Jetzt ist der Zug für Kohlscheid abgefahren

Von: mabie
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Ein Bild mit historischem Charakter, zumindest ab dem 15. Dezember: Denn pünktlich zur verkehrsreichen Weihnachtszeit wird der Haltepunkt in Kohlscheid aus dem Fahrplan der RB 33 genommen. Dann rauscht der Zuge durch . . . Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Eine Schweigeminute, die so nicht abgesprochen war, und doch Bände sprach, gab es am Dienstagabend beim Bau- und Verkehrsausschuss. Denn die RB 33 wird ab dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember nicht mehr in Kohlscheid halten.

Der Überbringer der Nachricht war der Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR), Heiko Sedlaczek, und er fühlte sich sichtlich unwohl in dieser Rolle. „Der Zug ist abgefahren“, meinte er resigniert. Er habe alles für den Erhalt des Haltepunktes der RB 33 getan, versicherte der seit 2006 in Merkstein lebende Vertreter des Nahverkehrs Rheinland. „Doch die Physik lässt sich nicht außer Kraft setzen“, meinte er mit Blick auf die Kuppelzeiten der künftig eingesetzten Doppelzüge auf dieser Linie. Offiziell ist in technischen Papieren immer von zwei Minuten die Rede, wenn baugleiche Züge in einen Verbund gekuppelt werden.

Neue Konstellation

Mit der neuen Konstellation auf der Strecke Aachen-Mönchengladbach durch die Hinzunahme der Strecke Heinsberg-Lindern sei dies aber nicht zu halten. So wird in Lindern der Zug geteilt, um nach Heinsberg und Duisburg zu kommen, und gekuppelt, um nach Aachen zu fahren.

Um sicher zu sein, dass der erste Zug, an den angekuppelt werden soll, auch wirklich steht, müssten drei Minuten eingerechnet werden, die Einfahrt des anzukuppelnden Zuges dauert weitere eineinhalb Minuten, dazu muss dann der Fahrer durch die geänderte Fahrtrichtung von der einen Kabine in die andere wechseln, so dass aus den zwei Minuten in der Theorie mindestens sieben Minuten in der Praxis würden. „Von den sieben Minuten kommen wir nicht herunter, wenn wir nicht für hohe Millionenbeträge in die Infrastruktur in Lindern investieren“, so Sedlaczek. Eventuell könnten dann auch mittelfristig zu beschaffende neue Fahrzeuge helfen, die Zeit zu verkürzen. So aber bliebe auch aufgrund der im Jahr 2011 erhobenen Fahrgastzahlen nur die Möglichkeit, den Halt in Kohlscheid wegfallen zu lassen, um die Fahrzeit der neuen RB 33 nicht zu verlängern.

Zweiter Punkt sei noch die Belastung dieser ohnehin viel befahrenen Strecke auch durch internationale Güterzüge. „Die kommen aus den Niederlanden und Belgien und haben Vorrang“, machte Sedlaczek deutlich. Der Halt Kohlscheid blieb auf der Strecke alternativlos, da sich weder in Richtung Herzogenrath noch in Richtung Aachen ein weiterer Halt einsparen ließe. „Ich kann ihnen versichern, ich habe sämtliche Prüfungen vorgenommen, um eine Möglichkeit zur Weiterbedienung zu finden: Es ist mir nicht gelungen“, sagte Sedlaczek mit hängenden Schultern. Natürlich werde er gemeinsam mit den Planungsexperten auch bei der DB Netz alles daran setzen, den Halt in Kohlscheid jedes Jahr wieder neu vorzusehen und einzuplanen. Allerdings habe der Abbau von Schienen wie Weichen in den letzten zehn Jahren hinsichtlich der Netzstruktur große Löcher in den Arbeitsmappen der Planer hinterlassen.

„Wir können keine Flexibilität einbauen, wenn uns die Infrastruktur fehlt“, unterstrich Sedlaczek. Eine Chance, die so genannte Ringbahn im Regionalbahn-Bereich weiterzuführen und damit die Taktung auch in Kohlscheid auf einen Halbstunden-Rhythmus zu steigern, sah er realistisch aber erst für Dezember 2015 an. Natürlich kündigten alle Ausschussmitglieder heftige Gegenwehr an.

„Wir müssen alles tun, um den Halt unbedingt zu erhalten“, fasste die Erste Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann zusammen. Sie schlug vor, eine vom NVR unterstützte Werbekampagne zu starten, sollte Kohlscheid in naher Zukunft wieder RB 33-Haltepunkt sein. Aus verschiedenen politischen Richtungen kam auch die Forderung nach einer erneuten Fahrgastzählung, da die vorgelegten Zahlen von nur durchschnittlich 1600 Ein- und Aussteigern täglich angezweifelt wurden. „Ein Drittel aller Fahrten entfällt“, so Dr. Bernd Fasel von Bündnis 90/Die Grünen, der den Haltepunkt Kohlscheid damit in seiner Substanz gefährdet sah. „Wir werden uns nicht damit abfinden“, meinte auch Reimund Billmann, CDU, der auf die 20.000 Einwohner am Technologie-Standort Kohlscheid hinwies.

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