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Jugendamt personell unterbesetzt: Hoher Anspruch, harte Wirklichkeit

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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In Schräglage: Das Würselener Jugendamt kann seinen vielfältigen Aufgaben kaum noch nachkommen. Nun soll personell aufgestockt werden. Foto: imago/Schöning

Würselen. Probleme des Jugendamtes und die Frage, womit sich der Jugendhilfeausschuss eigentlich zu befassen hat, wurden in der jüngsten Sitzung dieses Ratsgremiums zum Teil kontrovers diskutiert. Eigentlich erhebt die Stadt Würselen gemäß dem selbst gewählten Motto den Anspruch, „Stadt der Kinder“ zu sein. Anspruch und Realität passen aber offenbar teilweise nicht zusammen.

In der Debatte gerieten sich die Sprecherin der SPD-Fraktion, Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers, und die Sprecherin der CDU-Fraktion, Sylvia T. Köhne, phasenweise in die Haare. Beide Fraktionen eint eigentlich die große Koalition. Die wurde beim späteren Abstimmungsverhalten auch wieder hergestellt.

Auslöser der Grundsatzdebatte waren der Etatentwurf 2017 (Kinder in Tagesbetreuung, Kinder- und Jugendarbeit, Hilfe für junge Menschen und ihre Familien), der Stellenplan und die Kindergartenbedarfsplanung. Zudem ging es um die Ergebnisse einer Analyse durch die externe Fachfirma Imaka, Institut für Management GmbH, und daraus folgende Empfehlungen, die das städtische Jugendamt und die Hilfen zur Erziehung betreffen.

Voigt-Küppers sprach von „katastrophaler Unterbesetzung“ des Jugendamtes und von „Fehlorganisation bei Be- und Abrechnungen“ von Leistungen. Imaka habe empfohlen, Personal aufzustocken, was unterm Strich effektiver und ökonomischer sei. Heißt: Mit mehr Personaleinsatz könnte bei der Leistungsbe- und -abrechnung unterm Strich eine Kosteneinsparung erzielt werden. Es gehe um etwa vier Stellen über den Zeitraum bis zum Jahre 2021 gesehen. Würselen leiste im Vergleich zu anderen Kommunen „überproportional“ Hilfe für Erziehung, habe Imaka festgestellt.

Herbert Zierden, Fachbereichsleiter für Schule, Jugend, Kultur und Sport, berichtete, dass die zusätzlichen Stellen bereits im Haushalt eingefügt seien. Das Jugendamt sei infolge von Mutterschutzzeiten in personelle Schwierigkeiten geraten. Zudem sei es schwierig, die Stellen zwischenzeitlich anders zu besetzen bzw. Ersatz zu finden.

Köhne kritisierte, dass die Stadt „pflichtigen Aufgaben“ nicht ausreichend nachkomme. Dazu gehöre es, eine angemessene Zahl von Kindergartenplätzen bereitzustellen (siehe Beitrag unten). Es sei Aufgabe der Leitung des Jugendamtes, die Schwierigkeiten zu nennen und auf Abhilfe zu drängen. „Wir sollten in Würselen zügiger zur Sache gehen. Die Eltern sind genervt. Wir brechen hier unter den Problemen zusammen. So kann das nicht weitergehen“, sagte Köhne mit Blick auf fehlende Kita-Plätze.

Auf Nachfrage von CDU-Sprecherin Köhne, wie es denn um die Fortschreibung des für weitere Maßnahmen grundlegenden Jugendförderplan stehe, bestätigte Jugendamtsleiter Zierden, dass dieses Zahlenwerk alle fünf Jahre überarbeitet werden soll. Dies könne das Jugendamt „derzeit beim besten Willen nicht leisten“. Zu gegebener Zeit werde man den Plan „wieder aufgreifen“. Zierden versprach: „Wir verlieren aber dadurch die Jugendarbeit nicht aus den Augen.“

Ebenfalls auf Nachfrage von Köhne räumte Zierden ein, dass die Arbeitsgemeinschaft 78 (siehe Info), in der freie Träger zusammenwirken sollen, Probleme hat. „Die letzte Sitzung ist lange her.“ Das Gremium habe keinen Vorsitzenden gefunden. Natürlich habe die Verwaltung immer die „Geschäfte der AG 78 betrieben“, aber sie können nicht auch noch die Frage des Vorsitzes klären. „Das kann die Kommunalverwaltung nicht leisten.“

Irritationen gab es zwischen Köhne und Voigt-Küppers über die Rolle des Landes. Die CDU-Sprecherin merkte an, dass NRW im Ländervergleich beim U-3-Platz-Ausbau auf dem letzten Platz liege. Die Vertreterin der SPD hielt dem entgegen, das Land habe Würselen bereits erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt. Kommunale Probleme hätten zur Verzögerung des Kita-Ausbaus geführt. Solche Debatten würden zur Politikverdrossenheit beitragen

Angesichts des Mehrbedarfs von 223 Kita-Plätzen wollte Köhne von der Stadtverwaltung wissen, wie es um die rechtlichen Ansprüche der Erziehungsberechtigten auf Plätze und entsprechende Klagen stehe.

Beigeordneter Roger Nießen (CDU) sagte, dass nach seiner Erfahrung und Einschätzung Eltern in Würselen kaum eine Chance auf Schadenersatz hätten.

Köhne bemängelte, dass ihre Anmerkungen in der Juni-Sitzung des Jugendhilfeausschusses nicht entsprechend im Protokoll festgehalten worden seien. Es reiche nicht aus, sich nur formal über „Bedarfe“ und deren Einhaltung auszulassen.

Ihrer Meinung nach gehörten weitere Themen wie Kinderarmut, Kinderrechte, Partizipation von Kindern und Jugendlichen, Medienkompetenzförderung, chancengerechter Bildungsstart, Umgang mit Flüchtlingskindern und auch die Umsetzung der Inklusion auf den Prüfstand – im Ausschuss und in der Verwaltung.

Jugendamtsleiter Zierden entgegnete, es sei nicht die Aufgabe des bzw. der Schriftführerin, ein Wortlautprotokoll zu führen. Vielmehr gehe es darum, in einem Ergebnisprotokoll die Hauptgedanken festzuhalten.

Beigeordneter Nießen sagte angesichts der Vorschläge, worum sich die Verwaltung noch intensiver zu kümmern habe, er sei dankbar für jede Anregung. Allerdings sei dies von einem angemessenen Stellenplan abhängig. Nießen in Richtung Politik: „Sie haben das in der Hand. Ich freue mich darauf.“

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