„Jasstango”: Wilde Leidenschaft und tiefe Einsamkeit

Von: ehg
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Musikgenuss im Kulturforum :
Musikgenuss im Kulturforum : „Jasstango” entführte die Zuhörer auf einen spannende musikalische Reise, bei der sich alles um den Tango drehte. Foto: W.Sevenich

Würselen. Der „Tango Nuevo” des argentinischen Bandoneon-Virtuosen und legendendären Komponisten Astor Piazzolla steht wieder hoch im Kurs. Zu seinen derzeit herausragenden Interpreten zählt das Aachener Quartett „Jasstango”.

Dafür traten die vier Virtuosen Johanna Schmidt (Violine), André Klenes (Kontrabass) und Stefan Kremer (Schlagzeug) sowie Stefan Mischalke (Piano) beim Dreikönigskonzert des Kulturforums im mit 120 Besuchern voll besetzten Saal des Alten Rathauses überzeugend den Beweis an. Der renommierte Jazzpianist war für den verhinderten Bandoneon-Spieler Stefan Langenberg in die Bresche gesprungen, ein zweifelsohne ebenbürtiger Ersatz.

Am Ende freute sich der KuFo-Vorsitzende auf ein Wiedersehen mit der „Teufelsgeigerin” im März in anderer Formation. In das Konzert stimmte Rezitator Dietrich Hoppe die Besucher durch ein heiter ironisches, vom Dichterfürsten Johann Wolfgang Goethe 1811 in Weimar verfasstes Gedicht ein. „Wir haben allen Grund, fröhlich und temperamentvoll einzusteigen in das neue Jahr”, setzte Vorsitzender Kölling den „Katastrophenmeldungen” dieser Tage entgegen.

Siegeszug um die Welt

Die vier Musiker ließen sich nicht zweimal bitten und bescherten ihrem Publikum zwei facettenreiche Stunden rund um den vor 120 Jahren im Umfeld von sozialen Umwälzungen in Argentinien „geborenen” Tanzes, der erst nur in Hinterhöfen und Bordellen gespielt und getanzt werden durfte, wie Johanna Schmidt erklärte.

Von Argentinien aus trat er dann über Italien und Frankreich seinen Siegeszug um die ganze Welt an. Wobei Astor Piazzolla ihm ein klassisches Jazz-Gewand verpasste. „Jasstango” nahm seine Zuhörer mit auf einen spannende musikalische Reise im Stile des Argentiniers. Dabei zog das Quartett sie in schillernden Klangfarben in seinen Bann, nicht zuletzt auch durch die authentischen Eigenkompositionen des Bassisten und des Schlagzeugers. Die vier Meister ihres Faches machten auch in der orientalischen Welt Station.

Sie loteten auf ihrer Reise das Leben von den höchsten Höhen bis zu den tiefsten Tiefen aus, von dramatisch bis heiter, von überschäumend bis nachdenklich, aber auch lebendig pulsierend. Weit spannten sie den emotionalen Bogen. Anders gesagt: „Jasstango” bot eine spektakuläre Mischung von wilder Leidenschaft bis hin zu Aggressivität, Verletztheit und dem Gefühl der tiefen Einsamkeit.

Die Band näherte sich dem Zuhörer mit Witz und Melancholie, urbaner Skurrilität und volkstümlicher Einfachheit. In ihren phantasievollen Improvisationen drückte sie den einzelnen Stücken ihren ureigenen Stempel auf, wobei sich nicht nur die Violinistin Johanna Schmidt in Szene setzte. In ihrem Einfallsreichtum übertrafen sich die vier Musiker gegenseitig. Schnelle Takt- und Tempiwechsel forderten das Publikum heraus.

Die Musiker wurden erst nach mehreren Zugaben von der Bühne entlassen.
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