Alsdorf - Jugendliche rappen über politische Themen

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Jugendliche rappen über politische Themen

Von: mabie
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„Das geht!“ in Alsdorf: Mit Teilnehmern erarbeitete Amin Saleh (l.) einen frisch eingesungenen Rap über politische Themen. Foto: Markus Bienwald
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Das Angebot in der Stadthalle umfasste auch einen prall mit Information gefüllten „Markt der Möglichkeiten“ (r.). Foto: Markus Bienwald

Alsdorf. Für Aysu Erkan und Lena Pütz ist die Sache klar: Sie finden Politik spannend, aber auch ein bisschen langweilig. „Weil Politik eigentlich nur von Erwachsenen gemacht wird“, sagt Aysu und freute sich am Mittwoch sehr darüber, gemeinsam mit vielen anderen jungen Menschen ab 16 Jahren im Rahmen der Reihe „Das geht!“ selbst mitzugestalten.

„In meinem Alter setzen sich die wenigsten mit Politik auseinander“, ergänzt Lena Pütz und findet die Idee der Städteregion Aachen gut, einmal Kommunen im ehemaligen Kreis Aachen zu einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe einzuladen, die nur von jungen Leuten gemacht wird. Aysu und Lena sind Teil des Organisationsteams, von dem jeder bestens informiert ist und einen guten Überblick über die insgesamt sieben Workshops am Vormittag geben kann.

Warum es so wichtig ist, lassen die beiden 16-Jährigen beim kurzen Gang von der Alsdorfer Stadthalle als Hauptveranstaltungsort zu den Räumlichkeiten der Abbba (Alsdorfer Bildungs-, Beratungs- und Begleitungsangebote) hören. „Durch die Arbeit an politischen Themen lernen wir als Erstwähler, dass es auch Spaß machen kann, für die Politik aktiv zu sein“, sagt Aysu. „Es ist eine tolle Chance, Politik zu gestalten“, sagt auch Lena.

Zurück im geordneten Gewusel der Alsdorfer Stadthalle hat Agnes Migenda dafür den richtigen Überblick. Sie arbeitet seit 27 Jahren bei der Stadt Alsdorf und freut sich als Vertreterin des für Jugendfragen zuständigen Bereiches sehr darüber, dass die jungen Menschen hier so viel Einsatz zeigen. „250 Schüler aus vier weiterführenden Schulen in Alsdorf haben sich angemeldet“, unterstreicht sie. Angemeldet hat sich die Schar von Jugendlichen für sieben frei wählbare Themenbereiche, die von Extremismus über Datenschutz, Musik, Literatur, Film bis hin zum Leben in der Informationsflut heutiger Tage reicht.

Letzteres ist auch ein Fachgebiet von Stefan Herrmann, der als Multimedia-Redakteur unserer Zeitung weiß, wie erdrückend die Flut von Meldungen und Meinungen manchmal sein kann. „Alleine 160 Millionen E-Mails werden weltweit pro Minute versandt“, sagt er einer sichtlich beeindruckten Schülerzahl. Im Zusammenspiel mit unzähligen Kommentaren und Neuigkeiten, die auf seriösen, aber auch manchmal zweifelhaften Kanälen die Meinungsbildung der Menschen beeinflusst, und den Internet-Suchmaschinen ergibt sich so ein Meer von Möglichkeiten, das manchmal überfordern kann. Durch gezielt ausgewählte Meldungen und eine gemeinsame Diskussion zeigte der junge Journalist aber auch einen Weg auf, im täglichen Datenwahnsinn nicht unterzugehen, sondern für sich oder für die Arbeit wichtige Dinge zu filtern.

Gefiltert wird im „Rap4Respect“-Workshop mit Amin Saleh nur der Luftstrom, der als Wortgefecht den Mund der jungen Nachwuchsrapper verlässt. Denn Amin hat alles mitgebracht, was es für einen Rapper braucht: Mikro mit Wind- und Ploppschutz, einen entsprechend ausgestatteten Computer und eine kleine Soundanlage, die in einer Endlosschleife einen Beat herunterspult. Anfangs scheint der Beat die jungen Menschen zu irritieren, doch durch seine ständige Anwesenheit gewöhnen sie sich nicht nur an ihn, sie gehen mit, finden mit Papier und Stift die richtigen Worte, die später in einen an diesem Vormittag exklusiv eingesungenen Song münden. Politisch sind die Texte, es geht um Armut, Politikverdrossenheit, Hartz IV und was Politiker mit ihrer Meinung anstellen sollen.

„Ihr solltet aber immer darauf achten, nicht nur alles schlecht zu finden, sondern solltet auch eine Meinung transportieren“, sagt Amin. Am Ende geht es um Freiheit, Gesundheit, Gerechtigkeit und die Erfahrung, dass gerade einmal vier Reime manchmal eine harte Nuss sein können.

Die hatte auch Michael Klarmann zu knacken, der mit seinem Workshop vor allem den Rechtsextremismus beleuchtete. Die Schwierigkeit war dabei eher, dass die jungen Menschen offenbar nur wenige Fragen gegenüber den Politikern hatten, die sich am Mittag den jungen Menschen stellen wollten. Doch nach einiger Zeit sickerten schließlich doch zwei für die jungen Menschen interessante Fragen durch: „Was kann man tun, damit Menschen nicht in den Extremismus abrutschen?“ und „Warum fördert die Politik nicht mehr Projekte gegen Rechtsextremismus?“

Begleitet wurde der dicht gepackte Projekttag von einem Filmteam, das aus dem ganzen Tag ein Film-Projekt macht, und natürlich viele Dialoge und Diskussionen. Auch beim Markt der Möglichkeiten waren Gespräche immer wieder gefragt, als sich im Forum der Stadthalle verschiedene politische und nichtpolitische Institutionen, Gemeinschaften wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und auch die Städteregion als Gastgeber mit vielen Informationen an die jungen Menschen wandten.

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