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Jüngster Eier-Skandal sorgt auch im Laden von Inge Heim für Gesprächsbedarf

Von: Stefan Schaum
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In Sachen Herkunft ihrer Eier hat sie ein gutes Gefühl: Bioladen-Betreiberin Inge Heim will das auch ihren Kunden vermitteln. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Wenn dieser Tage ein Kunde in den Settericher Bio-Laden von Inge Heim kommt und wissen will, ob sie wohl ein gutes Gefühl habe, was die Herkunft ihrer Eier betreffe, dann sagt sie: „Jawohl, das habe ich!“ Damit ist die Sache meist erledigt.

Vom aktuellen Skandal um Bio-Hühnerhöfe, die bei der Zahl der gehaltenen Tiere pro Quadratmeter kräftig manipuliert hatten, sei in ihrem Geschäft eher wenig zu spüren. Das Vertrauen, das sie in ihre Zulieferer setze, könne sie an die Kunden weitergeben, sagt die Ladenbetreiberin. Doch die einfache Rechnung „Bio = Gut“ gehe schon lange nicht mehr auf.

Dass die Herkunft von Bio-Produkten wieder in die Kritik rückt, sei einerseits bedauerlich, schließlich verunsichere es auch ihre Kunden. Doch sollte man andererseits „durchaus mal hinterfragen, woher plötzlich all die Sachen kommen, die mit werbewirksamem Bio-Etikett zuhauf in den Discountern liegen“. Dass so viele Betriebe quasi über Nacht die strengen Auflagen erfüllen konnten, bezweifelt sie. „Auf einmal hatte alle Bio-Eier im Angebot. Find‘ ich schon komisch.“ Dass jetzt schwarze Schafe entdeckt werden – es wundert sie also nicht.

Transporte aus Coesfeld

Es ist jedoch nicht so, dass sie morgens mit dem Weidenkorb zum Bauern um die Ecke geht und dort die Eier von einem guten Dutzend glücklicher Hühner aus einem urigen Stall holt, um sie verkaufen zu können. Ihr Großhändler sitzt recht weit weg. Aus Westfalen, in der Nähe von Coesfeld, rollen zwei Mal pro Woche frische Bio-Eier nach Setterich. „Mit dem Bild von Bauernhof-Romantik, das in vielen Köpfen ist wenn es um Bio geht, hat die Produktion wenig zu tun“, sagt sie. Auch in Bio-Betrieben scharren nicht selten Tausende Hühner, um wirtschaftliche Produktion zu ermöglichen. Doch die Rahmenbedingungen müssen stimmen: genug Platz pro Tier, das richtige Futter. „Deshalb ist Kon-trolle so wichtig“, wie sie unterstreicht. Ihren Großhändler kenne sie persönlich, man treffe sich des öfteren auf Messen und bei anderen Gelegenheiten. „Der hat schon Zulieferer aus seiner Liste genommen, wenn es Zweifel an den Produktionsbedingungen gab.“ Das sagt auch Volker Gauchel, Bio-Bauer auf Gut Paulinenwäldchen in Kohlscheid. Kühe gibt es dort, aber keine Hühner – ein Teil der Eier kommt von einem Hof bei Wesel. „Alles in einem 200-Kilometer-Radius gilt in der Bio-Branche noch als regionales Produkt“, sagt er. „Auch wenn der Verbraucher meistens glaubt, Region heißt: Aachen und Umgebung.“

Der jüngste Skandal hat in seinem Betrieb Wirkung gezeigt: Auf der Startseite des Onlineauftritts des Hofladens ist ein großer Hinweis auf die Herkunft der Eier zu finden – „geprüft und garantiert nach Bioland-Vorschriften“. „Es gibt immer wieder Leute, die gezielt nachfragen“, sagt der Landwirt, „die Vielzahl der Skandale hat den Verbraucher verunsichert“. Das Erklären gehört also zum täglichen Geschäft. „Wir kennen alle Zulieferer und sind auch regelmäßig in den Betrieben zu Gast“, sagt er und spricht von „zwei Arten von Bio“. Dem in den Discountern und dem im kleinen Handel vor Ort. Im ersten diktiere Preisdruck die Produktionsbedingungen, im zweiten regeln das die „Menschen, die mit Herzblut hinter Bio stehen“.

Hauptsache transparent

Bio macht Edyta Mertens nicht. Die Eier, die sie in ihrem Hofladen in Puffendorf anbietet, stammen aus Bodenhaltung, und zwar aus dem eigenen Betrieb. „Wir werden regelmäßig kontrolliert, müssen immer wieder angeben, zu welchen Bedingungen wir produzieren“, sagt sie. Sie setze zwar nicht auf Bio, aber auf transparente Produktion, sagt sie. Deshalb kann sie eine gewisse Freude darüber nicht verhehlen, dass es nun gerade solche Betriebe erwischt hat, die eine besonders gute Hühnerhaltung für sich beanspruchen. „Das ist ein Skandal, über den ich lache“, sagt sie. „Die Leute wollen alles immer möglichst günstig haben und dabei glauben, dass Bio-Qualität besonders gut ist. Aber mal ehrlich: Wie sollte das alles denn produziert werden können?“ So bleibt letztlich vom Skandal vor allem das übrig: Diskussionsbedarf.

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