger Königsspiel. Vermisst wurde die traditionelle Reiterstaffel. „Das ist genau die Oma”, nahmen die Schaulustigen die Spells-leute, auch was verwandtschaftliche Beziehungen anbetrifft, haarscharf unter die Lupe. Die Blaskapelle Eicherscheid und das Trommler- und Pfeiferkorps der Feuerwehr Stolberg harmonierten prächtig. Überhaupt: Der Festzug war bestens mit guten Musikkapellen und Korps ausgestattet!

Mit bunt geschmückten Fahrrädern und der Laola-Welle der Pritschenkinder zog das Oppen-Haaler Jungenspiel die Blicke der Schaulustigen auf sich. Mit seinen 33 Pärchen schoss es in dieser Kategorie auch in diesem Jahr wieder den Vogel ab. Ein Hauch Brasil wehte durch die Lüfte, als die Prinzengarde Alsdorf mit Samba-Rhythmen die sowieso schon große Begeisterung noch musikalisch aufheizte.

Die über 20 Fahnenschwenker von Grün-Weiß Weiden hatten ob solcher Klänge kein leichtes Spiel. Aber meisterten diese Herausforderung mit Bravour. Neben dem Weidener Jungenspiel, das fleißig die Werbetrommel für ihre Kirmes vom 15. bis 18. Juli rührte, machte auch Linden-Neusen eine respektable Aufwartung, in freundschaftlicher Verbundenheit.

Bad in der Menge genossen

Schließlich das Königsspiel Markt-Preck, mit den Salmanus-Schützen-Bogenschützen voran. Seit Jahren pflegen die Spellsleute mit ihnen freundschaftliche Kontakte. Musikalisch blendend aufgelegt waren das Bundestambourkorps „Alte Kameraden” und die Blaskapelle Straß, seit nunmehr 20 Jahren dort mit von der Partie. Mit seinen 27 Pärchen konnte sich Markt-Preck mehr als sehen lassen.

Der 79-jährige Schützenkönig der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624, Sebastian Jagmann, genoss das Bad in der Menge - auch ohne Zigarre - aus der offenen Kutsche heraus, gezogen von vier Kaltblütern.

Ein Augen- und Ohrenschmaus war die von ihr verpflichtete Trachtenkapelle aus Roetgen, die die Dudelsack-Band vergangener Jahre abgelöst hatte. Die Stoppelhusaren aus St. Jöris, sonst in Linden-Neusen beheimatet, spielten dieses Mal mit tatkräftiger Unterstützung durch den Instrumentalverein Eilendorf, dem Jungenspiel Vorweiden „Nassau” auf, das am Ende des farbenprächtigen Spektakels eine gute Figur abgab.
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